The Lab: Teravail Kessel Enduro-Reifen im Test
Wenn ihr auf dem Trail oft in Angst lebt, am nächsten Baum zu kleben, solltet ihr den Blick auf eure Reifen werfen. Hier könnte das Portfolio der US-Reifenmarke Teravail etwas bereithalten. Wir haben den Enduro-Reifen Teravail Kessel Ultra Durable über längere Zeit getestet. Schafft es der Underdog, den europäischen Reifenmarkt aufzumischen?
Teravail ist ein im Jahr 2015 gegründetes US-Unternehmen mit mittlerweile acht verschiedenen Mountainbike-Reifen. Erhältlich ist der Teravail Kessel, den wir im Test haben, mit 27,5” Durchmesser in 2,5” Breite oder als 29”er-Reifen, wahlweise 2,4 oder 2,6 Zoll breit. Außerdem gibt es zwei unterschiedlich robuste Karkassen und eine Tanwall-Edition mit hellbraunen Reifenflanken und der leichteren Karkasse.
Die beiden verschiedenen Karkassen – Durable und Ultra Durable – setzen beide auf eine 60 TPI-Basis mit zwei Nylon Schichten. Dazu kommt bei der robusteren Ultra Durable-Version noch eine weitere Faserschicht mit 120 TPI und eine Apex-Einlage an der Seitenwand. So soll ein Durchstich oder Snakebite, der häufig bei einem Durchschlag zustande kommt, unwahrscheinlicher werden. Die von uns getesteten Teravail Kessel Ultra Durable-Reifen wiegen 1.273 g pro Stück und entsprechen so ungefähr dem Gewicht eines MAXXIS DHF Doubledown oder Schwalbe Magic Mary mit Super Gravity-Karkasse. In Sachen Gummimischung lässt euch Teravail keine Wahl und bietet lediglich die Grip Compound–Mischung an. Eine exakte Angabe zur Gummihärte konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen, würden sie aber auf dem Level einer MAXXIS MaxxGrip-Gummimischung einordnen.
Auf dem Trail hat der von uns getestete 2.4” Teravail Kessel mit Grip Compound und Ultra Durable-Karkasse starke Arbeit geleistet. Sowohl auf trockenen hard-packed Böden als auch losem lehmigen Untergrund und im Matsch sorgt er für gute Traktion und Grip. Bringt man den Reifen doch einmal an sein Limit, reagiert dieser mit einem gleichmäßigen und gut kontrollierbaren Losbrechmoment und lässt sich so leicht wieder auf die Bahn bringen. Das macht ihn zu einem starken Allrounder und erspart euch nerviges Reifenwechseln. Wir sind die robuste Karkasse mit ähnlichen Drücken wie bei einer MAXXIS Doubledown- oder Schwalbe Super Gravity-Karkasse gefahren. Die Karkasse lässt einen niedrigen Luftdruck zu, ohne auf unseren Testfahrten Durchschläge auf die Felge zu riskieren oder in Kurven zu burpen. Dennoch liefert der Reifen Feedback vom Untergrund und ausreichend Rebound bei Absprüngen und an Kanten, um eine aktive Fahrweise zu unterstützen.
Bisher hatten wir auf unseren umfangreichen Testfahrten auf verschiedensten Trails keine platten Reifen und auch keine Schäden an Felgen durch Durchschläge. Die hohe Widerstandsfähigkeit der Reifen hat sich in den letzten drei Monaten sehr bewährt und der Reifen stellt eine gute Alternative zu den direkten Konkurrenten wie MAXXIS Minion DHF oder Schwalbe Magic Mary dar. Auch nach dem Ende unseres Testzeitraums mit sehr harten Trails und kräftigen Bremsmanövern hat der Reifen noch nicht unter übermäßigem Verschleiß gelitten und zeigt sich dadurch als sehr langlebig. Mit den Eckdaten des Reifens und der starken Karkasse schlägt sich der Teravail Kessel Ultra Durable im harten Enduro-Einsatz sehr gut.
Wer den Versuch wagt und dem Underdog im Reifen-Business eine Chance gibt, wird nicht enttäuscht: Die Reifen bieten guten Grip, einen hervorragenden Durchschlagschutz und das alles bei hoher Langlebigkeit. Dafür muss man mit fast 90 € für die Ultra Durable-Version auch tief in die Tasche greifen, kann aber davon ausgehen, dass die Reifen eine längere Halbwertszeit haben.
Tops
- robuste Karkasse, die für den Enduro-Einsatz passt
- gute Allroundeigenschaften
- Langlebigkeit
Flops
- hoher Preis
- keine Wahl bei der Gummimischung
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Text & Fotos: Peter Walker