Dem brandneuen Norco Sight Carbon 2020 sieht man bereits auf den ersten Blick an, dass der kanadische Hersteller sehr viel richtig gemacht hat. Es besitzt nicht nur eine sehr gelungene Geometrie, sondern begeistert vor allem mit all seinen cleveren Details – wir haben es exklusiv getestet.

Norco Sight Carbon C2 2020 | 160/150 mm (v/h) | 27,5” oder 29” | 5.599 € | 15,0 kg

Das neue Norco Sight Carbon verfügt über 160 mm Federweg in Front und 150 mm am Heck. Es ist, wie sein Vorgänger, sowohl mit 29”- und 27,5”-Laufrädern als auch in der Carbon- oder Alu-Variante erhältlich. Doch die Eckdaten sind nicht die größte Besonderheit des Bikes. Das neue Bike besitzt eine überarbeitete Geometrie mit Fokus auf Balance und ein tiefgezogenes Oberrohr für große Bewegungsfreiheit. Obendrein bietet jede Bike-Variante die Möglichkeit, eine lange Teleskopsattelstütze zu verbauen und smarte Details, wie die Halterung für einen Schlauch oder Tool am Oberrohr, anzubringen.

Dank des kurzen, geraden Sitzrohrs können im Sight Sattelstützen mit großem Verstellbereich verbaut werden. Das Modell in Größe S besitzt bereits 150 mm Hub, XL sogar 200 mm – genial!
Praktisch: An den Montagepunkten am Oberrohr kann ein Schlauch oder anderes Werkzeug fest montiert werden.
Die innenverlegten Züge werden am Unterrohr mit einem Kabelbinder fixiert – genial
Besonders gut gefällt uns das minimalistische Design des neuen Sight. Kaum Decals, nur zwei Farben – nice!
Die Züge sind im Hauptrahmen intern verlegt und werden dort am Unterrohr mit einem Kabelbinder gesichert
Am Hinterbau verlaufen sie extern, sind dort aber clever geführt
Ein Schönheitsfehler – vorne an der Kettenstrebe kam es bei unserem Test-Bike nach kurzer Zeit zu unschönen Lackschäden

Norco Ride Aligned – Balance und Schwerpunkt sind entscheidend

Eines der Schlagworte des neuen Norco Sight lautet „Balance“, und die will Norco mit dem sogenannten Ride Aligned-System erreichen. Dafür haben die Kanadier sich die Körpermaße von Fahrern genau angesehen und das bereits bekannte Gravity-Tune-Geometriekonzept weiter überarbeitet. Die Idee ist, den Schwerpunkt des Fahrers bei jeder Rahmengröße optimal zwischen Vorder- und Hinterrad zu positionieren. Dabei macht Norco keine Kompromisse und spendiert jeder Rahmengröße eine eigene Hinterbaulänge, um eine optimale Balance zwischen Grip am Vorder- und Hinterrad zu erreichen.

Die Hinterbaulänge ändert sich bei jeder Rahmengröße um eine perfekte Balance und optimale Gewichtsverteilung zu erreichen

Neben der Geometrie und dem Design wurde auch das Übersetzungsverhältnis des Sight angepasst. Dank der Erhöhung (das Range hat 2.8 das neue Sight 3.2) soll der Hinterbau deutlich feinfühliger ansprechen. Gleichzeitig wurde nach Angaben von Norco der Dämpfer-Tune überarbeitet, damit das Rad noch mehr Gegenhalt im mittleren Federwegs-Bereich bietet. Um sicherzustellen, dass jeder Fahrer das Optimum aus dem Rad herausholen kann, hat Norco außerdem eine eigene App entwickelt, um das Set-up zu erleichtern – diese konnten wir jedoch bisher noch nicht testen, soll aber einen Set-up-Guide für alle neuen Norco-Modelle enthalten.

Das Set-up des Bikes will Norco mit einer eigens entwickelten App deutlich erleichtern – diese war zum Zeitpunkt des Tests noch nicht verfügbar

Ausgewogen, steil, flach und lang – Die Geometrie des Norco Sight

Schon im Stand fallen einige Besonderheiten des neuen Norco Sight Carbon 2020 auf. So ist der Sitzwinkel sehr steil und das Oberrohr sehr tief gezogen. Das soll neben einer angenehmen Sitzposition bergauf viel Bewegungsfreiheit bergab ermöglichen. Außerdem hat Norco ein gerades Sitzrohr ohne Knick verbaut, was es ermöglicht, eine lange Teleskopsattelstütze im Bike zu montieren. Um eine optimale Gewichtsverteilung zwischen den Laufrädern zu ermöglichen, wachsen die Kettenstreben bei jeder Rahmengröße mit. Den flachen Lenkwinkel (64° bei 29”und 63,5° bei 27,5”) kombiniert Norco jeweils mit Federgabeln mit kurzem Offset. Der Reach ist mit 485 mm in Größe Large eher lang. Anders als das bisherige Sight besitzt das neue Modell sowohl als 27,5”- als auch 29er-Modell immer den gleichen Federweg. Egal ob Alu- oder Carbon-Rahmen, die Geometrie ist immer gleich und alle Räder sind in vier Größen von S–XL verfügbar.

