Ihr plant ein Upgrade eurer Teleskopsattelstütze, um mehr Verstellweg zu erhalten? Wir geben euch hier eine Anleitung: So könnt ihr auf Nummer sicher gehen, dass sie auch in euren Rahmen passt!

Wenn ihr auf der Suche nach einer neuen Teleskopsattelstütze bzw. mehr Verstellweg seid, dann solltet ihr euch zuerst unseren Vergleichstest zum Thema „Die beste Mountainbike-Teleskopsattelstütze im Test“ ansehen und herausfinden, welche Stütze euren Anforderungen am ehesten genügt. Sich ein gutes Teleskopstützen-Modell herauszusuchen, ist noch der einfache Teil, aber die richtige Auswahl bezüglich des Verstellwegs zu treffen, kann sich als der schwierigere Part herausstellen. Wir glauben: Je mehr Verstellweg eine Teleskopstütze bietet, umso besser. Doch um einen teuren Fehlkauf zu vermeiden, müsst ihr euch zunächst vergewissern, dass in eurem Rahmen genug Platz für ein längeres Modell vorhanden ist. Wenn ihr selbst wie eine Giraffe gebaut seid und die Stütze weit herausgezogen habt, dann lässt sich eine Sattelstütze mit dem längsten Verstellweg in der Regel leicht unterbringen und perfekt auf eure Proportionen einstellen. Doch wenn eure Proportionen eher hobbitartig sind und ihr einen hohen Rahmen mit langem Sitzrohr habt, dann kann es Challenge sein, in einer bereits niedrig sitzenden Stütze noch 20 mm Verstellweg extra unterzubringen. Wir zeigen euch, wie ihr berechnen könnt, ob eine längere Stütze passen wird.

Bevor ihr eine neue Teleskopstütze mit mehr Verstellweg einbaut, ist es äußerst wichtig zu prüfen, ob ihr genug Platz in eurem Rahmen habt

Wie finde ich heraus, ob eine längere Teleskopstütze in meinen Rahmen passt?

Wenn es darum geht, einen Upgrade eurer Sattelstütze vorzunehmen, geben sich die Hersteller von Teleskopsattelstützen alle Mühe, es uns leicht zu machen: Mit den detaillierten Größenangaben helfen sie, ein geeignetes Modell zu finden. Doch wie soll man herausbekommen, ob im eigenen Rahmen genug Platz ist, um die Stütze mit der gewünschten Höhe unterzubringen? Es wäre daher hilfreich, wenn Bike-Hersteller die maximale Einstecktiefe bei jeder Rahmengröße mit auflisten würden – leider ist das nicht der Fall. Daher müsst ihr selbst ein wenig Detektivarbeit leisten. Mit einigen wenigen simplen Messungen könnt ihr jedoch schnell feststellen, ob eine neue Teleskopstütze in euren Rahmen passt.

Bevor ihr eine bestimmte Stütze in Betracht zieht und wir euch zeigen, wie ihr die nötigen Messungen vornehmt, müsst ihr euch zunächst zwei einfache Fragen stellen: Wie lautet der Innendurchmesser des Sattelrohrs meines Rahmens? Benötige ich eine Stütze mit interner oder externer Ansteuerung?

Wie groß ist der Innendurchmesser von meinem Sattelrohr?

