Moderne Bikes sind potenter und schneller denn je, doch mit der Abfahrtsperformance steigt auch das Risiko im Falle eines Sturzes – ein guter Knieschoner sollte daher zur Grundausstattung gehören. Die besten Modelle bieten nicht nur hervorragenden Schutz, sondern auch eine top Belüftung und hohen Tragekomfort. Wir haben die spannendsten Schoner im Labor und auf dem Trail verglichen.

Früher sahen Knieschoner noch aus wie Prothesen, doch längst sind sie zum Mode-Statement moderner Mountainbiker geworden. Seit Jahren dominieren Schoner mit Protektoren aus viskoelastischem Schaum den Markt. Sie sind nicht nur leichter und bequemer als Hartschalenprotektoren, sondern schützen auch besser, da sie bei einem Schlag mehr Energie absorbieren. Doch auch andere Materialien auf Gel-Basis buhlen um die Gunst der Biker und immer mehr Hersteller setzen auf eine Kombination verschiedener Werkstoffe – höchste Zeit für einen Fakten-Check!

Darauf kommt es beim Knieschoner an

Tragekomfort

Der beste Knieschoner hilft nichts, wenn er nicht zum eigenen Knie passt, daher sollten Schoner vor dem Kauf unbedingt anprobiert werden. Wenn der Schoner nicht passt, wird er schnell unbequem und das Pedalieren wird zur Qual. Dabei kommt es nicht nur auf das richtige Verhältnis von Länge und Umfang an, bei einigen Modellen sorgen Nähte, Reißverschlüsse oder Klettverschlüsse für nervige Reibstellen. Mehr dazu erfahrt ihr in den Einzeltests der Schoner.

Sitz

Eng mit dem Tragekomfort verbunden und doch nicht das Gleiche: Im Falle eines Sturzes garantiert ein guter Sitz, dass der Protektor nicht verrutscht und so seine bestmögliche Schutzwirkung entfalten kann. Viele Schoner setzen auf Silikonstreifen und/oder Straps, um einen festen Sitz zu gewährleisten, doch nicht alle Konzepte funktionieren auch in der Praxis. Schoner ohne Straps müssen besonders gut passen, um nicht zu verrutschen, das gilt im Test vor allem für die Lightweight-Modelle.

Schutzwirkung

Die eigentliche Schutzwirkung eines Knieschoners entsteht durch den Protektor, der entweder fest im Schoner vernäht ist oder herausgenommen werden kann. Um die Schutzwirkung zu beurteilen, haben wir alle Protektoren im Labor analysiert. Viele der verbauten Protektoren bewegen sich auf Augenhöhe oder stammen sogar von den gleichen Herstellern, doch einige Marken versuchen es mit exotischeren Materialien, die im Labor nicht alle überzeugen konnten. Ein Teil der Schoner setzt neben dem Schaum-Pad auf zusätzliche Skid-Plates aus Kunststoff. Im Labor bieten diese Hartschalenelemente kaum Vorteile, die Praxis zeigt jedoch, dass die rutschenden Eigenschaften durchaus sinnvoll sind und ein Verhaken des Schoners im Untergrund verhindern können.

Belüftung

Die meisten Biker sind am liebsten bei gutem Wetter unterwegs und ein schlecht belüfteter Schoner bleibt an einem sonnigen Sommertag eher zu Hause als ein atmungsaktives Modell. Umgekehrt bieten dickere Stoffe und zusätzliche Schichten jedoch mehr Schutz gegen Schürfwunden. Hier gilt es, einen guten Kompromiss zu finden, der zum eigenen Einsatzzweck passt. Unser Sterne-Ranking gibt einen Überblick.

Pflege

Ein Knieschoner saugt sich wie ein Funktionsunterhemd voll mit Schweiß und bekommt oft viel Dreck ab, daher muss er regelmäßig gewaschen werden. Alle verwendeten Materialien halten einer Handwäsche problemlos stand, in die Waschmaschine sollten jedoch nur die Modelle, bei denen der Protektor herausnehmbar ist.

