Ein Ferrari zum Fiat Panda-Preis? Ganz so weit würden wir nicht gehen. Dennoch: Wer viel Mountainbike zum möglichst kleinen Preis haben will, hat die besten Chancen auf dem Gebrauchtmarkt. Doch das passende Gebrauchte zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Mit unserem Gebraucht-Bike-Ratgeber begleiten wir euch auf dem Weg zu eurem neu-gebrauchten Traum-Bike.

Der Markt regelt, aber leider nicht immer zu den eigenen Gunsten. Manchmal lassen sich die hohen Anforderungen an ein neues Mountainbike nicht mit dem eigenen, meist beschränkten Budget vereinbaren. Die offensichtliche Lösung für dieses Problem ist: ein gebrauchtes Mountainbike kaufen. Doch damit stößt man bei so manchem Biker auf ein paradoxes Denkmuster: „Gebrauchtwagenkauf? Geht klar! – Ein gebrauchtes Mountainbike? Ohne mich!“ Die Sorge vor Abzocke oder einem im Nachhinein teuren Fehlkauf verunsichert selbst erfahrene Biker. Wenn man nicht weiß, wonach man suchen oder auf was man achten muss, besteht eine hohe Diskrepanz zwischen dem Besuch beim lokalen Bikeshop und der Navigation über den Gebraucht-Bike-Markt. Bei ersterem ist der Kunde (hoffentlich) König, beim zweiten fühlt man sich wie eine hilflose Maus in einem Labyrinth mit Fallgruben. Unübersichtliche Kleinanzeigenportale ohne Händlerbewertungen, zwielichtige Geschäftemacher oder uralte Gurken in miserablem Zustand, die als „so gut wie neu“ angepriesen werden, können die Shopping-Experience schon gewaltig trüben.

Windige Verkäufer oder…
… nicht ganz koschere Deals in dunklen Hinterhöfen können die Shopping-Experience schon gewaltig trüben.

Aber auch Verkäufer sind nicht gefeit vor Nervensägen, die scheinbar mehr Freude an merkwürdigen Fragen und am Verhandeln statt am eigentlichen Bike haben: „Wie viele Kilometer Laufleistung wurden auf Ritzel Nummer 7 zurückgelegt?“

Kurz: Es verstecken sich super Schnäppchen und wahre Schätze zwischen dem ein oder anderen unseriösen Angebot. Damit für Käufer und Verkäufer kein Frust beim Gebrauchtkauf und -verkauf aufkommt, haben wir in unserem Ratgeber alle Punkte zusammengefasst, auf die es ankommt.

Warum ein gebrauchtes Mountainbike kaufen statt ein neues?

Natürlich sind gebrauchte Mountainbikes günstiger als neue. Aber es gibt noch mehr Gründe, die dafür sprechen, beim Mountainbike-Kauf nicht direkt All-in zu gehen. Gerade Neulinge, die vor dem Kauf des ersten Mountainbikes stehen, sollten ihren Dispo nicht gleich voll ausreizen. Der Grund: Der Sport ist noch facettenreicher als die Bikes, die man findet. Hardtail oder Fully? Lieber eine schnelle Cross-Country-Feile oder doch etwas tourigeres für einen Alpencross? Womöglich ist ein Trailbike vielseitiger als ein Enduro, oder am besten gleich mit einem Downhiller einsteigen? Fragen über Fragen, die verunsichern können. Bevor man also zuschlägt, sollte man wissen, ob der Sport überhaupt zu einem passt, und wie und wo man in Zukunft fahren will. Wer zu früh eine große Investition tätigt, hat später vielleicht nicht mehr das Budget, die Kaufentscheidung an das bevorzugte Fahrprofil anzupassen.

Was darf’s sein? Etwas effizientes, mit dem man auch das Umland erkunden kann?
Oder doch lieber ein Bike für den groben Schlagabtausch in der Abfahrt?

