Keine Frage, Enduro boomt! Die Auswahl an Bikes ist größer denn je und die Hersteller buhlen mit Marketingversprechen der Superlative um die Gunst der Kunden. Gleichzeitig sorgen ständig neue Standards und verschiedene Laufradgrößen für Verwirrung. Worauf es wirklich ankommt und welches das aktuell beste Endurobike auf dem Markt ist, verrät dieser Vergleichstest.

Keine Kompromisse – so lautet das Motto bei diesem Vergleichstest. Zum Test geladen: die edelsten und interessantesten Endurobikes der Saison. Ihr Preis? Nebensächlich! Gemeinsam mit einem erfahrenen Testteam haben wir mehrere Tage in der Bike Republic Sölden verbracht, um die Räder sowohl auf naturbelassenen, anspruchsvollen Singletrails als auch auf angelegten Bikepark-Strecken an ihre Limits zu bringen. Was wir gesucht haben? Das Rad mit dem perfekten Gesamtpaket, das sowohl Profis beim Racen als auch normale Biker im täglichen Einsatz glücklich macht. Bei unseren Tests sind einige Fakten besonders ins Auge gestochen.

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Die Luft wird dünner

Noch vor Kurzem lagen zwischen der Performance vieler Räder Welten. Doch die Luft an der Spitze wird dünner. Die Geometrien vieler Räder ähneln sich immer mehr, die Ausstattungen sind durch die Bank sehr gut und selbst bei günstigen Modellen gibt es immer weniger Kritikpunkte. Am Ende sind es Details, die entscheiden und die ein gutes Bike von einem sehr guten Bike unterscheiden.

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Keep the Balance

Verfolgt man die Diskussionen auf verschiedenen Internetplattformen oder im Bekanntenkreis, könnte man fast meinen, bei der perfekten Geometrie eines Bikes zählten ausschließlich ein langer Reach, ein flacher Lenkwinkel und extrem kurze Kettenstreben. Es steht außer Frage: Moderne Geometrien haben sich bewährt! Doch es geht auch zu lang, zu flach oder zu kurz. Entscheidend für die Beurteilung des Handlings ist nicht der Vergleich einzelner Werte, sondern die Betrachtung aller Daten im Gesamtkontext und die Balance des Bikes. Die stimmigste Geometrie haben das YT CAPRA und das Yeti SB5.5c. Beide Räder besitzen weder einen übermäßig langen Reach noch super kurze Kettenstreben, verfügen aber dennoch über ein enormes Maß an Laufruhe, hohe Agilität und lassen sich sehr berechenbar und ohne großen Körpereinsatz durch Kurven navigieren.

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2-fach ist tot!

Eine Nachricht, die uns überhaupt nicht traurig macht: 2-fach-Antriebe bei Endurobikes sind Geschichte! Zwar bieten vereinzelte Hersteller in seltenen Fällen noch meist günstige Bikes mit 2-fach-Antrieben an. Bei Neuentwicklungen ist aber ein klarer Trend hin zu 1-fach-only-Bikes zu erkennen. Auf die Option, einen Umwerfer zu montieren, verzichten viele Firmen. Zu groß sind die Vorteile, die ein 1-fach-Antrieb bietet: bessere Lagerpunkte, optimierte Hinterbaukinematiken, mehr Steifigkeit und zu guter Letzt intuitiveres Schalten. Spätestens seit der Einführung der neuen SRAM Eagle 12-fach-Schaltgruppe ist nun auch die Übersetzungsbandbreite kein Hindernis mehr. Kein Wunder also, dass keines der Bikes in diesem Test über einen 2-fach-Antrieb verfügte und wir ihn auch nirgends vermissten.

