Berge, Fjorde, Weiten, Stille, Trolle, unsere Bikes… und unglaublich viel Platz für sich selbst. Das sind die Zutaten für Freizeit nach dem Geschmack von Maria Schag und Rene Sendlhofer und diese fanden sie in Norwegen. Bis auf die Trolle, die bekommt man wirklich sehr schwer zu Gesicht. Rene Sendlhofer ist ein leidenschaftlicher Biker und Naturgenießer und berichtet uns über seine Reise nach Norwegen.

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Wir suchten nicht nur das Abenteuer in schöner Landschaft, wir wollten auch Freunde wiedersehen und so ergab sich von ganz allein unsere Route durch Süd- und Mittelnorwegen: Oslo – Kongsberg – Geilo – Hardangervidda – Bergen – Sogndal – Geiranger – Fjørå – Trollstigen – Romsdalen – Isfjorden – Molde und irgendwie wieder zurück…

Wer so mobil sein möchte, kommt ums Auto nicht herum – wir machten das Beste daraus und nahmen erstmal den Autoreisezug von Wien nach Hamburg, was auch Zeit sparte. So schafften wir es, nur gut 24h nachdem wir in Wien aufgebrochen waren, unseren ersten Zelthering in Oslo in die Erde zu drücken. 24h und ein Temperatursturz von über 20°C – der Hochsommer war für uns somit vorbei, doch genau das sind perfekte Bedingungen fürs Biken.

Schafe, die typischen Bewohner der norwegischen Hochebenen sind so gut wie überall anzutreffen.
Schafe, die typischen Bewohner der norwegischen Hochebenen sind so gut wie überall anzutreffen.

Selbiges machten wir auch als erstes: Wir trafen uns in Oslo mit zwei Locals. Arbeitskollegen eines Freundes, der uns den Kontakt mit den Worten: “Mit denen müsst ihr unbedingt biken gehen, die sind genau so verrückt wie ihr!”, vermittelt hatte. Verrückt heißt in Wahrheit supersympathisch. Sie servierten uns ihre besten Trails der Nordmarka am Silbertablett und weil’s so schön war, verabredeten wir uns zur Wiederholungstat auf unserer Rückreise. In Oslo machten wir auch erste Bekanntschaft mit dem Granit: Stein ist nicht gleich Stein, aber Granit ist – der absolute Hammer: griffig in jeder Lebenslage und Witterung.

Der Vøringfossen mit 183m Fallhöhe, die größte Freifallstrecke des Wassers ist 145m.
Der Vøringfossen mit 183m Fallhöhe, die größte Freifallstrecke des Wassers ist 145m.
Perfekte Singletrails in den Birkenwäldern.
Perfekte Singletrails in den Birkenwäldern.

Die Reise führte uns weiter durch das Numedal nach Geilo. Die Hardangervidda ist ein Kältepol und die Nächte im Zelt waren nur mehr aufgrund unserer Daunenschlafsäcke kuschelig. Wir waren überrascht – Mitte August war der sonst für seine Bike-Parks bekannte Ort wie ausgestorben, die Lifte aus. Die Saison war bereits zu Ende. Bei einer Tour ins Hinterland erklärte uns eine Sennerin mit einer beängstigenden Selbstverständlichkeit, dass es ohnehin bald zu schneien beginnen würde.

Blick vom Ulriken (643m), dem Hausberg von Bergen.
Blick vom Ulriken (643m), dem Hausberg von Bergen.
Bergen bei Nacht!
Bergen bei Nacht!

Ab Bergen begleitete uns aber wieder die warme Sonne und bald steuerten wir einen der Höhepunkte unserer Reise an: Fjørå. Norrøna-Fans wissen vielleicht Bescheid: dieses Label hat seine gesamte Bike-Kollektion nach diesem Ort benannt und einen vielversprechenden Werbeclip hinterhergejagt. Ich recherchierte schon zu Hause und glich immer wieder Karte und Bildausschnitte des Videos ab, bis ich sicher war, den Berg ‘identifiziert’ zu haben.