Verarbeitung

Knieschoner werden bei jeder Kurbelumdrehung bewegt und sollten daher hochwertig verarbeitet sein, um eine lange Lebensdauer zu garantieren. Nicht nur das Äußere der Schoner kann Verschleißerscheinungen zeigen, auch einige der Schaumprotektoren neigen zum Einreißen, wenn sie unsachgemäß behandelt werden. Schäden treten vor allem auf, wenn der Protektor geknickt wird, besonders beim Herausnehmen der Pads aus den Schonern ist daher Vorsicht geboten. Im Test trat dieses Problem bei den iXS CARVE EVO+ auf, in der Vergangenheit hatten wir ähnliche Schäden aber auch an anderen Pads.

Style

Das Auge fährt bekanntlich mit, doch Farben und Decals sollten bei Knieschonern nicht das kaufentscheidende Kriterium sein. Aber keine Sorge, alle Schoner in diesem Test würden eine Kontrolle der Stil-Polizei ohne Beanstandung überstehen, zumindest solange es keinen sichtbaren Spalt zwischen Shorts und Schonern gibt.

Das Testfeld

Für diesen Vergleichstest haben wir die Testkandidaten in zwei Kategorien unterteilt. Die Modelle der leichten Kategorie bis 400 g richten sich in erster Linie an Fahrer, die den Knieschoner auch bergauf anbehalten und mit ihm gerne längere Touren fahren. Im Gegensatz zum letzten Test 2016 wurde die Gewichtsgrenze der leichten Schoner angehoben, da keine Ultra-Leicht-Modelle ohne nennenswerte Schutzwirkung mehr getestet wurden. Die Modelle der schweren Kategorie bieten maximalen Schutz für Shuttle- und Bikepark-Tage, sind aber nicht alle uneingeschränkt tourentauglich.

Heavy-Duty

Schoner Protektor herausnehmbar Gewicht Preis
661 EVO KNEE II ja 525 g 119,99 €
Amplifi Cortex Polymer nein 551 g 110,00 €
FOX Launch Pro D3O ja 628 g 135,00 €
ION K-Pact Zip ja 517 g 99,95 €
iXS CARVE EVO+ ja 442 g 99,99 €
LEATT 3DF 6.0 nein 495 g 99,99 €
O’Neal SINNER Kevlar Knee RACE Guard ja 676 g 109,99 €
Scott Grenade Evo ja 553 g 99,95 €
Sweet Protection Bearsuit Pro ja 577 g 149,95 €

Lightweight

Schoner Protektor herausnehmbar Gewicht Preis
661 Recon Knee nein 153 g 74,99 €
Dainese Trailskins 2 nein 324 g 72,95 €
G-Form Elite Knee Guards nein 367 g 99,90 €
iXS FLOW EVO ja 296 g 79,90 €
Leatt AirFlex Pro nein 255 g 89,99 €
POC Joint VPD System Knee nein 348 g 159,95 €
SCOTT Soldier 2 nein 330 g 79,95 €
Sweet Protection Bearsuit Light Knee Pads ja 368 g 99,95 €

So haben wir getestet

Um die Schutzwirkung der Protektoren objektiv vergleichbar zu machen, haben wir alle Schoner in Anlehnung an die Norm für Motorrad-Gelenk-Protektoren EN 1621-1:2012 im Prüflabor von SAS-TEC in Markgröningen getestet. Dazu wurden die Protektoren an drei Messpunkten mit einem aus einem Meter Höhe fallenden 5 kg schweren Gewicht belastet (entspricht einer Energie von 50 Joule). Ein halbkugelförmiger Amboss stellt dabei das Kniegelenk dar, Sensoren messen die Restkraft und zeichnen eine Kraftverlaufskurve auf. Es gibt zwei Schutzlevel: Bei Level 1 darf die durchschnittliche Restkraft 35 kN nicht übersteigen und kein Einzelschlag darf mehr als 50 kN betragen, bei Level 2 muss die durchschnittliche Restkraft unter 20 kN bleiben, kein Einzelschlag darf 30 kN überschreiten.

