Das Canyon Neuron ist der Topseller im Portfolio des deutschen Direktversenders. Kein Bike wird häufiger gekauft und spricht eine breitere Käuferschaft an. Das Neuron AL 7.0 klingt auf dem Papier mit seiner top Ausstattung zum fairen Preis fast zu gut, um wahr zu sein. Wie schlägt es sich im Gelände?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail- und Touren-Bike unter 3.200 € im Test

Canyon Neuron AL 7.0 | 130/130 mm (v/h)
14,36 kg in Größe L | 2.239 € | Hersteller-Website

Bei Canyon gibt es richtig viel Bike fürs Geld. Mit einem Preis von 2.239 € ist das Neuron AL 7.0 das mit Abstand günstigste Bike im Test. Doch wer jetzt glaubt, hier eine Mogelpackung zu erhalten, den können wir gleich zu Beginn entwarnen. Der Rahmen macht einen absolut hochwertigen Eindruck und punktet mit solider Verarbeitung.

Die Ausstattung ist insgesamt sehr durchdacht und lässt fast keine Wünsche offen. So besitzt das Bike eine Teleskopsattelstütze mit 150 mm Verstellweg, ein FOX Fahrwerk mit 130 mm Federweg und einen 1×12-Antrieb, der auf einen Mix aus NX- und GX-Eagle-Komponenten setzt. Wichtig zu wissen: Aufgrund der Shimano Nabe kann man hier nicht einfach auf eine GX-Kassette upgraden. Bei den Bremsen setzt Canyon auf eine Shimano MT420 mit Vierkolbensattel in Front und 180er-Scheiben. Während die Bremsen mit guter Standfestigkeit punkten, ist die benötigte Handkraft aufgrund des Zweifingerhebels relativ hoch. Canyon begründet die Wahl damit, das Rad zu einem möglichst günstigen Preis anbieten zu wollen – wir hätten lieber an anderer Stelle gespart. Die Continental Mountain King-Reifen sind auf breiten Race Face AR30-Felgen montiert, welche sich um Shimano-Naben rotieren. Am Hinterrad haben sich bei unserem Test-Bike leider, wie schon bei unserem Test in Barcelona, die Speichen auf den ersten Runden gelockert.

Fehlender Biss
Die Shimano-Bremse sorgt für konstante Verzögerung, beißt aber aufgrund der Zweifingerhebel nicht super kraftvoll zu. Wir hätten uns lieber ein günstigeres Schaltwerk, dafür bessere Bremshebel gewünscht.
Geschmackssache
Der Continental Mountain King brilliert in keinem Bereich, ist aber insgesamt ein guter Allrounder. Nur bei Nässe fehlt es an Grip.
Neues Preisschild
Wer das Neuron AL 7.0 schon länger im Blick hat, wird sich sicher über den Preisanstieg gewundert haben. Canyon begründet diesen Schritt mit deutlich gestiegenen Transportkosten in der Corona-Krise.

Canyon Neuron AL 7.0

2.239 €

Ausstattung

Federgabel FOX 34 Rhythm 130 mm
Dämpfer FOX FLOAT DPS Performance 130 mm
Sattelstütze Iridium Dropper 150 mm
Bremsen Shimano MT420 180/180 mm
Schaltung SRAM GX/NX 30 (11-50)
Vorbau Iridium 60 mm
Lenker Iridium Flatbar 760 mm
Laufradsatz Race Face AR30/Shimano MT400 29
Reifen Continental Mountain King III 2,3"

Technische Daten

Größe XS S M L XL
Gewicht 14,36 kg

Besonderheiten


Sehr gut abgestimmt
Der Hinterbau des Neuron AL überzeugt auf ganzer Linie. Effizient, sensibel und mit ausreichend Reserven versehen. Top!
Schön integriert
Der Hebel der Steckachse verschwindet einfach, wenn man ihn nicht benötigt.
Richtig viel Platz
Im Rahmen des Neuron in Größe Large ist richtig viel Platz für eine große Trinkflasche. Speziell für lange Touren ist das ideal.

Die Geometrie des Canyon Neuron AL 7.0

Das Canyon Neuron setzt auf eine ausgewogene Geometrie, welche nicht durch einzelne, radikale Werte auffällt. Das gesamte Rad wurde so abgestimmt, um nicht nur in vielen verschiedenen Einsatzbereichen zu überzeugen, sondern auch jede Art von Fahrer abzuholen. Der Reach ist mit 453 mm eher kurz, Lenk- und Sitzwinkel sind konservativ gewählt. Am meisten fällt noch das tiefe Tretlager auf, was den Fahrer sehr zentral im Rad positioniert. Das Neuron ist in fünf Größen von XS–XL erhältlich. Die beiden kleinsten Größen besitzen 27,5”-Laufräder, der Rest rollt auf 29er.