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Die Testbikes im Überblick

Bike Federweg Gewicht Preis
BMC Trailfox 01 XX1 160 / 150 mm 13,10 kg 6.999 €
Bold Linkin Trail LT 29 160 / 154 mm 12,87 kg 8.266 €
Canyon Strive CF 9.0 Race 160 / 160 – 135 mm 13,10 kg 4.099 €
CUBE Stereo 160 C:68 Action Team 27.5 160 / 160 mm 12,44 kg 5.999 €
Giant Reign Advanced 1 160 / 160 mm 13,80 kg 4.999 €
SCOTT Genius LT 700 Tuned 170 / 170 – 110 – 0 mm 12,52 kg 7.999 €
Rotwild R.E1 FS EVO 160 / 160 mm 13,38 kg 5.299 €
Yeti SB 5.5C X01 160 / 140 mm 13,38 kg 8.490 €
YT Capra CF Pro Race 160 / 170 mm 13,37 kg 4.199 €

BMC Trailfox 01 XX1
BMC Trailfox 01 XX1 Test

Bold Linkin Trail LT 29
Bold Linkin Trail LT 29 Test

Canyon Strive CF 9.0 Race
Canyon Strive CF 9.0 Race Test

CUBE Stereo 160 C:68 Action Team 27.5
CUBE Stereo 160 C:68 Action Team 27.5 Test

Giant Reign Advanced 1
Giant Reign Advanced 1 Test

SCOTT Genius LT 700 Tuned
SCOTT Genius LT 700 Tuned Test

Rotwild R.E1 FS EVO
Rotwild R.E1 FS EVO Test

Yeti SB 5.5C X01
Yeti SB 5.5C X01 Test

YT Capra CF Pro Race
YT Capra CF Pro Race Test

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Tops

Bandbreite, Baby! Die SRAM XX1 Eagle begeistert nicht nur durch ihre goldene Beschichtung, der größte Vorteil der neuen Schaltgruppe ist die enorme Bandbreite dank des riesigen 50-Zahn-Ritzels.
Bandbreite, Baby!
Die SRAM XX1 Eagle begeistert nicht nur durch ihre goldene Beschichtung, der größte Vorteil der neuen Schaltgruppe ist die enorme Bandbreite dank des riesigen 50-Zahn-Ritzels.
Super smooth Die FOX 34 FLOAT im ROTWILD E1 verfügt bereits über den neuen E16-Dämpfertune, der der Federgabel ein seidenweiches Ansprechverhalten und top Dämpfungseigenschaften verleiht. Die beste FOX-Federgabel, die es je gab!
Super smooth
Die FOX 34 FLOAT im ROTWILD E1 verfügt bereits über den neuen E16-Dämpfertune, der der Federgabel ein seidenweiches Ansprechverhalten und top Dämpfungseigenschaften verleiht. Die beste FOX-Federgabel, die es je gab!
Gut gedämmt Kein Rad im Test war so leise wie das Yeti SB5.5c. Hier klapperte und knarzte nichts. Der Kettenstrebenschutz ist zu den Sitzstreben hinaufgezogen. Kleine Details wie dieses klingen marginal, doch weniger Lärm bedeutet am Ende auch eins: mehr Fahrspaß!
Gut gedämmt
Kein Rad im Test war so leise wie das Yeti SB5.5c. Hier klapperte und knarzte nichts. Der Kettenstrebenschutz ist zu den Sitzstreben hinaufgezogen. Kleine Details wie dieses klingen marginal, doch weniger Lärm bedeutet am Ende auch eins: mehr Fahrspaß!
Outstanding Kein Hinterbau im Test funktionierte besser als der des Yeti SB5.5c. Das Hauptlager wandert auf den Switch-Infinity-Link genannten Schienen und sorgt so für einen virtuellen Drehpunkt. Hohe Antriebseffizienz, gepaart mit top Ansprechverhalten, ist das Resultat.
Outstanding
Kein Hinterbau im Test funktionierte besser als der des Yeti SB5.5c. Das Hauptlager wandert auf den Switch-Infinity-Link genannten Schienen und sorgt so für einen virtuellen Drehpunkt. Hohe Antriebseffizienz, gepaart mit top Ansprechverhalten, ist das Resultat.

