Von Matsch und Regen in Schottland bis hin zu endlosen Abfahrten in den Alpen oder dicken Sprüngen auf den Hometrails – unsere Dauertestbikes hatten wahrlich kein leichtes Leben. Hinter ihnen liegen unzählige Kilometer und noch mehr Tiefenmeter auf anspruchsvollen Trails und bei knallharten Rennen. Mit dem Beginn der neuen Saison ziehen die Tester Bilanz und verraten euch, ob ihr Testbike sie überzeugen konnte und ob sie es kaufen würden.

Trevors Yeti SB6c X01

Ich war platt, als ich den Anruf bekam, dass ich das Yeti SB6c zurückschicken muss. Die letzten zwölf Monate war ich mit dem türkisfarbenen Biest gereist, hatte Rennen bestritten und neue Trails erkundet und wir hatten inzwischen eine echte Beziehung aufgebaut. Das Yeti ist ein Bike, das die Blicke auf sich zieht, wo immer man damit auftaucht: Die geschwungen Linien des Carbonrahmens sehen selbst im Stand schnell aus. Einen Trail gemütlich runterzucruisen ist mit diesem Bike unmöglich, genauso gut könnte man mit einem Eurofighter zum Einkaufen fliegen.

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Das Gewicht liest sich, als hätte man ein leichtes Trailbike vor sich, doch wenn sich der Trail bergab neigt, verwandelt sich das SB6c in einen bissigen DH-Wolf im Schafspelz. Bergauf wiederum überzeugt das Yeti selbst mit offenem Dämpfer und fährt sich effektiver als viele Räder mit deutlich weniger Federweg. Auf felsigem Terrain kann das Switch Infinity-System glänzen. Es frisst anstandslos jeden größeren Brocken und sorgt trotzdem für anhaltend satte Kontrolle und ein gutes Feedback.

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Auch im Verlauf des einjährigen Einsatzes hatte ich wenige Probleme. Die Shimano XT-Bremse versagte während eines Rennens und wurde als Garantiefall ersetzt. Nach einem harten schottischen Winter musste ich etwas ernüchtert feststellen, dass vier der teuren F6902 LLU-Lager das Zeitliche gesegnet hatten und auch am Ende des Sommers mussten sie bereits wieder ersetzt werden. Zwar habe ich die Lager nicht gerade mit Samthandschuhen behandelt, sie aber auch nicht vernachlässigt und regelmäßig gefettet. Bessere Dichtungen wären wünschenswert, da Lagerwechsel nervig und vor allem teuer sind.

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Am Ende des Tests war es das erste Rad, bei dem ich ernsthaft darüber nachdachte, es zu kaufen. Aber ich wurde schnell an das größte Manko des Yeti erinnert: Ich würde es mir wohl nicht leisten können. Das Yeti SB6c ist ein fürchterlich teures Kunstwerk, aber für Liebhaber mit entsprechend großem Portemonnaie ist es ein echtes Traumbike. Wie ein Bugatti Veyron steht es für grandioses Handling, perfekte Balance und stellt eine unfassbare Traktion zur Verfügung – genau wie der Supersportwagen von Bugatti braucht es aber auch das entsprechende Kleingeld!

Preis: 6.800 €
Gewicht: 12,8 kg
Federweg: 160/152 mm
Mehr Infos: Yeti Website
Gefahrene km: 2.267 km
Tiefenmeter: 61.100 m
Defekte:

  • zwei Satz Lager verschlissen
  • Shimano-Bremse undicht
  • zwei Reifen geschlitzt
  • Cane Creek-Steuersatz verschlissen

Würde ich das Yeti SB6c X01 kaufen?

Ich liebe jedes Detail des Yeti: Wie es sich fährt und wie es aussieht, ist einfach grandios. Es ist ein Traumbike in jeder Hinsicht. Was mich jedoch wirklich irritiert, ist der häufige Lagerwechsel und da ich hier im verregneten Schottland wohne, könnte ich mich nur schwer dazu durchringen, so viel Geld für das Bike auszugeben.

Hier findet ihr Trevs First Look und den Testbericht des Yeti SB6c.

Wenn ihr sehen wollte, was unsere Dauertester erleben, besucht unsere Dauertest-Timeline.

Text & Bilder: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.