Die Ergebnisse des Labortests

Die Labormessungen gaben einen umfassenden Überblick über die Schutzwirkung verschiedener Materialien und Protektoren-Typen. Positiv fällt auf, dass fast alle Schoner die Norm bestanden haben, größtenteils sogar nach den strengeren Level-2-Anforderungen. Lediglich der nicht zertifizierte 661 Recon Knee verpasst die Norm knapp, doch zwischen ihm und den besten Protektoren liegen Welten. Zusätzliche Schichten aus billigem PE-Schaum wie etwa beim SCOTT Grenade Evo dienen nur dem Komfort, die Schutzwirkung verbessert sich durch sie nicht. Auch die meisten Pads an den Seiten der Schoner besitzen kaum dämpfende Eigenschaften, können aber zumindest Schürfwunden verhindern.

Bei den Heavy-Duty-Modellen schnitten die Schoner von AMPLIFI, O’Neal, ION, iXS und Sweet Protection am besten ab, gefolgt von SCOTT und Fox. Mit etwas Abstand kommen die Protektoren von 661 und Leatt. Alle erfüllen die Norm, doch beim Schlusslicht Leatt kommen satte 82 % mehr Restkraft am Kniegelenk an als bei den besten Schonern im Test. Bei den leichten Schonern sichert sich Sweet Protection die Krone, dicht gefolgt von iXS. Die Schoner von POC, SCOTT und Dainese weisen ebenfalls gute Werte auf, die in der gleichen Liga wie die Heavy-Duty-Modelle spielen. Leatt und G-Form können nicht mit den Besten mithalten, doch beide bieten immer noch eine solide Schutzwirkung. Abschlagen auf dem letzten Platz landet der 661 Recon Knee, der jedoch mit 153 g auch mit Abstand der leichteste Schoner im Vergleich ist.

Um die Ergebnisse anschaulicher darzustellen, wurden die Ergebnisse des Labortests in ein Sterne-Rating übersetzt, das auch die Heavy-Duty-Schoner mit den Lightweight-Modellen vergleichbar macht. Zusätzliche Schutzmechanismen fließen nicht in dieses Rating ein, sie werden in den jeweiligen Einzeltests erwähnt.

Hartschalen- vs. Schaumprotektor

Die Grafik zeigt den typischen Kräfteverlauf eines Hartschalenprotektors und eines Schaumprotektors. Je flacher die Kurve ansteigt und je niedriger sie insgesamt ausfällt, desto besser absorbiert der Protektor den Schlag. Ein weiterer Faktor ist die Zeitspanne bis zum Kraft-Höchstwert, sie sollte möglichst lang sein. Dabei wird klar: Protektoren aus viskoelastischem Schaum sind nicht nur komfortabler als klassische Kunststoffschalen, sondern spielen auch in Sachen Schutzwirkung in einer ganz anderen Liga. Zusätzliche Plastikschalen über den Schaumprotektoren verbessern die Schutzwirkung kaum, können in der Praxis aber bessere Rutscheigenschaften bieten.

Praxistest

Im Praxistest wurden die Eindrücke von sieben erfahrenen Redakteuren gesammelt, die die Schoner nicht nur auf den heimischen Trails, sondern auch bei einem mehrtägigen Test in Sospel/Südfrankreich auf den Zahn gefühlt haben. Dabei wurde vor allem Wert auf Tragekomfort, Sitz, Belüftung und Verarbeitung gelegt.

Wähle dein Protektorentyp

Hier geht es zu den Vergleichstest der leichten Knieschoner und der Heavy-Duty-Modelle.

Text: Moritz Dittmar Fotos: Valentin Rühl

Über den Autor

Moritz Dittmar

Mein Aufgabe ist es, euch mit den spannendsten News, den besten Tests und den inspirierendsten Stories der Bike Welt zu versorgen. Genau wie in meinem Job, lasse ich mich beim Biken ungern in eine bestimmte Schublade stecken. Egal ob es darum geht sich endlose Anstiege rauf zu quälen oder Tiefenmeter auf ruppigen Downhills zu sammeln, am Ende zählt für mich vor allem eins: Der Spaß am Biken!