Das Ibis Mojo ist ein Bike mit langer Historie und treuer Fangemeinde. Nach dem Erfolg des Ripmo, das genau zwischen Ripley und Mojo positioniert ist, war es nur eine Frage der Zeit, dass auch der Klassiker ein Update erhält – und das ist mit dem Mojo HD5 geschehen.

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Ibis Mojo HD5 | 170/153 mm | 13,84 kg | 8.498 €

Zugegeben, wir waren doch etwas erstaunt, dass Ibis beim neuen Mojo an 27,5”-Laufrädern festgehalten hat. Bei der Geometrie dagegen folgen die Kalifornier dem gängigen Trend und haben das Rad deutlich länger und flacher gestaltet. So ist der Reach 20 mm länger als beim Vorgänger und der Lenkwinkel um 0,7° flacher. Der Sitzwinkel ist satte 2° steiler, was schon auf dem Papier eine entspannte Kletterposition verspricht. Das neue Mojo HD5 verfügt über 153 mm Federweg am Heck, gepaart mit satten 170 mm in Front. Beim Hinterbau kommt, typisch Ibis, ein DW-Link-System mit virtuellem Drehpunkt zum Einsatz, das im Falle unseres Test-Bikes einen FOX X2 Factory-Dämpfer ansteuert. Er besitzt eine extra geringe Druckstufen- und Rebound-Dämpfung für maximale Traktion – doch dazu gleich mehr. Bei der Ausstattung hat man bei Ibis die Wahl. So kann man das Rad im Baukastensystem an die eigenen Vorlieben und dem eigenen Geldbeutel entsprechend konfigurieren. Wir erhielten das Ibis Mojo HD5 mit einer Shimano XT 12-fach-Schaltung, einer FOX 36 Factory GRIP2-Federgabel, einer BikeYoke REVIVE mit satten 185 mm Verstellbereich und super breiten Ibis S35-Carbon-Laufrädern. Auf den Laufrädern bauen die 2,5” breiten MAXXIS ASSEGAI WT-Reifen mit EXO+ Karkasse super voluminös und versprechen dadurch jede Menge Grip und Dämpfung. Am Rahmen des Mojo HD5 entdeckt man überall die ausgeprägte Detailverliebtheit von Ibis; so fallen die Rahmenprotektoren und die gesamte Hardware des Hinterbaus sehr hochwertig aus. Das Einzige, was uns nervte, war das ständige Klappern der Beläge in der Shimano XT-Vierkolbenbremse – ein Problem, das bei mehreren Bikes im Test auftrat.

Super-Premium
Das Mojo HD5 wird seinem Premiumanspruch absolut gerecht und begeistert mit einer herausragenden Verarbeitungsqualität und vielen smarten Details.
In die Jahre gekommen
Das Einzige, was uns an der Ausstattung nicht überzeugen konnte, war der Thomson X4-Vorbau. Er ist zwar ein absoluter Klassiker, seine wuchtige Form wirkt aber nicht mehr zeitgemäß.
Speziell
Die kleinen 27,5”-Laufräder wollen nicht ins Gesamtbild des Mojo HD5 passen: Wenn die Geometrie und das Fahrwerk ihre Stärken voll ausspielen, limitieren sie das Bike mit ihrem schlechteren Überrollverhalten.
Super satt
Der Hinterbau des Mojo HD5 liegt super satt auf dem Trail und fühlt sich nach deutlich mehr als 153 mm Federweg an. Leider schluckt der Dämpfer mit geringer Druckstufe beim aktiven Pushen viel Energie.

Ibis Mojo HD5

8.498 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 Factory GRIP2 170 mm
Dämpfer FOX FLOAT X2 Factory 153 mm
Sattelstütze Bike Yoke Revive Dropper 185 mm
Bremsen Shimano XT 4-Kolben 200/180 mm
Schaltung Shimano XT 12-fach 32 - 10/51
Vorbau Thomson Elite X4 50 mm
Lenker Ibis Carbon 800 mm
Laufradsatz Ibis S35 Carbon 27,5

Technische Daten

Größe S, M, L, XL
Gewicht 13,84 kg


Massig Platz
Die BikeYoke REVIVE mit 185 mm Verstellbereich sorgt in Kombination mit dem kurzen Sitzrohr für ordentlich Bewegungsfreiraum. Das sorgt im steilen Gelände für viel Sicherheit – und hier fühlt sich das Mojo am wohlsten.
Viel Grip
Die MAXXIS ASSEGAI in 2,5” Breite bauen auf den 35-mm-Felgen super voluminös und bieten so sehr viel Traktion und Grip.
Nervig
Sowohl im Ibis als auch im SCOTT Ransom klapperten die Beläge der Shimano XT-Bremse sehr laut im Sattel. Schade, denn ansonsten ist das Bike absolut leise.

Geometrie und Größe des Ibis

Verglichen mit seinem Vorgänger ist die Geometrie des neuen Ibis Mojo HD5 in allen Belangen moderner ausgelegt. So ist der Reach länger, der Lenkwinkel flacher und der Sitzwinkel steiler. Besonders positiv ist das sehr kurze Sattel- und das tief gezogene Oberrohr, was beides zu einer großen Bewegungsfreiheit am Rad beiträgt. Auffällig ist das lange Steuerrohr, das zu einem hohen Stack führt, wodurch man sich angenehm im Rad integriert fühlt.