Neu-Bikes verhalten sich ähnlich wie Neuwagen: Der Wertverlust ist – abgesehen vom Fall eines Crashes – am höchsten, sobald man sie vom Hof gefahren und die ersten paar Kilometer abgespult hat. Macht ihr jedoch ein Schnäppchen bei einem gebrauchten Mountainbike, hält sich der Wertverlust in Grenzen. Im besten Fall könnt ihr das Mountainbike sogar zum gleichen Kurs weiterverkaufen. Ziemlich vorteilhaft, solltet ihr plötzlich feststellen, dass das Rad doch nicht zu euch passt.

Mehr Wertverlust als am Neuwagen: Ein neues Bike verliert auf der ersten Spritztour mehr Wiederverkaufswert, als euch ein gemieteter Porsche übers Wochenende kostet.

Schnell & smart: Wollt ihr schon bei eurem ersten Kauf eine fundierte Entscheidung treffen, dann hilft euch unsere persönliche Kaufberatung weiter. Hier findet ihr einen umfassenden Fragenkatalog, der euch dabei unterstützt, deutlich schneller das passende Bike zu finden. Der Clou: Er hilft euch, schnell und eigenständig einzuschätzen, welche Bikes und Bike-Kategorien optimal zu eurem Fahrprofil passen. Noch besser: Die persönliche Kaufberatung schlägt euch auch gleich eine Vielzahl an spannenden und für euch relevanten Artikeln vor. Es lohnt sich!

Ein Mountainbike mit gewissen Standards – Die große Zäsur bei Reifengrößen, Achsbreiten und Schaltgruppen

Give me more: Die Bike-Industrie ist bekannt für ihren rasanten technischen Fortschritt. Während ein gut erhaltener Gebrauchtwagen selbst nach 10 Jahren noch als modernes Sahnestück auf vier Rädern durchgehen kann, gilt ein 10 Jahre altes Mountainbike für viele häufig als überholter Oldtimer. Bewährtes wird oft erneuert, verbessert und über den Haufen geworfen. Von echten „Standards“ kann man also nicht sprechen.

Je nachdem, wann euer neues Gebraucht-Bike seine Erstzulassung hatte, kann es zu Problemen bei der Ersatzteilbeschaffung kommen. Mountainbikes mit 26”-Reifen, Schaltungen mit Umwerfer am Kettenblatt und ohne Steckachsen im Format 15 x 110 mm vorne und 12 x 148 mm hinten sind Mitte der 2010er-Jahre fast komplett vom Markt verschwunden. Sie sind die Schwarzweißfernseher unter den MTBs. Aber auch bei Mountainbikes mit 27,5” großem Vorderrad handelt es sich in den meisten Fällen um Auslaufmodelle (abgesehen von Rahmengrößen für kleine Fahrer). Komponentenhersteller wie z. B. für Federgabeln stellen ihr Portfolio mehr und mehr auf 29” um. Man muss sich also im Klaren darüber sein, dass nicht jedes gebrauchte Mountainbike eine gute Basis für ein späteres Teile-Upgrade darstellt oder sich schwerer wieder verkaufen lässt.

Auf der sicheren Seite seid ihr, wenn ihr euch für ein Mountainbike mit 29”-Laufrädern oder 29” vorne und 27,5” hinten entscheidet – idealerweise mit einer Schaltgruppe mit nur einem Kettenblatt vorne. Bei den Achsstandards hat sich „Boost“ durchgesetzt, das sind, wie bereits erwähnt, Steckachsen mit 15 x 110 mm vorne und 12 x 148 mm hinten. Dennoch gibt es auch moderne Mountainbikes mit anders dimensionierten Achsen, alle Infos dazu findet ihr in unserem Artikel über Super Boost Plus.

Plus Compatibility? Eher Minus Compatibility – die Bike-Branche ist voller Komponenten mit Pseudo-Standards, die nicht untereinander kompatibel sind.

Bei Tretlagern gab es noch nie einen einheitlichen Standard, nur so viel lässt sich sagen: Wir verabschieden uns mit allen Ehren von Mountainbikes mit Patronenlagern. Bei modernen Mountainbikes kommen nur noch Pressfit- und BSA-Lager (mit Schraubgewinde) zum Einsatz. Haltet also danach Ausschau.

