Der Puls rast, die Beine brennen, der Schweiß tropft von der Stirn. Eigentlich hätte es nur eine kurze Bike-Runde werden sollen – doch mit dem Ibis Ripley ist es wieder mal eskaliert. Warum nur ist dieses Bike das Äquivalent zu dem Kumpel, mit dem man jedes Mal bis 5 Uhr morgens um die Häuser zieht? Unser Test hat es herausgefunden!

IBIS RILEY XTR BUILD | 180/180 mm | 11,68 kg | 9.998 €

Edel, durchdacht und leicht – das Ibis Ripley im Detail

Das Ibis Ripley sieht im Stand nicht gerade aus wie ein Mountainbike, das es faustdick hinter den Ohren hat. Die geschwungenen Linien, der cleane Rahmen und die eher filigranen Rohre erinnern mehr an den schüchternen Nerd als an den Rowdy aus dem Football-Team. Betrachtet man aber die Kennzahlen des Ripley, wird schnell klar, dass es weit mehr als nur ein langweiliges Touren-Bike ist. Der Lenkwinkel fällt mit 66,5° für ein Rad mit 120 mm Federweg am Heck ganz schön flach aus, der Reach ist mit 475 mm auf dem gleichen Level wie bei modernen Enduro-Bikes. Abgerundet wird das Package von einem steilen Sitzwinkel, der entspannte Uphills garantiert, und einem sehr tiefen Oberrohr für maximale Bewegungsfreiheit auf dem Trail.

IBIS RIPLEY XTR BUILD

9.998 €

Ausstattung

Federgabel FOX 34 Factory FIT4 130 mm
Dämpfer FOX FLOAT DPS Factory 120 mm
Sattelstütze Bike Yoke Revive 185 mm
Bremsen Shimano XTR 2-Kolben 180/180 mm
Schaltung Shimano XTR 1x12
Vorbau Thomson Elite X4 50 mm
Lenker Ibis Carbon 800 mm
Laufradsatz Ibis 935 Carbon 29"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 11,68 kg

Das Ripley ist der persönliche Drill-Sergeant, der einen permanent zu Höchstleistungen pusht.

Wie von Ibis nicht anders zu erwarten, verfügt auch das Ripley über einen DW-Link mit einem Dämpfer, der parallel zum Unterrohr liegt. Angelenkt wird er über zwei Umlenkhebel. Um Gewicht zu sparen, verbaut Ibis am unteren Link Igus-Gleitlager, auf die es eine lebenslange Replacement-Garantie gibt. Ibis-typisch gibt es das Ripley in verschiedenen Built-Kits. So kann man sich das Rad ganz nach den eigenen Vorlieben konfigurieren. Wir erhielten für diesen Test das Topmodell mit XTR-Schaltung und -Bremse und einem FOX Factory-Fahrwerk mit einer 130 mm langen 34er-Federgabel und einem DPS-Dämpfer. Preislich liegt dieses Modell mit Traum-Spec bei satten 9.998 €. Darin sind dann aber auch die Ibis S28-Carbonfelgen enthalten.

Auf Fahrspaß getrimmt
Das Cockpit trägt einen großen Teil zum souveränen Handling des Ripley bei. Der Lenker ist mit 800 mm richtig breit, der Vorbau mit 50 mm angenehm kurz.
Super hochwertig
Der Preis des Ripley ist zwar hoch. Gemessen an der hohen Verarbeitungsqualität geht er aber in Ordnung.
Vortriebsstark
Die 120 mm Federweg am Heck sind voll auf Vortrieb getrimmt, den Griff zur Plattformdämpfung kann man sich hier sparen. Dennoch bietet das Ibis Ripley ausreichend Reserven für anspruchsvolle Trails.

Scharf wie ein Rasiermesser – das Handling des Ripley ist super präzise!

Die freie Wahl
Ibis lässt dem Fahrer die Wahl: Man kann das Rad entweder mit 120, 130 oder 140 mm Federweg fahren und dadurch den Charakter noch mehr an die eigenen Vorlieben anpassen.
Viel Platz
Dank der 185 mm langen Sattelstütze hat man auf dem Ripley massig Platz. Das sorgt im Steilen für Sicherheit, unterstreicht aber auch im flachen Terrain den Spieltrieb.
Leichtbau
Die XTR-Zweikolbenbremse passt super zum Charakter des Bikes. Wer allerdings häufig lange Abfahrten in Angriff nimmt, sollte hier ggf. upgraden.

Passend zum Charakter des Bikes verbaut Ibis eine Schwalbe Reifen-Kombi aus einem Hans Dampf-Vorder- und einem Nobby Nic-Hinterreifen. Ein Highlight ist die 185 mm lange BikeYoke REVIVE-Sattelstütze, die nicht nur mit massig Verstellbereich, sondern auch mit super geringen Bedienkräften begeistert. Das Gesamtgewicht unseres Test-Bikes beträgt schlanke 11,86 kg – und das merkt man schon beim Aufsteigen.

