Es tut sich etwas im Wienerwald in Österreich. Der erste Grundstein für die Erschaffung einer Trail Area wurde gelegt. Nähere Infos gibt es in der beigefügten Presseaussendung.

Wienerwald Trails ein Mountainbike Verein aus Wien tritt für eine Freigabe der Wege im Wienerwald für Mountainbiker ein. Um unnötige Konflikte mit anderen Waldbenutzern und Naturschutz vorzubeugen engagiert sich der Verein jedoch auch für die Schaffung eines eigenen, anspruchsvollen, nachhaltig angelegten und möglichst naturbelassenen Streckennetz für Mountainbiker im Wienerwald. “Der Bedarf einer zeitgemäßen und naturverträglichen Überarbeitung sowie Erweiterung der momentan existierenden MountainbikeStrecken ist aus der Sicht des Vereins zwingend notwendig. Umso wichtiger ist es, aufgrund der momentanen Situation, alle involvierten Gesprächsparteien an einen Tisch zu holen um das Streckennetz wieder attraktiv zu gestalten,” so Wienerwald Trails.

Gibt es bald legale Trails im Wienerwald?
Gibt es bald legale Trails im Wienerwald?
Foto: Georg Svoboda

Der Verein steht bereits in intensiven Verhandlungen mit Grundstückseigentümern und anderen Interessensgruppen. Für die erste Strecke in Weidlingbach soll bereits bis November 2014 das notwendige Gutachten bei den Behörden eingereicht werden. Der Bau für den ersten Trail soll, vorbehaltlich erfolgter Genehmigung, bis 2015 fertiggestellt werden. Als realistische Vision von Verein, Grundstückseigentümern und anderen Interessensgruppen soll darauf hin ein Streckennetz quer über den Wienerwald entstehen. Das Mammutprojekt hat Vorbildcharakter für ganz Österreich.

Das österreichische Problem – ein Statusbericht

Mountainbiken war in den letzten Monaten oft ein Thema in der Medienlandschaft. Wanderer beklagen die rücksichtslosen Raser im Wald. Jäger meinen, die Rückzugsgebiete der Tiere sind in Gefahr. Grundstücksbesitzer bangen wegen Haftungsfragen. Das Thema hat mittlerweile sogar die Politik erreicht. Von einer generellen Wegefreigabe bis hin zur Schaffung einer eigenen Trail Area wird rege diskutiert. Dabei gibt es europaweit genügend Beispiele wie z.B. das der Schweiz, wie ein Miteinander von Mountainbikern und z.B. Wanderern funktionieren kann.

Doch Österreich geht hier einen beispiellos eigenen Weg. Das Forstgesetz, das in Österreich klar regelt, wer den Wald betreten darf, stammt aus dem Jahr 1975. In den letzten 39 Jahren hat sich einiges verändert. So auch der Mountainbikesport, der in Österreich erst in den 80er Jahren populär wurde, sich bis heute stetig weiter entwickelt hat und sich bei Menschen aller Alters und Berufsgruppen steigender Beliebtheit erfreut. Wienerwald Trails meint dazu: Höchste Zeit, dass die gesetzlichen Verhältnisse an die Realität angepasst werden. Das bestehende Streckennetz im Wienerwald mit 1.000 km an Strecken und 20.000 Höhenmeter Niveauunterschied ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Die Zahlen lesen sich auf den ersten Blick imposant, entpuppen sich bei näherem Hinsehen leider großteils als Enttäuschung. Konzipiert zu einer Zeit als Mountainbiken mehrheitlich aus dem Befahren von Schotterstraßen bestand, trägt das Streckennetz den heutigen Anforderungen dieser Sportart keine Rechnung mehr, ist man bei Wienerwald Trails überzeugt. Ein Großteil der Streckenführung besteht tatsächlich aus Asphalt- und breiten Forststraßen. Fahrtechnisch anspruchsvolle Strecken und Singletrails bleiben die Ausnahme. Eine Streckenpflege findet kaum statt. Die Folgen? Viele Mountainbiker weichen, egal ob aus Unwissenheit oder aus Frustration, auf alternative und leider illegale Routen aus. Das führt notgedrungen zu
Konflikten. Und genau diese wollen wir entschärfen, meint Wienerwald Trials.

Noch ist Biken dort nur begrenzt attraktiv, das soll sich nun ändern
Noch ist Biken dort nur begrenzt attraktiv, das soll sich nun ändern
Foto: Oliver Lorenz

Ein Aspekt, den man an dieser Stelle nicht außer Acht lassen sollte: Mountainbiken stellt einen wichtigen Faktor für das tägliche Bewegungspensum der ÖstereicherInnen dar. Die durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technik durchgeführten Umfrage aus dem Jahr 2009 ergab, dass 33% der Radfahrer in Wien ein Mountainbike besitzen. “Es braucht somit eine weitsichtige Lösung um diese Probleme unter einen Hut zu bringen. Dafür steht Wienerwald Trails”, betont Alexander Arpaci, Obmann des MTBVereins, selbst Forstwissenschaftler und Mountainbiker.