Sollte das Objekt der Begierde tatsächlich noch ohne Vario-Sattelstütze an euch weiterverkauft werden, ist ein Upgrade Pflicht. Abgesehen von ein paar hochpreisigen elektrischen Funk-Droppern haben so gut wie alle Dropper heutzutage den Zug am unteren Ende. Dieser steckt im Sattelrohr, sodass ihr sicherstellen solltet, dass der Rahmen eine Zugverlegung bis zum Lenker ermöglicht.

Jäger des verlorenen Schatzes – Wo findet man gebrauchte Mountainbikes?

Soviel vorweg: Wer in den analogen Kleinanzeigen seiner Lokalzeitung, dem ‘Flachländer Stadtanzeiger’, auf die Suche geht, wird nicht fündig. Außer ihr versucht, einem Boomer seine VHS-Kollektion der von ihm selbst aufgenommenen Tatort-Folgen unter Wert abzuluchsen, dann vielleicht. Das Medium, das ihr sucht, nennt sich Internet.

Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten: Entweder findet ihr das gebrauchte Traum-Bike bei einem Händler, einer Privatperson oder teilweise sogar direkt beim Hersteller. Händler bieten eine Händlergewährleistung an und lassen Räder meist professionell aufarbeiten. Bei einem Gebraucht-Bike von einer Privatperson macht man in der Regel aber das bessere Schnäppchen, weil man sich den Mittelsmann spart. Dafür muss man im Zweifel auch die Bereitschaft mitbringen, kleinere Mängel mit zu kaufen und sich in die Basics von Service und Wartung einzulesen. Denn lässt man das gebrauchte Bike direkt nach dem Kauf in der Fachwerkstatt wieder auf Vordermann bringen, ist der Preisvorteil schnell dahin. Das Gute: Mit unserer Rubrik Werkstatt könnt ihr euch schnell genug Wissen aneignen, um die meisten technischen Fragen selbst beantworten zu können.

Ob man es mit einer Privatperson oder einem Händler zu tun hat, ist manchmal auf den ersten Blick gar nicht so ersichtlich. Bei vielen Online-Plattformen für Privatpersonen, wie z. B. Kleinanzeigen.de, inserieren auch Händler gebrauchte Bikes. Während man auf re-cycle.de überwiegend Bikes von Privatpersonen findet, handelt es sich bei dem ähnlich klingenden buycycle.com um eine Plattform mit Bikes von Privatanbietern sowie um MTBs, die in der eigenen Fachwerkstatt aufbereitet wurden. Bei bike-resale.de gibt es nur vom Profi aufbereitete Gebrauchte, und rebike.com ist eine spezielle Plattform für refurbished E-Bikes, falls euch der Sinn eher nach einem MTB mit E-Support steht. Ein Shout-Out geht noch an den Bikemarkt von unseren Freunden bei MTB-News.de, eine gute Anlaufstelle nicht nur für gebrauchte Mountainbikes, sondern auch für Komponenten und Gear.

Bei aufbereiteten Bikes vom echten Profi muss man sich über den Zustand des Bikes meist weniger Sorgen machen. Es lohnt sich aber auch hier, vorab die Seriosität der Plattform selbst gegenzuchecken. Es tummeln sich nämlich nicht nur Fake-Shops im Netz, sondern auch Fake-Profis.

Aufbereitet vom Profi? Nehmen wir gerne!

Plant man einen Online-Kauf von einer Privatperson und hat vorab keine Möglichkeit, das Bike selbst zu besichtigen, kann man in manchen Fällen dennoch Hilfe hinzuziehen. Mit etwas Glück findet man in der Region des Verkäufers via Google Maps & Co. qualifizierte Bike-Werkstätten. Es lohnt sich anzufragen, ob diese einen Bike-Check vornehmen können. Die Kosten dafür solltet ihr euch fairerweise mit dem Verkäufer teilen. So müsst ihr zumindest nicht die Katze im Sack kaufen. Ist der Verkäufer dazu bereit, einen unparteiischen Dritten hinzuzuziehen, ist das auch schonmal ein gutes Zeichen dafür, dass sich keine versteckten Mängel am Bike befinden.