Der erste Faktor bei der Auswahl einer neuen Teleskopstütze ist der Innendurchmesser des Sattelrohrs eures Bikes. Bei den meisten modernen Fullys beträgt dieser Innendurchmesser entweder 30,9, 31,6 oder 34,9 mm. Ältere Rahmen, Stahl-Fullys und Hardtails haben gelegentlich einen schmaleren Durchmesser von 27,2 mm. Die meisten Teleskopstützen sind erhältlich in den Größen 30,9 mm und 31,6 mm, doch auch 34,9 mm wird zunehmend beliebter. Wer einen Rahmen mit einem 27,2 mm-Sattelrohr-Innendurchmesser besitzt, hat weniger Optionen zur Verfügung, doch die wachsende Beliebtheit von Gravel-Bikes sowie absenkbaren Sattelstützen an XC-Bikes wird wahrscheinlich dafür sorgen, dass die Auswahl zukünftig größer wird. Es ist in jedem Fall äußerst wichtig, dass ihr eine Sattelstütze mit dem passenden Durchmesser für euren Rahmen auswählt. Ihr könnt zwar eine schmalere Stütze in einem breiteren Sattelrohr unterbringen, indem ihr eine Reduzierhülse, eine dünne Hülse aus Aluminium oder Plastik, nutzt. So lässt sich zum Beispiel eine 30,9-mm-Teleskopstütze in einem 31,6-mm-Rahmen unterbringen. Doch umgekehrt gibt es keinen Weg, eine breitere Stütze in einem zu schmalen Rahmen zu verwenden, beispielsweise eine 31,6-mm-Stütze in einem 30,9-mm-Rahmen. Um die beste Performance ohne nerviges Knarzen zu erhalten, würden wir euch stets empfehlen, eine Sattelstütze mit dem perfekt passenden Durchmesser und ohne Reduzierhülse zu verwenden.

Der Innendurchmesser des Sattelrohrs eures Rahmens bestimmt, welchen Sattelstützendurchmesser ihr montieren müsst.
Ihr könnt zwar Reduzierhülsen nutzen, um eine schmalere Sattelstütze in einem zu breiten Sattelrohr unterzubringen, doch es ist besser, eine Stütze mit der korrekten Größe zu verwenden.

Brauche ich eine Teleskopstütze mit intern oder extern verlegtem Zug?

In den frühen Tagen der höhenverstellbaren Sattelstützen verfügten alle Modelle über eine externe Zugverlegung, bei der das Kabel am Kopf oder Klemmring der Stütze befestigt wurde. Der Zug selbst wurde dabei der Einfachheit halber außen am Rahmen entlang geführt. Heutzutage besitzen die meisten modernen Bikes innenverlegte Leitungen (oft „stealth“ genannt), mit einer Öffnung im Rahmen, durch die ein Kabel innerhalb des Sattelrohrs bis hinauf zum unteren Ende der Teleskopstütze führt, wo es befestigt ist. Auch wenn es komplizierter ist, eine innenverlegte Leitung zu verlegen, ist das Kabel nach seiner Installation im Inneren des Rahmens geschützt und kann nicht knicken oder beschädigt werden. Da die höhenverstellbaren Sattelstützen mit innenverlegten Leitungen weitaus beliebter sind, nimmt die Auswahl an Stützen mit extern geführten Zügen stetig ab. Doch es gibt noch immer Optionen von FOX, Kind Shox, Thomson und einigen anderen Herstellern.

Wie hoch ist der maximale Verstellweg einer Stütze, den ich in meinem Bike unterbringen kann?

Um herauszufinden, welchen maximalen Verstellweg ihr mit eurer Sitzhöhe nutzen könnt, müsst ihr zunächst ein paar Messungen durchführen. Die erste Messung bezieht sich darauf, wie weit euer Sattel aus dem Rahmen herausragen sollte, damit ihr komfortabel pedalieren könnt. Wenn sich der Sattel auf eurer normalen, zum Pedalieren optimalen Sitzhöhe befindet, dann messt den Abstand zwischen dem obersten Punkt der Sattelklemme und der Mitte des Sattelgestells. Dieser Messwert ist eure Fahrhöhe. Ihr müsst außerdem die Stack-Höhe eurer Teleskopstütze kennen, also den minimalen Abstand, in welchem die Stütze in ihrer niedrigsten Position über euren Rahmen hinausragt (oder anders gesagt: die Höhe des Klemmrings sowie der Vorrichtung zur Sattelklemmung). Durch Unterschiede im Design der Sattelklemmung am Kopf der Stütze können Teleskopstützen hinsichtlich ihrer Stack-Höhe um über 30 mm variieren.

Um eure Fahrhöhe zu ermitteln, bringt die Sattelstütze in eure normale Sitzhöhe beim Fahren und messt dann den Abstand von der Oberseite der Sattelklemme zur Mitte des Sattelgestells. Dieser Messwert ist eure Fahrhöhe.