Größe XS S M L XL
Sattelrohr 400 mm 400 mm 445 mm 480 mm 520 mm
Oberrohr 559 mm 581 mm 603 mm 626 mm 654 mm
Steuerrohr 90 mm 100 mm 100 mm 112 mm 143 mm
Lenkwinkel 67,0° 67,0° 67,5° 67,5° 67,5°
Sitzwinkel 74,5° 74,5° 74,5° 74,5° 74,5°
Kettenstrebe 430 mm 430 mm 440 mm 440 mm 440 mm
Radstand 1.122 mm 1.146 mm 1.166 mm 1.190 mm 1.222 mm
Reach 398 mm 418 mm 433 mm 453 mm 473 mm
Stack 579 mm 589 mm 612 mm 623 mm 651 mm
Helm Bell 4Forty MIPS | Jersey Leatt DBX 2.0 | Shorts Fox Ranger
Schuhe Specialized 2FO Cliplite | Rucksack EVOC STAGE 12L

Schon nach wenigen Metern mit dem Neuron AL wird klar, dass es ein Rad ist, mit dem man richtig Strecke machen kann. Das Rad beschleunigt leichtfüßig und effizient. Bergauf ist kaum ein Wippen zu spüren und den Griff zur Plattformdämpfung kann man sich sparen. Um bei steilen Sektionen nicht zu weit über dem Hinterrad zu sitzen, lohnt es sich aber, den Sattel nach vorn zu schieben. Apropos Sattel: Seine Form fällt seitlich ab, was ihn sehr unkomfortabel macht. In technischen Uphills punktet das Neuron mit guter Kontrolle und hoher Traktion.

Gutmütig, leichtfüßig, berechenbar – keine Superlative, einfach ein gutes Bike!

Trotz seiner eher konservativen Geometrie ist das Neuron AL bergab ein echter Garant für Fahrspaß. Einen sehr großen Anteil daran hat sicher der sehr gelungene Hinterbau. Das Heck spricht feinfühlig an, hat guten Gegenhalt und eine angenehme Progression. Das führt dazu, dass das Neuron viel Traktion generiert und sich dennoch sehr gut an Kanten in die Luft ziehen lässt. Das Fahrverhalten ist gutmütig und agil. Bei Highspeed in anspruchsvollem Terrain ist das Neuron nicht unsicher, sagt dem Fahrer aber deutlich, etwas auf die Bremse zu treten. Auch ohne Eingewöhnungszeit fühlt man sich auf dem Rad direkt wohl. In Kurven zeigt sich das Neuron als sehr berechenbar, intuitiv und gutmütig. Dank des tiefen Tretlagers steht man sehr gut integriert zwischen den großen Laufrädern und so vermittelt das Neuron auch in steilen Sektionen viel Fahrsicherheit. Allerdings braucht das Neuron AL 7.0 eine kräftigere Bremse, die Bremspower ist zwar konstant, aber es ist viel Handkraft nötig, um kraftvoll anzubremsen.

Wie fährt sich das Canyon Neuron AL im Vergleich zur Konkurrenz?

Das Canyon Neuron ist einer der besten Allrounder in diesem Test. Es klettert sehr leichtfüßig und bietet einen guten Kompromiss aus dem Vortrieb eines ROSE GROUND CONTROL und dem Komfort eines Trek Fuel EX. Zusammen mit dem YT IZZO befindet sich das Rad hier ganz vorne im Test. Auch in der Abfahrt ist es der Kompromiss, der überzeugt. Das Neuron ist nicht so direkt wie das MERIDA ONE-Twenty, dafür aber auch komfortabler und vielseitiger.

Tuning-Tipp: ggf. Reifen und Sattel tauschen

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Wenn man ein eher limitiertes Budget besitzt und nicht mehr als 2.300 € für ein Bike ausgeben kann oder will, erhält man mit dem Canyon Neuron AL 7.0 ein hervorragendes Trail- und Touren-Bike mit breitem Einsatzbereich. Es punktet mit hohem Komfort, guten Vortrieb und Fahrspaß bergab. Bei der Ausstattung muss man für diesen Preis aber Kompromisse eingehen.

Stärken

  • gutmütiges Handling
  • super Preis-Leistungs-Verhältnis
  • hoher Fahrkomfort
  • sehr guter Hinterbau

Schwächen

  • Sattel unbequem
  • Bremsen zu schwach
  • Speichen am Hinterrad gelockert

Mehr Informationen findet ihr unter canyon.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail- und Touren-Bike unter 3.200 € im Test

Alle Bikes im Test: Canyon Neuron AL 7.0 | FOCUS JAM 6.8 NINE (Zum Test) | GIANT Trance 29 1 (Zum Test) | MERIDA ONE-TWENTY 9.700 (Zum Test) | ROSE GROUND CONTROL 3 (Zum Test) | SCOTT Genius 950 (Zum Test) | Specialized Stumpjumper ST COMP (Zum Test) | Trek Fuel EX 8 XT (Zum Test) | YT IZZO COMP (Zum Test)

Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leidwesen seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur mittlerweile dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Storys selbst, testet um die 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder arbeitet direkt vom Van aus in einem der Top-Bike-Spots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.