Die Tour war wirklich unvergleichbar schön. Wir starteten direkt am Meer, über Straße und Tragepassage waren wir in wenigen Stunden am Gipfel und durch geschickte Kombination der Wanderwege, waren wir hinunter sogar länger am Weg als hinauf. Vom Gipfel bis zum Bootshaus am Fjord war wirklich alles fahrbar: Wir hatten Berg- und Almenlandschaft, Wiesen mit Heidekraut und Schwarzbeeren, Birkenwälder und im untersten Teil glich die Vegetation den Wäldern, die wir aus dem Vinschgau kennen. Der Blick über den Fjord und die umliegenden Berge, während man selbst auch ganz oben ist, der kann einen schon in Staunen und Bewunderung versetzen.

Irgendwo im Nirgendwo auf einer Hochebene nahe Grotli im Strynefjell.
Irgendwo im Nirgendwo auf einer Hochebene nahe Grotli im Strynefjell.
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Aufstieg zum Mefjellet in bereits traumhafter Herbststimmung.
Aufstieg zum Mefjellet in bereits traumhafter Herbststimmung.

Danach ging’s zum zweiten Highlight: Wir waren Gäste in der Villa Vengetind bei Renate und Tommy Soleim von Romsdal Adventure. Beide sind Aussteiger, die erst vor knapp zwei Jahren von Südnorwegen nach Isfjorden gezogen sind, hauptsächlich weil sie sich unsterblich in die Gegend verliebt hatten. Als begeisterte Biker, Wanderer und Skitourengeher kennen sie mittlerweile jeden Winkel und haben kurzerhand die Passion zum Beruf gemacht: Renate kümmert sich um das leibliche Wohl ihrer Gäste und betreibt ein Catering, während Tommy auf Tour dafür sorgt, dass der Hunger auch wirklich kommt. Weil wir ab der kommenden Saison mit ihnen eine Kooperation betreiben werden, durften wir schon einmal vorab die privaten Gusto-Stückerl-Trails testen. Und wir waren begeistert! Kein Zweifel, Romsdalen wird sich noch zum absoluten Bike-Mekka etablieren. Zur Zeit ist es (zum Glück für uns?) einfach nur noch nicht so bekannt wie andere Regionen Norwegens. Am liebsten wären wir für immer geblieben. Die letzte Tour zeigte uns Tommy direkt an der Küste. Mit Blick auf das offene Meer und die Atlantik-Straße verabschiedeten wir uns schweren Herzens von der Region.

Blick zurück auf den Tafjord, der Traum jedes Bikers.
Blick zurück auf den Tafjord, der Traum jedes Bikers.
Biken direkt am Atlantik, im Hintergrund die Atlantikstraße mit ca. 8km Länge und ihren zahlreichen Brücken und Inseln.
Biken direkt am Atlantik, im Hintergrund die Atlantikstraße mit ca. 8km Länge und ihren zahlreichen Brücken und Inseln.
Die tief hängende Wolkendecke über dem Atlantik machte die Stimmung einzigartig.
Die tief hängende Wolkendecke über dem Atlantik machte die Stimmung einzigartig.

Am Heimweg lösten wir noch unser Versprechen in Oslo ein, bevor wir die Räder wieder gut im Auto verstauten und uns auf den Weg zurück in den Süden machten. Alle 100km freuten wir uns, wieder ein Stück geschafft zu haben – zu Hause wartete nämlich unser Hund und eines ist klar: Die nächste Trollsuche findet gemeinsam mit unserem vierbeinigen Begleiter statt…

“The worm”, so nannten wir die Passstraße vom Geirangerfjord rauf in die Hochebene.
“The worm”, so nannten wir die Passstraße vom Geirangerfjord rauf in die Hochebene.
Maria Schag und Rene Sendlhofer gehören zum Team von Bikefex mit Homebase in Graz. Touren, Techniktrainings und Mountainbikereisen, wie etwa nach Norwegen, sowie ins wunderschöne Soca-Tal, die Provence uvm. finden sich im Angebot. 'Unsere Natur auf 2 Rädern erleben'.
Maria Schag und Rene Sendlhofer gehören zum Team von Bikefex mit Homebase in Graz. Touren, Techniktrainings und Mountainbikereisen, wie etwa nach Norwegen, sowie ins wunderschöne Soca-Tal, die Provence uvm. finden sich in ihrem Angebot wieder.

Text & Fotos: Rene Sendlhofer, Bikefex


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