Das SCOTT Genius 900 Tuned ist ein echter Dauerbrenner bei unseren Tests. Kein Wunder, das Rad zählte bei seiner Vorstellung im Juni 2017 zu einem der progressivsten Modellen am Markt. Mittlerweile sind aber fast drei Jahre vergangen. Kann das Rad noch immer überzeugen?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike im Test

Scott Genius 900 Tuned AXS | 29″ | 150/150 mm | 12,84 kg | 7.999 € | Hersteller-Website

Schon im Stand macht das SCOTT Genius 900 Tuned AXS keinen Hehl daraus, worum es ihm geht: Speed (bergauf)! Mit seiner knallorangen Lackierung, dem einteiligen, futuristischen Syncros-Hixon-Cockpit und den voluminösen Syncros Revelstoke-Carbon-Laufrädern sieht es schon im Stand pfeilschnell aus. Auch die restliche Ausstattung trägt dieser Attitude Rechnung. So besitzt das Genius in Serie einen flach profilierten MAXXIS Rekon 2,6”-Hinterreifen und einen Dissector-Vorderreifen. Unser Test-Bike kam leider mit Rekon-Reifen an beiden Laufrädern. Typisch SCOTT besitzt das Genius auch das Twin-Loc-System, mit dem sich das Fahrwerk in drei Stufen vom Lenker aus verhärten lässt. An der FOX 36 führt das leider dazu, das hier nur eine einfache Dämpfungs-Kartusche verbaut werden kann. An der Gabel sehen wir die Notwendigkeit eines Lockouts nicht und hätten gerne den Performance-Benefit einer GRIP2-Kartusche genossen. Apropos Performance: Das SRAM X01 AXS-Schaltwerk begeistert mit knackigen und direkten Schaltvorgängen, die günstige und schwerere SRAM GX-Kassette mag aber nicht ins gewichtsoptimierte Bild passen. Durch das lange Sattelrohr bietet das Genius leider nur wenig Platz für längere Sattelstützen. Serienmäßig ist in dem Rad eine 150-mm-FOX Transfer Factory verbaut.

Scott Genius 900 Tuned AXS

7.999 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 FLOAT Factory FIT4
Dämpfer FOX Nude TR
Sattelstütze FOX Transfer Factory 150 mm
Bremsen Shimano XT 200/180 mm
Schaltung SRAM X01 Eagle AXS 32/10-50
Vorbau Syncros Hixon iC SL 50
Lenker780 mm
Laufradsatz Syncros Revelstoke 1.0
Reifen MAXXIS Dissector / MAXXIS Rekon EXO 2,6

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 12,84 kg
Laufradgröße 29"
Federweg (v/h) 150/150 mm

Variabel
Über einen Flip-Chip lässt sich das Genius auch für die Verwendung von kleinen 27,5”-Laufrädern anpassen
Ramp it up!
Über einen kleinen Verstellhebel lässt sich die Größe der Luftkammer verändern und so die Progression des Hinterbaus variieren. Spacer sind hier nicht extra nötig – top!
Hart zu erreichen
Durch den Remote des Twin-Loc-System ist der Verstellhebel für die Sattelstütze leider nur schwer zu erreichen. Auch die Verwendung einer AXS-Stütze ist nicht möglich.
Zu eng
Im Hinterbau des Genius ist leider nur wenig Platz für die 2,6”-breiten Reifen. Wir empfehlen, den Rekon am Heck gegen einen Minion DHR II in 2,4” Breite zu tauschen.
Unnötig
Das Twin-Loc-System an der Federgabel empfanden alle Tester als unnötig. Obendrein ist mit ihm nur eine FIT4-Kartusche möglich, welche bergab leider nicht mit der GRIP2-Version mithalten kann.
Ganz schön tief
Trotz Spacer unterm Vorbau fällt die Front des Genius noch immer sehr tief aus. Wir empfehlen, das schicke Syncros Hixon-Cockpit gegen eines mit mehr Rise zu tauschen.
Mogelpackung
Zugegeben, der Preis von 7.999 € für das Genius klingt in diesem Test fair, allerdings spart SCOTT auch an Ecken, wo es nicht sofort auffällt, und verbaut z. B. nur eine SRAM GX-Kassette.