Größe S 27,5″/29″ M 27,5″/29″ L 27,5″/29″ XL 27,5″/29″
Sattelrohr 370 mm/370 mm 395 mm/395 mm 435 mm/435 mm 465 mm/465 mm
Oberrohr 560 mm/564 mm 588 mm/593 mm 617 mm/621 mm 645 mm/649 mm
Steuerrohr 100 mm/90 mm 110 mm/100 mm 120 mm/110 mm 130 mm/120 mm
Lenkwinkel 63,5°/64° 63,5°/64° 63,5°/64° 63,5°/64°
Sitzwinkel 77,0°/77,0° 77,3°/77,3° 77,7°/77,7° 78,0°/78,0°
Kettenstrebe 430 mm/430 mm 435 mm/435 mm 440 mm/440 mm 445 mm/445 mm
Tretlager Höhe 342 mm/350 mm 342 mm/350 mm 342 mm/350 mm 342 mm/350 mm
Radstand 1.180 mm/1.183 mm 1.220 mm/1.222 mm 1.259 mm/1.262 mm 1.299 mm/1.301 mm
Reach 425 mm/425 mm 455 mm/455 mm 485 mm/485 mm 515 mm/515 mm
Stack 585 mm/603 mm 594 mm/612 mm 603 mm/621 mm 612 mm/630 mm

Sinnvoll von günstig bis High End – Die Ausstattungsvarianten des Norco Sight 2020

Das neue Norco Sight gibt es insgesamt als vier Carbon- und drei Aluminium-Komplett-Bikes. Jeweils in 27,5” und 29”. Die Preise liegen zwischen 2.799 € für das Norco Sight A3 bis zu 9.999 € für das Sight C SE. Von den Alu-Modellen bietet Norco je eine Womens-Variante in einer anderen Lackierung und mit angepassten Kontaktpunkten – die Rahmen selbst sind ja identisch. Außerdem ist der Rahmen auch als Carbon-Frameset für 2.999 € erhältlich

Alle Modelle verfügen über einen 12-fach-Antrieb, entweder von Shimano oder SRAM, und werden von kraftvollen Vier-Kolbenbremsen verzögert. Außerdem wird bei allen Bikes eine lange Teleskopsattelstütze verbaut (150 mm Gr. S, 170 mm Gr. M/L, 200 mm XL). Ebenfalls positiv: Speziell bei den günstigeren Modellen investiert Norco eher in ein hochwertiges Fahrwerk als in Blender-Teile. Bereits an der Ausstattung des Einstiegsmodells gibt es nichts auszusetzen. Das in puncto Preis-Leistung spannendste Bike ist in unseren Augen das Sight A1 für 4.599 €: Es besitzt ein top Fahrwerk, klasse Bremsen und hochwertige Laufräder.

Performance da, wo sie wirklich zählt: Beim Fahrwerk spart Norco nicht …
… und verbaut eine FOX 36 Performance Elite mit GRIP2-Kartusche
Serienmäßig besitzen alle Sight-Modelle eine Kettenführung. Der finale Kettenstrebenschutz fehlte bei unserem Testbike noch.
Breit aber nicht zu breit: Norco setzt auf MAXXIS 2,5”-WT-Vorderreifen und 2,4”-WT-Hinterreifen. Im Hinterbau ist Platz für bis zu 2,6”-Modelle.
Montiert sind die Reifen auf Stan’s NoTubes-Flow-Felgen
Die Shimano XT-Naben unseres Test-Bikes stammten noch aus der Vorserie: Der Freilauf war mal super leise und dann wieder nicht. Dieses inkonsistente Verhalten war sehr nervig – wir hoffen, dass es in Serie behoben ist.
Eine Sattelstütze mit großem Verstellbereich vermittelt Sicherheit und erhöht den Fahrspaß – umso besser, dass alle Sight-Modelle ein sehr langes Modell besitzen
Die Shimano SLX-Vier-Kolbenbremsen begeistern mit hoher Power und guter Standfestigkeit. Allerdings müssen sie sehr exakt entlüftet werden, sonst wandert der Druckpunkt – speziell am Hinterrad