Bevor ihr eine höhenverstellbare Sattelstütze mit mehr Verstellweg montiert, müsst ihr sicherstellen, dass genug Platz für den von euch gewünschten Verstellweg vorhanden ist. Dafür wiederum müsst ihr den maximalen Teleskopstützen-Verstellweg herausfinden, der sich oberhalb eurer Sattelklemme unterbringen lässt, und zwar mithilfe der folgenden Formel:

Fahrhöhe – Stack-Höhe der Teleskopstütze = maximal möglicher Verstellweg der Stütze

Beispielsweise wollen wir – wie im obigen Foto gezeigt – eine längere Stütze als das 150-mm-Standardmodell einbauen. Wir stellen den Sattel daher auf die zum Pedalieren ideale Höhe ein und messen dann die Fahrhöhe aus, die hier 253 mm beträgt. Die Stack-Höhe der verbauten FOX Transfer-Teleskopstütze lautet 60 mm. Mit der oben genannten Formel lässt sich der theoretisch verfügbare Platz für einen Verstellweg von 253 mm berechnen:
253 mm – 60 mm = 193 mm.

FOX bietet zwar keine Transfer-Teleskopsattelstützen mit 193-mm-Verstellweg an, doch ist in diesem Fall genug Raum vorhanden für ein Upgrade vom 150-mm-Modell zur 175-mm-Version. Allerdings nur, wenn auch genügend Einstecktiefe zur Verfügung steht, um die es im nächsten Abschnitt geht.

ACHTUNG: Wenn ihr eine Teleskopstütze mit einem Verstellweg montiert, der identisch mit dem errechneten Maximum an Verstellweg oder zumindest sehr nah an diesen Wert kommt, dann könntet ihr Probleme bekommen, solltet ihr in der Zukunft den Sattel tauschen wollen. Denn Sattelhöhen variieren und ihr könntet daher eure Fahrhöhe überschreiten.

Wie finde ich die maximale Einstecktiefe meines Rahmens heraus?

Wir wissen nun also den maximalen Verstellweg, den wir unterbringen können. Doch um den Kreis zu schließen, müssen wir ebenso bestimmen, wie viel Platz in eurem Rahmen vorhanden ist. Auch wenn es logisch erscheinen mag, dass in einem Rahmen für Teleskopstützen jeglicher Länge genug Raum vorhanden sein sollte, können Knicke im Sattelrohr oder Drehpunkte des Fahrwerks oft die mögliche Einstecktiefe drastisch reduzieren.

Das Canyon Spectral:ON hat, wie viele andere Bikes auch, einen Knick im Sattelrohr, der die maximal mögliche Einstecktiefe mit einer neuen Teleskopstütze stark reduziert

Der präziseste Weg, um die maximale Einstecktiefe eures Rahmens herauszufinden, ist, eine lange standardmäßige Sattelstütze in euren Rahmen zu stecken (ihr könnt euch ein Modell von einem Shop oder Freunden leihen). Steckt die Sattelstütze so weit wie möglich in den Rahmen hinein und markiert die Stütze auf Höhe der Sattelklemme mit Kreide. Messt dann an der Stütze ab, wie tief sie im Rahmen steckte und schon habt ihr die maximale Einstecktiefe. Wenn ihr keine klassische Sattelstütze zur Hand habt, könnt ihr auch mit einer Taschenlampe in das Sattelrohr hineinleuchten und ein Maßband nutzen, indem ihr den Weg hinunter bis zum ersten Hindernis messt, das ihr seht. Doch natürlich ist dieser Weg prinzipiell nicht so genau wie die erstgenannte Methode.

Um die maximal mögliche Einstecktiefe eures Rahmens herauszufinden, steckt am besten eine lange standardmäßige Sattelstütze in das Sattelrohr, bis sie auf das erste Hindernis trifft und sich nicht tiefer einschieben lässt
Markiert dann die Einstecktiefe des Sattelrohrs mit Kreide und zieht die Stütze wieder heraus.
Der Abstand vom Fuß der Stütze bis zur von euch gesetzten Markierung ist die maximale Einstecktiefe.
Wenn ihr keine lange, klassische Sattelstütze zur Hand habt, könnt ihr auch mit einem Maßband im Inneren des Sattelrohrs die Distanz bis zum ersten Hindernis messen. Allerdings ist diese Methode nicht so genau.