Größe S M L XL
Sattelrohr 356 mm 368 mm 419 mm 470 mm
Oberrohr 582 mm 606 mm 635 mm 669 mm
Steuerrohr 109 mm 126 mm 142 mm 158 mm
Lenkwinkel 64,2° 64,2° 64,2° 64,2°
Sitzwinkel 76,0° 76,0° 76,0° 76,0°
Kettenstrebe 430 mm 430 mm 430 mm 430 mm
Tretlagerhöhe 351 mm 351 mm 351 mm 351 mm
Tretlagerabsenkung 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm
Radstand 1.184 mm 1.211 mm 1.243 mm 1.280 mm
Reach 427 mm 447 mm 472 mm 503 mm
Stack 595 mm 611 mm 626 mm 640 mm
Helm Fox Dropframe | Brille Fox Vue | Jersey Fox Ranger Fox Head | Shorts Fox Ranger | Knieschoner Fox Launch Pro

Das Ibis Mojo HD5 im Test

Wie schon beim Ripmo ist auch die Sitzposition auf dem Mojo HD5 super zentral, aufrecht und extrem komfortabel. Das Fahrwerk arbeitet sehr feinfühlig und bietet im technischen Terrain viel Traktion. Hierzu tragen auch die voluminösen Reifen ihren Teil bei. Auf eher monotonen Uphills greift man wegen des leichten Wippens fast automatisch zum Verstellhebel. Insgesamt sind aber selbst sehr lange und steile Anstiege mit dem Rad kein Problem. Sollte man es einmal schultern müssen, macht sich das geringe Gewicht von 13,84 kg positiv bemerkbar.

Der Hinterbau des Mojo HD5 klebt förmlich am Boden und bietet ein ungeahntes Maß an Traktion!

Bergab fällt direkt auf, wie viel Traktion das Fahrwerk des Mojo HD5 besitzt. Die von Ibis „Traction Tune“ genannte Fahrwerksabstimmung mit geringer Dämpfung sorgt dafür, dass der Hinterbau super feinfühlig anspricht und förmlich am Boden klebt. Hier hat man den Eindruck, mit deutlich mehr als den angegebenen 153 mm Federweg unterwegs zu sein und so harmoniert das Heck hervorragend mit der 170-mm-Federgabel. Allerdings hat das auch eine Kehrseite: Beim aktiven Pushen des Bikes geht einiges an Energie verloren und so macht das Rad auf Flowtrails nur bedingt Spaß. Man merkt dem Ibis Mojo an, dass es für steile, anspruchsvolle Strecken gebaut wurde. So erfordert der sehr flache Lenkwinkel in Kombination mit dem kurzen Hinterbau und dem satten Fahrwerk eine sehr aktive Fahrweise, um stets ausreichend Grip am Vorderrad zu halten. Wer nicht aufpasst, verliert sonst schnell die Kontrolle über die Front. Dank des hohen Stacks steht man angenehm im Rad und kann es mit dem Ibis ordentlich stehen lassen.

In einem Gesamtkonzept, das auf Traktion und Kontrolle getrimmt ist, wirken die kleinen 27,5”-Laufräder fehl am Platz.

Wie fährt sich das Ibis Mojo HD5 im Vergleich zur Konkurrenz?

Das Nukeproof Mega 275 Carbon ist das einzige andere 27,5”-Bike in diesem Test. Im direkten Vergleich ist der Hinterbau des Ibis spürbar feinfühliger trotz weniger Federweg, dafür arbeitet er gleichzeitig aber auch weniger definiert. Das Ibis erfordert einen deutlich aktiveren Fahrstil, um gleichmäßigen Grip auf beiden Laufrädern zu erreichen, wohingegen das Nukeproof sich gutmütiger und ausgewogener fährt. Wird es richtig hart und verblockt, steht man auf dem Mega dank der längeren Kettenstreben entspannter und ist mit weniger Kraftaufwand schneller unterwegs.

Tuning Tipp: keine – wenn einem das Konzept passt, ist es perfekt

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das Ibis Mojo HD5 ist ein echter Spezialist für alle, die sich ihre Anstiege gern selbst erarbeiten und bergab vor allem auf steilen, engen, technisch verblockten Trails unterwegs sind. Bei höheren Geschwindigkeiten kann es mit seinen kleinen Laufrädern leider nicht mit der Konkurrenz mithalten und auf flachen, flowigen Trails sorgen das indirekte Fahrwerk und die zu radikale Geometrie für wenig Fahrspaß.

Stärken

  • super sattes Fahrwerk mit viel Traktion
  • agil in engen Sektionen
  • super hochwertiges Finish

Schwächen

  • Vorderrad muss sehr aktiv belastet werden
  • Fahrwerk schluckt beim Pushen viel Energie
  • 27,5”-Laufräder im Gesamtkonzept des Bikes unpassend

Mehr Informationen zum Ibis Mojo HD5 findet ihr auf ibiscycles.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Alle Bikes im Test: Canyon Strive CFR 9.0 LTD | CUBE Stereo 170 SL 29 | Giant Reign Advanced 29 0 | Ibis Mojo HD5 | Norco Sight C1 29 | Nukeproof Mega 275C RS | Nukeproof Mega 290C Pro | Orbea Rallon M-LTD | Pole Stamina 180 LE | RAAW Madonna V2 FOX Factory Built | Rocky Mountain Slayer Carbon 90 29 | Santa Cruz Megatower CC X01 Reserve | SCOTT Ransom 900 Tuned | Specialized S-Works Enduro 2020 | Specialized Turbo Kenevo Expert | Trek Slash 9.9 X01 AXS | Yeti SB150 T2 | YT CAPRA 29 CF Pro Race

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer / Finlay Anderson / Markus Frühmann

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leidwesen seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur mittlerweile dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Storys selbst, testet um die 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder arbeitet direkt vom Van aus in einem der Top-Bike-Spots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.