Größe S M L XL
Sattelrohr 368 mm 381 mm 418 mm 470 mm
Oberrohr 574 mm 603 mm 630 mm 658 mm
Steuerrohr 90 mm 105 mm 115 mm 125 mm
Lenkwinkel 66,5° 66,5° 66,5° 66,5°
Sitzwinkel 76° 76° 76° 76°
Kettenstrebe 432 mm 432 mm 432 mm 432 mm
Tretlagerhöhe 335 mm 335 mm 335 mm 335 mm
Radstand 1.147 mm 1.178 mm 1.207 mm 1.236 mm
Reach 425 mm 450 mm 475 mm 500 mm
Stack 599 mm 613 mm 622 mm 631 mm
Helm Smith Forefront | Brille Oakley Jawbreaker | Shirt ION Custom Logo Shirt | Shorts ION Scrub Amp | Schuhe ION Rascal

Das Ibis Ripley auf dem Trail

Kaum schwingt man sein Bein über das niedrige Oberrohr des Ripley, kennt das Rad nur eine Richtung: vorwärts! Es beschleunigt wie von der Tarantel gestochen. Der Hinterbau mit seinen 120 mm Federweg verhärtet unter Kettenzug spürbar und so sprintet das Bike willig voran. Wow! Flache Trails werden so zu einem riesigen Spielplatz. Wo man mit anderen Bikes gelangweilt dahinpedaliert, sorgt das Ripley für massig Fahrspaß. Doch das Rad kann auch entspannt, denn die Sitzposition ist absolut ausgewogen und super komfortabel. Wer einen Alpencross plant und regelmäßig lange, steile Uphills hinaufpedaliert, dem macht das Ripley das Leben um einiges leichter. Rückenschmerzen? Mit diesem Bike fast ein Ding der Unmöglichkeit.

So spritzig und leichtfüßig, wie das Ibis Ripley bergauf klettert, so fährt es sich auch bergab. Das Handling ist sehr lebendig und super direkt. Impulse setzt das Ripley ohne Verzögerung um. Die Balance ist trotz der kurzen Kettenstreben gelungen und das Lenkverhalten ist dadurch ausgewogen und gutmütig. Der Hinterbau spricht gut an, doch aufgrund der lediglich 120 mm Federweg darf man natürlich keine Wunder erwarten. Als Fahrer ist man bei höheren Geschwindigkeiten schon gefragt und bekommt viel Feedback vom Untergrund durchgereicht.

Beim Pushen bietet das Ripley massig Gegenhalt und nutzt auch hier das Gelände, um viel Geschwindigkeit aufzubauen. So ist es die perfekte Wahl für schnelle, flowige Trails. Doch auch, wenn es mal steil und verblockter wird, gerät das Ripley nicht an sein Limit. Dann zeigt es seinem Fahrer aber auch deutlich auf, wann es an der Zeit ist, etwas vom Gas zu gehen. Hier könnte eine Federgabel mit 140 mm noch mehr Reserven bieten – Ibis hat das Rad dafür auch freigegeben. Robustere Reifen würden dem Abfahrtspotenzial des Ripley ebenfalls guttun, allerdings geht es auch hier um die Balance aus leichtfüßiger Beschleunigung und Potenz bergab. Unter diesem Gesichtspunkt finden wir, dass die Schwalbe-Kombi ein guter Kompromiss ist.

Tuning-Tipp: wer bergab mehr Reserven möchte, greift zur 140-mm-Federgabel und zu robusteren Reifen

Unser Fazit zum Ibis Ripley

Das Ibis Ripley ist eine echte Spaßmaschine! Wer ein schnelles und direktes Trail-Bike mit einem sehr lebendigen Charakter sucht, um auf flachen Trails maximalen Spaß zu haben, wird hier fündig! Trotz lediglich 120 mm Federweg am Heck macht es auch auf anspruchsvollen Trails eine gute Figur und im Uphill ist es ohnehin eine Klasse für sich. Die Verarbeitung und Ausstattung sind top – der Preis für die Top-Version aber hoch.

Stärken

  • bergauf der Hammer
  • super Sitzposition
  • sehr lebendig und verspielt bergab
  • ausreichende Reserven für gröberes Terrain

Schwächen

  • teuer
  • insgesamt eher straff abgestimmt

Mehr Informationen findet ihr unter ibiscycles.com

Euch interessiert Ibis, aber das Ripley hat euch etwas zu wenig Federweg? Dann verpasst auf keinen Fall unseren Test vom Ibis Ripmo. Für alle, die sich noch mehr Reserven und kleinere Laufräder wünschen, wäre auch unser Test vom Mojo HD5 interessant.

Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.