Wir haben uns dazu das Canyon Spectral:ON vorgenommen, das ein besonders kurzes Sattelrohr hat) und eine 31,6 mm-Sattelstütze bis zu einer maximalen Tiefe von 255 mm einstecken können. Die maximale Einstecktiefe für unseren Medium-Rahmen beträgt also 255 mm.

Im zuvor genannten Beispiel mit der FOX Transfer 175-mm-Teleskopstütze haben wir eine maximale Einstecktiefe von 298,5 mm ermittelt, inklusive der Auslöseeinheit (laut Website des Herstellers). Damit ist sie 43,5 mm länger als der vorhandene Platz im Inneren des Rahmens (255 mm) und folglich ragen 43,5 mm der Sattelstütze über der Sattelklemme heraus.

Eine Warnung hinsichtlich der Auslöseeinheiten: In vielen Fällen geben die Hersteller von Teleskopstützen die Abmessungen der Auslöseeinheiten am unteren Ende der Stützen bei der Angabe der „maximalen Einstecktiefe“ nicht mit an. Prüft alle Parameter vor einer Bestellung also besser zweimal.

Von unseren vorherigen Berechnungen wissen wir, dass sich im Falle unseres Beispiel-Fahrers für ein korrektes Pedalieren maximal 253 mm an Sattelstütze zwischen der Sattelklemme und dem Sattelgestell befinden dürfen – wir haben diesen Abstand als Fahrhöhe definiert. Jetzt, da wir alle notwendigen Messwerte kennen, können wir eine klare Antwort darauf erhalten, ob unsere Sattelstütze passen wird. Wir addieren also Folgendes dazu: Länge des Verstellwegs der neuen Stütze + Stack-Höhe des neuen Modells + Höhe des freiliegenden Teils der Teleskopsattelstütze, wenn sie bis zum Anschlag in das Sattelrohr eingeschoben ist. Somit erhalten wir:

175 + 60 + 43 = 278 mm

Wenn wir die FOX Transfer-Sattelstütze mit 175 mm so tief wie möglich in den Rahmen hineinschieben, ragt die Stütze also 278 mm über die Sattelklemme hinaus, was höher ist als unsere maximale Fahrhöhe von 253 mm. Die 175 mm-Stütze ist also zu lang für unseren Rahmen sowie Fahrer und wir werden uns mit 150 mm Verstellweg begnügen müssen. In dieser Konstellation ist die geringe maximale Einstecktiefe des Canyon Spectral:ON der limitierende Faktor. Wenn euer Rahmen nur über eine sehr kleine maximale Einstecktiefe verfügt, ihr aber mehr Verstellweg wollt, dann schaut euch am besten die neusten Teleskopsattelstützen mit minimalen Einstecktiefen an, wie etwa die RockShox Reverb AXS oder One-Up V2.

Fazit

Es kann etwas knifflig sein, herauszufinden, ob eine neue Teleskopstütze in euren Rahmen passt – vor allem wenn ihr euch mehr Verstellweg wünscht. Denn ihr müsst nicht nur berücksichtigen, wie weit die Sattelstütze bei vollem Auszug aus eurem Rahmen herausragt, sondern auch, ob genug Platz für die Stütze in eurem Rahmen vorhanden ist. Doch mit ein paar sorgfältigen Messungen könnt ihr euch vor Anschaffung einer neuen höhenverstellbaren Sattelstütze Gewissheit verschaffen. Wenn ihr jedoch noch immer Zweifel habt, dann schaut am besten bei euren lokalen Bike-Händler vorbei – er kann euch sicher helfen.

Den Verstellweg eurer höhenverstellbaren Sattelstütze zu erhöhen, kann sich als kleine Challenge erweisen, doch mit einigen sorgfältigen Messungen könnt ihr eine fundierte Entscheidung treffen

Text: Trev Worsey Fotos: Finlay Anderson, Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.