Preisfrage: Wie viel ist das Bike noch wert?

Habt ihr euer (gebrauchtes) Traum-Bike auf einer Online-Plattform – oder wo auch immer – gefunden, gilt es noch den Wert zu ermitteln. Plattformen wie Kleinanzeigen.de verschaffen einen ersten groben Überblick. Davon kann man noch gut und gerne etwas abziehen, weil nach einer hitzigen Verhandlung selten etwas zu dem Preis verkauft wird, zu dem es auch inseriert wurde. Sowas wie eine Wertermittlung vom KFZ-Gutachter fürs Fahrrad, die verhindern soll, dass man übers Ohr gehauen wird, gibt es aber noch nicht. Mit dem bicycleblubook existiert aber eine gute Datenbank-Basis, die ähnlich der Schwacke-Liste für PKW Preise für eine Vielzahl an Modellen sammelt und anhand des Bike-Zustands einen guten Orientierungswert ausspuckt.

Altherrenrad, Schönwetterfahrzeug, nur ein Vorbesitzer, scheckheftgepflegt – Die Rad-Historie des Vorbesitzers und das Verkaufsgespräch

Kommen wir nun zum Horrorszenario für alle introvertierten Pfennigfuchser: dem persönlichen Treffen mit dem Verkäufer. Beim persönlichen Verkaufsgespräch können Verhandlungstalente beim Preis nochmal viel rausholen, während sich Ungeübte womöglich einen Jahresvorrat Bremsscheiben-Öl aufschwatzen lassen, damit die Bremsen nicht quietschen. Habt ihr einen erfahrenen Bike-Buddy im Freundeskreis? Nehmt ihn unbedingt mit.

Voll einen auf Mountainbiker zu machen, um Expertise beim Verkaufsgespräch zu heucheln, geht gerne auch mal nach hinten los. Bleibt lieber entspannt.

Seid ihr jedoch alleine unterwegs und das ist euer erstes Rodeo, dann sind hier ein paar nützliche Tipps, wie ihr das Eis brecht. Tipp Nummer 1: Echte Biker begrüßen sich nicht mit einem Handschlag. Stattdessen schlägt man sich gegenseitig mit der flachen Hand auf die Stirn – war nur ein Spaß. Biker sind auch nur normale Menschen, und ihr braucht euch nicht zu verstellen, um falsche Expertise vorzutäuschen. Das fliegt früher oder später sowieso auf. Achtet lieber auf ein Paar Red Flags bei eurem Gegenüber. Falls ihr beim Gebrauchtkauf auf Josh Bender, Evil Knievel oder einen vernarbten Biker mit zwei Armen im Gips trefft, könnt ihr euch denken, dass das Bike bisher hart rangenommen wurde. Dafür wissen diese Draufgänger in den meisten Fällen auch, wie man ein Bike in Schuss hält und können euch über alle Wartungsarbeiten, Service-Intervalle und ausgetauschte Parts am besten Auskunft geben. Ein vom Anfänger runtergerocktes Bike kann in manchen Fällen in schlechterem Zustand sein als eins vom Profi, ohne dass sich der Verkäufer selbst darüber im Klaren ist.

Red Flag beim Verkaufsgespräch? Niemand kauft gerne ein gebrauchtes Bike vom Hardcore-Shredder, der gerade damit aus dem Bikepark kommt. Doch ein Bike vom Fahranfänger kann im Zweifel noch verwahrloster sein.

Folgende Fragen solltet ihr auf jeden Fall klären:

  • Ist der Verkäufer der Erstbesitzer und kann er euch die Rechnung vorlegen?
  • Falls nicht, in welchem Zustand hat er das Bike vom Vorbesitzer erworben und wurde er über alle Schäden informiert?
  • Was wurde am Bike getauscht und ersetzt und warum?

Ein Treffen zwischen Tür und Angel, bei dem nur Bargeld und Bike die Hände tauschen, ist wenig zielführend. Ihr solltet euch für das Treffen Zeit nehmen und das Bike auf eure Größe einstellen. Der Grund: Ihr wollt doch sichergehen, dass es auch passt oder dass es zumindest durch Anpassungen in der Ausstattung auf euch zurechtgeschnitten werden kann. Eine Probefahrt versteht sich von selbst, aber vorher solltet ihr dazu das Fahrwerk auf euer Gewicht einstellen. Nur so könnt ihr sicher checken, dass das Fahrwerk auch wirklich intakt ist.

