Das Canyon Spectral CFR hat in den letzten Jahren einen ordentlichen Imagewechsel vollzogen: vom gutmütigen und fast schon etwas langweiligen Trail-Bike mit 2,6”-Reifen hin zum absoluten Spaß-Bike, das ständig danach giert, noch härter gefahren zu werden. Wie kommt das?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike im Test

Canyon Spectral CFR 9.0 SL | 27,5″ | 160/150 mm | 12,88 kg | 5.499 € | Hersteller-Website

Das Canyon Spectral ist ein echter Dauerbrenner im Canyon-Portfolio und mittlerweile in insgesamt drei Rahmenvarianten erhältlich: einem kompletten Alu-Rahmen, der CF-Version mit Carbon-Hauptrahmen sowie Alu-Hinterbau und als CFR-Variante, komplett aus Carbon. Unser Test-Bike ist mit einem Preis von 5.499 € das zweitteuerste Spectral im Line-up – lässt bei seiner Ausstattung aber eigentlich keine Wünsche offen. Der Shimano XTR 12-fach-Antrieb und die XTR-Bremsen können ebenso überzeugen wie das G5-Cockpit von Canyon und die griffigen MAXXIS-Reifen mit extra weichen MaxxGrip-Vorderreifen. Auch das FOX Factory-Fahrwerk zieht im ersten Moment einige Blicke auf sich, beim genauen Hinsehen hätten wir uns allerdings eine GRIP2- statt der verbauten FIT4-Kartusche gewünscht. Auch die verbauten DT Swiss XMC 1200-Laufräder wirken im ersten Moment zwar super hochwertig und leicht, allerdings ist hier bei aggressiver Fahrweise ein Defekt zu erwarten – bei unserem Test-Bike ist nach kurzer Zeit eine Speiche gerissen. Ein Satz XM1501-Laufräder würde nicht nur Geld sparen, sondern hat sich bei uns auch als langlebiger erwiesen.

Canyon Spectral CFR 9.0 SL

5.499 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 FLOAT Factory FIT4
Dämpfer FOX DPX2 Factory
Sattelstütze FOX Transfer Performance Elite 150 mm
Bremsen Shimano XTR M9120 200/180 mm
Schaltung Shimano XTR / Race Face Next SL 32/10-51
Vorbau Canyon G5 50
Lenker Canyon G5 Carbon 780 mm
Laufradsatz DT Swiss XMC1200
Reifen MAXXIS MINION DHR II EXO 2,4

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 12,88 kg
Laufradgröße 27,5"
Federweg (v/h) 160/150 mm

Warum?
Das Spectral richtet sich mit seinem wilden Charakter an erfahrene Trail-Biker und gerade sie hätten sich über das Plus an Performance einer GRIP2-Kartusche gefreut.
Get low!
Wegen des langen Steuerrohrs würden wir euch empfehlen, direkt alle Spacer unter dem Vorbau zu entfernen.
Edel, aber unnötig
Die DT Swiss XMC 1200-Laufräder sehen schick aus und sind super edel, allerdings ist ihre Lebenserwartung am Spectral eher gering – dieses Bike braucht robustere Laufräder.
Klemmung hui, Länge pfui
Die Sattelstütze wird im Spectral großflächig geklemmt, was die Stütze schont. Allerdings ist die Länge von 480 mm für ein Rad in Größe Large zu lang. Gerade Fahrer mit kurzen Beinen können so keine lange Teleskopstütze fahren und Upsizing für mehr Reach ist keine Option.
Körperverletzung
Sättel sind immer Geschmackssache – aber beim SDG-Modell können wir sagen, dass er wirklich niemandem passt.
Extra gedichtet
Die Lager werden mit einer extra Abdeckung vor Schmutz und Witterungseinflüssen geschützt, obendrein verleiht das dem Rad einen cleaneren Look.

Die Geometrie des Canyon Spectral CFR 9.0

Bei einem Blick auf die Geometrie-Tabelle des Spectral fallen direkt zwei Werte auf: zum einen das mit 480 mm ziemlich lange Sattelrohr, zum anderen das mit 147 mm extrem lange Steuerrohr. Die Kettenstreben sind mit 430 mm eher kurz, der Reach sowie der Lenk- und Sitzwinkel sind jeweils moderat.

Die kleinen 27,5”-Laufräder unterstreichen den Charakter des Spectral, allerdings erkauft man sich damit auch einige Nachteile!