Die Lösung wie es aussehen könnte und was geplant ist

Die Vision von Wienerwald Trails ist, Mountainbikern aller Alters- und Könnensstufen die Ausübung ihres Sports im Wienerwald zu ermöglichen. Aus der Sicht des Vereins muss es dafür zu einer zeitgemäßen, naturverträglichen Überarbeitung und Erweiterung der momentanen Mountainbike-Strecken kommen. So könnte man eine sanfte Lenkung der Mountainbiker im Wienerwald erreichen und damit verbundene, potentielle Konflikte bereits im Ansatz entschärfen. Auch die Sicherheit aller kann laut Wienerwald Trails damit gehoben werden.

Umso wichtiger ist es dem Verein, alle involvierten Gesprächsparteien wie Grundstücksbesitzer, Forstwirtschaft, Jägerschaft, Naturschutz, Gemeinden, Behörden, Tourismus und andere Interessenvertretungen von Beginn an an einen Tisch zu holen, um ein gemeinsames Nutzungskonzept zu erarbeiten. “Denn nur dann kann ein nachhaltiges Nutzungskonzept erarbeitet und komplexe Themen wie z.B. die Haftungsfrage geklärt werden”, meint Alexander Arpaci.

Als Ziel hat sich der Verein nicht nur die Errichtung eines ineinander greifenden Streckennetzes vom Kahlenberg bis zum Anninger mit einem zeitlichen Horizont bis zur Inbetriebnahme von 5 Jahren gestellt. Besonderes Augenmerk soll bereits von Beginn weg auf die Umweltverträglichkeit gelegt werden. Immerhin ist der Wienerwald seit 2005 UNESCO-Biosphärenpark und steht für das Zusammenleben von Mensch und Natur. Wienerwald Trails möchte hier zum einen auf bereits bestehende Strecken setzen bzw. diese nur geringfügig adaptieren. Auf der anderen Seite soll beim Bau von neuen Strecken zum Beispiel auf schweres Gerät verzichtet werden.

_GOR_9696_Georg_Svoboda

Als ersten Schritt, um das neue Streckennetz im Wienerwald zu etablieren, ist Wienerwald Trails mit Grundstücksbesitzern in Weidlingbach (NÖ) in Verhandlungen. Gemeinsam sollen die Rahmenbedingungen für die erste legale MTB Strecke im Zuge des Projekts festgelegt werden. Über die Jahre hat sich in dieser Region eine illegale Mountainbikestrecke etabliert in der Szene auch als Salamander Trail bekannt. Das erste Ziel von Wienerwald Trails ist die Legalisierung dieser Strecke. Das dafür benötigte Gutachten soll bis November 2014 bei den zuständigen Behörden eingereicht werden. Nach erteilter Genehmigung soll der Trail 2015 dann legal für Mountainbiker befahrbar werden. Weitere Strecken sollen diesem Beispiel folgen. “Für uns ist es ein erster Test, ob unser gedachtes Konzept auch durchführbar ist”, meint der Obmann des Vereins, Alexander Arpaci. “Der Weg bis zur Fertigstellung des Projekts wird nicht einfach werden. Wir sind aber überzeugt, dass wir alle an einem Strang ziehen und so die bestmögliche Lösung für alle erzielen. Damit Mountainbiken im Wienerwald endlich auch legal Spass macht. Wer jetzt Mitglied wird, hat die Möglichkeit, tatsächlich etwas zu verändern.”, so Arpaci. Infos zum Verein findet man auf wienerwaldtrails.at.

Text: Wienerwald Trails Presseaussendung Fotos: Oliver Lorenz / Georg Svoboda


Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als ENDURO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die Mountainbike-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!

Über den Autor

Aaron Steinke

Aaron war der erste Mitarbeiter unseres Unternehmens, hat es tatkräftig mit aufgebaut und dabei den Auftritt und die Ausrichtung unserer Magazine maßgeblich mitgeprägt. Seit Mitte 2020 verfolgt er eigene Projekte, berät und unterstützt uns aber weiterhin bei Marketing- und Technik-Themen. Viele Jahre lang konnte man Aaron vor allem auf spaßorientierten Enduro-Rennen finden, in letzter Zeit auch vermehrt auf dem Rennrad – es lebe die Freiheit auf zwei Rädern!