In vielen Kleinanzeigen liest man „kein Bikepark-Einsatz“, oder der interessierte Käufer stellt die Frage nach dem Bikepark-Besuch von sich aus. Es stimmt zwar, dass man in Bikeparks in wenigen Stunden genauso viele Höhen- und Tiefenmeter abspulen kann, wie manche über das gesamte Jahr verteilt auf den eigenen Hometrails. Aber eine generelle Aussage über den Zustand des Bikes lässt sich daraus nicht ableiten. Es gibt Bikeparks mit glatt geshapten Flowlines, die man selbst mit dem Rennrad bestreiten könnte, und Hometrails von Berg-Eremiten, die an eine ausgewachsene Redbull-Hardline erinnern.

„Bikeparks? Ne, war ich noch nie …“
„ …Ich hab das Bike höchstens am Wochenende zum Einkaufen fahren verwendet.“

Unser Tipp: Versucht, eine Vertrauensbasis mit dem Gesprächspartner aufzubauen. Statt den Verkäufer mit einem 14-seitigen Kaufvertrag und einem humorlosen Rechtsbeistand zu begrüßen sowie nicht zielführende Fragen am Fließband abzufeuern, solltet ihr euch lieber nach Tipps für einen Bike-Urlaub erkundigen. Kommt man erstmal ins Gespräch, erfährt man schnell mehr über die Abnutzung des Bikes, als man in einem detaillierten Fahrtenbuch nachschlagen könnte. Hat der Verkäufer bereits sein Nachfolger-Bike erworben, dann verabredet euch doch zur gemeinsamen Ausfahrt als Probefahrt. So findet ihr im besten Fall nicht nur ein neues Bike, sondern gleich einen neuen Bike-Buddy.

„Wir kommen in Frieden“ – statt beim Verkaufsgespräch mit harten Bandagen zu kämpfen, sollte man sich um eine vertrauensvolle Gesprächsbasis bemühen.
Wer einen sympathischen und erfahrenen Bike-Buddy zur Hand hat, nimmt ihn am besten mit.

Kommt kein echtes Vertrauen im Gespräch auf, ihr geratet an einen windigen Verkäufer und hegt weiterhin Zweifel, aber das Angebot ist zu verlockend? Dann solltet ihr doch zu Stift und Papier greifen und alles schriftlich festhalten, was euch vom Gegenüber versprochen wurde. In der Regel finden Verkäufe unter Privatpersonen unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung statt (je nachdem, wie die Rechtslage in eurer Region ausfällt). Verkäufer sichern sich mit Ausschlussklauseln wie „gekauft wie gesehen“ ab. Bricht euch das Fahrrad auf den ersten Solo-Metern auseinander und es kommt doch zum Streitfall, habt ihr so wenigstens etwas Schriftliches in der Hand, auf das ihr euch berufen könnt.

Doch selbst wenn das Geschäft vertrauensvoll und mit einem guten Gefühl abgeschlossen wurde, kann der gebrauchte Hobel versteckte Mängel aufweisen, die dem ehrlichen Verkäufer nicht bewusst waren. Bei einem Privatverkauf greift hier für gewöhnlich keine Haftung. Ein nicht zu sehender Riss im Steuerrohr oder ein angebrochener Rahmen unterhalb der intakten Lackschicht – da wird das vermeintliche Schnäppchen schnell zum Geldgrab. Spezielle Bike-Versicherungen können euch dabei vor dem Schlimmsten bewahren. Die meisten versichern auch Gebraucht-Bikes. Nach einer Wartezeit von 3–6 Monaten sind dann Defekte und Verschleiß mit abgedeckt. Die Versicherungsprämie hängt vom Neupreis des Rades ab, bewegt sich in der Regel aber zwischen 100 und 200 Euro pro Jahr. Doch Vorsicht: Für gewöhnlich gilt der Versicherungsschutz nur bis zu einem Bike-Alter von 3 Jahren.