Größe S M L XL
Sattelrohr 425 mm 440 mm 480 mm 520 mm
Oberrohr 579 mm 605 mm 633 mm 661 mm
Steuerrohr 92 mm 116 mm 147 mm 170 mm
Lenkwinkel 66° 66° 66° 66°
Sitzwinkel 74,5° 74,5° 74,5° 74,5°
Kettenstrebe 430 mm 430 mm 430 mm 430 mm
Tretlagerabsenkung 27 mm 22 mm 22 mm 22 mm
Radstand 1141 mm 1172 mm 1204 mm 1235 mm
Reach 419 mm 440 mm 460 mm 482 mm
Stack 588 mm 605 mm 634 mm 655 mm

Das Spectral CFR im Test

Bevor man auf das Canyon Spectral aufsteigt, sollte man erst einmal fünf Minuten damit verbringen, alle Spacer unter dem Vorbau zu entfernen. Auch wenn wir hohe Fronten grundsätzlich befürworten, ist das hier doch zu viel des Guten. Hat man sich von den Spacern verabschiedet, ist die Sitzposition zentral und noch immer aufrecht. Es lohnt sich, den Sattel für steile Uphills auf den Rails nach vorn zu schieben. Im technischen Uphill neigt die Front des Spectral relativ früh dazu, den Kontakt zum Untergrund zu verlieren und zu steigen, und auch die Nachteile der kleinen 27,5”-Laufräder sind spürbar: So bleibt man deutlich leichter an Hindernissen hängen und überrollt sie weniger souverän. Entspannte Uphills auf Forststraßen meistert das Spectral dagegen gelassen – auch dank seines antriebsneutralen Hecks.

Kumpels, die sich bergauf batteln wollen, zeigt man besser schon vor dem Start den Mittelfinger – bergauf ist das Spectral keine Rakete.

Die Stunde des Spectral schlägt in der Abfahrt! Es fordert seinen Fahrer ständig dazu auf, es hart und bestimmt zu fahren. Die hohe Front vermittelt viel Sicherheit, während die kleinen 27,5”-Laufräder schnelle Richtungswechsel zu einer echten Freude machen. Mal noch eben die Highline mitnehmen oder komplett quer in die Kurve driften? Mit dem Spectral ist beides easy machbar! Der Hinterbau arbeitet feinfühlig und gleichzeitig sehr definiert, wodurch das Rad nicht nur viel Grip aufbaut, sondern sich auch einfach an Kanten abziehen lässt. Im steilen Gelände kann man sich trotz kleiner Laufräder zurücklehnen und die Bremse einfach offen lassen kann, auf flachen Trails dagegen muss man aktiv nach vorne arbeiten, um ausreichend Grip am Vorderrad zu generieren.

Tuning-Tipp: Verkauft die Carbon-Laufräder und holt euch einen robusten Alu-Laufradsatz!

Helm Giro Tyrant MIPS | Brille Oakley Anorak | Jersey Fox Ranger Jersey | Hose Fox Ranger Shorts | Knieschoner Fox Enduro Pro

Wie fährt sich das Canyon Spectral CFR 9.0 SL im Vergleich zur Konkurrenz?

Das Canyon Spectral CFR 9.0 SL und das YT JEFFSY ähneln sich in ihrem Charakter sehr. Während das Spectral den definierteren Hinterbau besitzt, punktet das JEFFSY mit deutlich besseren Klettereigenschaften, mehr Bewegungsspielraum auf dem Bike und großen Laufrädern. Hätten wir die Wahl, würden wir derzeit zum JEFFSY greifen.

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Unser Fazit zum Canyon Spectral CFR 9.0 SL

Let’s get loose! Das Canyon Spectral CFR 9.0 SL ist ein Rad für alle, denen es um den maximalen Fahrspaß bergab geht. Im anspruchsvollen Terrain punktet das Bike mit viel Sicherheit und einem super agilen Handling. Leichte Unstimmigkeiten in der Ausstattung und die nur mäßigen Klettereigenschaften trüben aber den Gesamteindruck.

Stärken

  • absolut spaßig und direkt zu fahren
  • potenter Hinterbau
  • leise

Schwächen

  • zu langes Sitz- und Steuerrohr
  • bergauf nur Mittel zum Zweck
  • die FIT4-Kartusche wirkt deplatziert

Mehr Informationen findet ihr unter canyon.com

Das Testfeld

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Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Finlay Anderson, Markus Frühmann, Jonas Müssig

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leid seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Content selbst, testet knapp 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder er arbeitet direkt vom Van aus in den Top-Bikespots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.