Alle Modelle im Überblick:

Gutmütig, ausgewogen und verdammt schnell – Das Norco Sight C2 auf dem Trail

Genau so muss man auf einem Enduro- bzw. Trail-Bike sitzen! Dies war der erste Gedanke, als wir die ersten Kurbelumdrehungen bergauf auf dem Sight C2 absolviert hatten. Dank des steilen Sitzwinkels sitzt man super zentral und entspannt auf dem Rad. Egal wie steil es auch wird – das Vorderrad neigt in keinster Weise dazu, den Bodenkontakt zu verlieren. Das spart ordentlich Kraft im Oberkörper. Der Hinterbau generiert im Uphill gute Traktion und neigt bei einem runden Tritt auch kaum zum Wippen – das ist auch gut so, denn es gibt keine zuschaltbare Plattformdämpfung bei unserem Test-Bike. Insgesamt klettert das Norco aber hervorragend und bei technischen Uphills hatten wir zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, ein kippeliges Vorderrad zu haben.

Auf Bikepark-Trails begeistert das Rad sowohl in Anliegern als auch auf Sprüngen dank der gelungenen Gewichtsverteilung und des ausgewogenen Fahrwerks
Grip am Vorderrad besitzt man beim neuen Sight trotz des flachen Lenkwinkel massig

Die wahre Stunde des Sight C2 schlägt jedoch in der Abfahrt. Kaum senkt man den Sattel ab, vermittelt das Rad direkt enormes Selbstvertrauen. Dank des tiefgezogenen Oberrohrs und einem gelungenen Verhältnis aus Reach und Stack steht man nicht nur super integriert im Bike, sondern hat obendrein auch jede Menge Bewegungsspielraum. Das motiviert einen ständig dazu, die Bremse voll offen zu lassen und macht man das, wird man vom Bike dafür auch belohnt. Selbst bei fiesen Wurzelteppichen oder Steinfeldern bleibt das Bike erstaunlich souverän. Einzig der EXO+ Hinterreifen konnte hier nicht ganz mithalten – ihm ging während unseres Tests die Luft aus. Wer es also gern richtig krachen lässt, sollte ihn gegen ein Doubledown-Modell tauschen. Wer aber regelmäßig lange Touren unternimmt, ist mit dem Reifen gut beraten.

Mit Highspeed über Wurzeln allern? Kein Problem für das neue Norco Sight!
Helm Bell Sixer Fasthouse Edition | Jacke ION 3 Layer Jacket Srub Amp | Shorts ION Bikeshorts Scrub Select | Knieschoner ION K-Traze

Der Hinterbau arbeitet sehr feinfühlig und gleichzeitig definiert, wodurch er nicht nur viel Traktion besitzt, sondern es auch leicht macht, an Kanten und Sprüngen Airtime zu generieren. Die Gewichtsverteilung ist sehr gelungen und so fällt es mit dem Norco leicht, in Kurven ausgewogenen Grip an beiden Laufrädern zu genieren. Wer will, kann mit dem Bike wie auf Schienen um Kurven heizen. Gleichzeitig ist das Sight alles andere als langweilig oder behäbig und wer will, kann das Hinterrad vor der Kurve sehr einfach anflicken.

Auch in engen Sektionen wirkt das Sight nicht behäbig und lässt sich sehr willig und direkt manövrieren

Unser Fazit zum neuen Norco Sight C2 2020

Das neue Norco Sight C2 hat bei den ersten Tests einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Das Bike wirkt wie der perfekte Kompromiss aus einem agilen Trail- und einem potenten Enduro-Bike. Es klettert entspannt und effizient und besitzt bergab genau das richtige Maß an Laufruhe und Agilität. Features wie die langen Teleskopsattelstützen bei allen Rahmengrößen, das tief gezogene Oberrohr und die super sinnvollen Ausstattungsvarianten zeugen von viel Know-how und Liebe zum Detail. Wir sind sehr gespannt, wie es sich in unserem Enduro-Vergleichstests schlägt.

Stärken

  • super Sitzposition bergauf
  • sehr ausgewogenes Handling
  • vermittelt enormes Selbstvertrauen

Schwächen

  • tendenziell eher teuer
  • keine Plattformdämpfung am Dämpfer
  • Lackschäden am Hinterbau

Wer auf der Suche nach weniger Federweg ist, sollte sich das neue Norco Optic näher anschauen oder einen Blick in unseren Vergleichstest von Trail-Bikes mit wenig Federweg riskieren. Mehr Infos zum Sight findet ihr auf norco.com

Text: Christoph Bayer Fotos: Finlay Anderson, Christoph Bayer

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Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.