Die Geometrie des SCOTT Genius 900

Die Eckdaten des SCOTT Genius 900 Tuned waren vor drei Jahren noch äußerst progressiv, heute spielen die Geometrie-Daten im Mittelfeld. Der Reach ist mit 466 mm weder zu kurz noch zu lang für ein Rad in Größe Large, der Lenkwinkel mit 65° gut gewählt. Auffällig ist der mit 613 mm vergleichsweise geringe Stack. Gemeinsam mit dem Syncros Hixon-Cockpit prägt dieser das Handling des Genius deutlich.

Messerscharf wie ein Skalpell erfordert das SCOTT Genius bergab eine erfahrene Hand

Größe S M L XL
Sattelrohr 410 mm 440 mm 480 mm 520 mm
Oberrohr 570 mm 603 mm 633 mm 670 mm
Steuerrohr 95 mm 95 mm 110 mm 125 mm
Lenkwinkel 65° 65° 65° 65°
Sitzwinkel 74,7° 74,7° 74,7° 74,7°
Kettenstrebe 438 mm 438 mm 438 mm 438 mm
Tretlager Höhe 346 mm 346 mm 346 mm 346 mm
Radstand 1166 mm 1199 mm 1232 mm 1271 mm
Reach 406 mm 439 mm 466 mm 499 mm
Stack 600 mm 600 mm 614 mm 628 mm

Das Genius im Test

Mit 12,84 kg ist das SCOTT Genius 900 Tuned das zweitleichteste Bike im Test und in Kombination mit den leichtrollenden Reifen, einer sportlichen Sitzposition und dem Twin-Loc-System ist das Bike eine echte Rakete bergauf! Wippt das Rad in der offenen Position noch spürbar, wird es mit der Aktivierung des Traction Mode nicht nur deutlich aus dem SAG gehoben, sondern auch mit lästigem Wippen ist sofort Schluss. Dennoch ist noch ausreichend Traktion für technische Uphills vorhanden. Den kompletten Lockout des Fahrwerks können wir nur für sehr monotone Uphills empfehlen, da dieser spürbar Grip und Komfort kostet.

Wer es sich selbst gern ordentlich besorgt, wird mit dem Genius happy – bergauf motiviert das Rad zur Bestleistung, bergab gibt’s von ihm nichts geschenkt.

Seine XC-Gene werden beim Genius auch bergab deutlich, durch die tiefe Front zieht das Rad den Fahrer förmlich nach vorn. Das erfordert einiges an Körperspannung und je rougher das Gelände wird oder je schneller man fährt, umso anstrengender wird das Genius. Da hilft auch der satte Hinterbau wenig, der Schläge feinfühlig wegfiltert und dennoch guten Gegenhalt bietet. Obendrein limitieren die breiten, pannenanfälligen und wenig griffigen Reifen das Bike – hier sollte man schnell upgraden.

Tuning-Tipps: Cockpit mit mehr Rise montieren | robustere und schmalere Reifen | ggf. weniger steife Laufräder

Helm 100% Altec | Brille Oakley Jawbreaker | Shirt Rocday EVO | Short POC Resistance Enduro Light Shorts | Knieschoner POC Joint VPD System Knee | Hip Bag USWE Zulo 2l

Wie fährt sich das SCOTT Genius im Vergleich zur Konkurrenz?

Das SCOTT Genius ähnelt in seinem Grund-Charakter stark dem ebenfalls steifen Orbea Occam. Letzteres besitzt bergauf aber eine komfortablere Sitzposition, ohne viel an Effizienz missen zu lassen. Trotz identischen Federweg trennen das SCOTT und das YT Jeffsy Welten. Das Jeffsy macht es seinem Fahrer sehr einfach, schnell zu fahren, beim Genius dagegen gibt es nichts geschenkt.

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Unser Fazit zum SCOTT Genius 900 Tuned AXS

Wenn Cross-Country-Profis ein Trail-Bike suchen, ist das SCOTT Genius 900 Tuned AXS ein spannendes Rad. Es klettert super effizient bergauf, fährt sich aufgrund der tiefen Front allerdings sehr fordernd bergab. Schwächen in der Ausstattung trüben obendrein den Gesamteindruck.

Stärken

  • effizient und leichtfüßig bergauf
  • präzise bergab
  • eine Optik, die ins Auge sticht

Schwächen

  • im anspruchsvollen Gelände sehr fordernd zu fahren
  • Reifen bieten wenig Grip und Pannenschutz
  • insgesamt sehr steif und wenig komfortabel

Mehr Informationen findet ihr unter scott-sports.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike im Test

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Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.