Flops

Überflüssig Der Dämpfer-Remotehebel am CUBE Stereo ist nicht nur schwergängig, er ist neben dem Verstellhebel der Teleskopsattelstütze auch schwer zu erreichen. Unser Rat: demontieren!
Überflüssig
Der Dämpfer-Remotehebel am CUBE Stereo ist nicht nur schwergängig, er ist neben dem Verstellhebel der Teleskopsattelstütze auch schwer zu erreichen. Unser Rat: demontieren!
Eingeknickt Die Giant-Carbonfelge am Hinterrad hat den Belastungen des Tests leider nicht standgehalten und ist gerissen. Eine Alu-Felge hätte nach dem verhältnismäßig geringen Einschlag vermutlich nur eine Delle, die Carbonfelge hingegen ist Schrott. Ein teures Vergnügen.
Eingeknickt
Die Giant-Carbonfelge am Hinterrad hat den Belastungen des Tests leider nicht standgehalten und ist gerissen. Eine Alu-Felge hätte nach dem verhältnismäßig geringen Einschlag vermutlich nur eine Delle, die Carbonfelge hingegen ist Schrott. Ein teures Vergnügen.

29″: ein neuer, alter Trend

Bereits vor drei Jahren haben die ersten Hersteller 29er mit ordentlich Federweg auf den Markt gebracht. Während wenige Fahrer die Vorteile erkannten, war die Skepsis bei vielen gegenüber den großen Laufrädern ausgeprägt. Zu geringe Steifigkeit und zu träge, so lautete häufig das Vorurteil, meist ohne die Räder überhaupt gefahren zu haben. Der neue Boost-Achsstandard sorgt nun jedoch für das Comeback einer Laufradgröße, die nie wirklich weg war. Skeptikern können wir nur raten: Probiert sie aus, die großen Räder – ihr werdet es nicht bereuen!

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Die Szene im Wandel

„Warum habt ihr nicht das Rad von Firma XY getestet?“ Diese Frage taucht nach jedem unserer Vergleichstests immer wieder auf. Antworten darauf gibt es viele. Meist liegt es schlichtweg daran, dass das Rad zum Testzeitpunkt nicht verfügbar war. So hätten wir auch bei diesem Test gerne Bikes von Trek oder Specialized im Testfeld gehabt. Die neuen Modelle waren jedoch zum Zeitpunkt des Tests noch nicht lieferbar. Ein festes Modelljahr wie noch in der Vergangenheit existiert nicht mehr. Räder werden dann vorgestellt, wenn sie fertig sind – nicht, wenn eine große Messe ansteht. Das freut den Kunden, erschwert jedoch auch die Testplanung. Oftmals scheuen außerdem Hersteller aus Angst vor einer negativen Bewertung die Teilnahme an einem unserer Vergleiche.

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Fazit

Das Yeti SB5.5c ist das beste Endurobike. Egal ob zum Racen, auf epischen Touren oder auf der schnellen After-Work-Runde – das Yeti setzt neue Maßstäbe und begeistert mit einem extrem ausgewogenen Handling, superben Fahrwerk, guten Klettereigenschaften und einem atemberaubenden Design! Aber auch wenn der Preis bei diesem Test keine Rolle spielte, sind 8.499 € dennoch ein ganz schöner Brocken. Speziell wenn man bedenkt, dass man dafür zwei YT CAPRA CF Pro Race oder zwei Canyon Strive CF 9.0 Race erhält und letztlich leisten sich auch diese beiden Bikes kaum Schwächen. Das CAPRA ist unser Preis-Leistungs-Sieger und punktet ebenfalls mit grandiosem Handling, genialer Abfahrtsperformance, sattem Fahrwerk sowie unschlagbarer Ausstattung, klettert aber nicht ganz so spritzig wie das Yeti. Was die anderen Bikes in diesem Vergleichstest auszeichnet und wo ihre Stärken und Schwächen liegen, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Alle Bikes im Test: BMC Trailfox 01 XX1 | Bold Linkin Trail LT 29 | Canyon Strive CF 9.0 Race | CUBE Stereo 160 C:68 Action Team 27.5 | Giant Reign Advanced 1 | SCOTT Genius LT 700 Tuned | ROTWILD R.E1 FS EVO | Yeti SB 5.5C X01 | YT Capra CF Pro Race

Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.