Die Checkliste

Jetzt geht es ans Eingemachte: den Komponenten-Check. Egal, ob neu oder gebraucht: Ein Bike ist mehr als nur die Summe seiner Teile. Doch wenn die Parts nicht ordnungsgemäß funktionieren, dann kann auch das beste Mountainbike nicht überzeugen. Hier ist eine Checkliste mit Punkten, die es zu beachten gilt.

Der Rahmen

Das versteht sich zwar von selbst, aber der Vollständigkeit halber: Der Rahmen des Bikes ist wie das Fundament, auf dem ein Haus steht. Informiert euch bereits vor der Bike-Besichtigung, was die Schwachstellen des Bike-Rahmens sind. In den einschlägigen Foren könnt ihr euch mit anderen Bike-Besitzern austauschen und Erfahrungen einholen. Aber genießt solche Infos immer mit einer gewissen Vorsicht. Das Internet ist wie der Wilde Westen für persönliche Meinungen und auf jede Untertreibung folgen vier Übertreibungen.

Haltet beim Rahmen Ausschau nach Macken und Dellen. Macken im Lack können überall auftreten, aber gerade das Unterrohr wird stark vom aufspritzenden Fahrbahnbelag des Vorderrads in Angriff genommen. Hat der Vorbesitzer eine Lackschutzfolie angebracht, müsst ihr ihm das positiv anrechnen. Risse treten häufig in der Nähe von Schweißnähten auf, Abrieb findet ihr dort, wo sich die Kette und Kabelzüge in Rahmennähe aufhalten. Aber auch an den Kettenstreben und am Oberrohr, wo Fersen und Knie anstoßen, bleiben hässliche Schleifspuren nicht aus. Sieht ein Teil deutlich neuer aus als der Rest des Rahmens, wurde es womöglich ausgetauscht. Fragen kostet nichts, sprecht den Verkäufer darauf an.

Wer das gebrauchte Mountainbike von Bigfoot erstehen will, sollte nach Scheuerstellen an den Sitz- und Kettenstreben Ausschau halten, die von sehr großen Füßen herrühren können.
Risse können sich in der Nähe von Schweißnähten an besonders beanspruchten Stellen bilden.

Bei gebrauchten Carbon-Bikes spalten sich die Meinungen. Für die einen steht Carbon für das High-End-Performance-Material schlechthin. Andere schrecken vor gebrauchten Carbon-Bikes zurück. Die Angst vor unsichtbaren Beschädigungen am Rahmen, die in einer Extremsituation zum Materialversagen führen, ist zu groß. Lasst euch gesagt sein, egal ob Alu oder Carbon, kaputt bekommt man beides, und weder der eine noch der andere Werkstoff stehen für ein besonderes Gütesiegel. In unserem Mythos Carbon Artikel klären wir euch darüber auf.

Habt ihr bereits ab dem ersten „Hallo“ darauf geachtet, ein vertrautes Verhältnis zwischen euch und dem Verkäufer herzustellen, rentiert sich das vielleicht doppelt für euch. Inzwischen geben immer mehr Bike-Hersteller großzügige Garantien auf Rahmen, die lange über die gesetzliche Gewährleistung hinausreichen. Der Haken daran, sie gelten meist nur für den Erstbesitzer des Bikes. Habt ihr euch mit dem Verkäufer gut gestellt und es tritt ein Mangel beim Rahmen auf, kann der Verkäufer (insofern er der Erstbesitzer des Bikes war) für euch den Kontakt zum Hersteller aufnehmen und Garantieansprüche geltend machen. Also seid freundlich und bringt zum Verkaufsgespräch eine Schachtel Pralinen mit.

Zum Rahmen-Check gehört auch die Kontrolle der Lager. Ist noch der erste Satz Original-Lager verbaut, wurden sie schon mal getauscht und wie ist ihr Zustand? Um Spiel im Steuersatzlager festzustellen, müsst ihr zuerst überprüfen, ob die Federgabel auch schön stramm im Rahmen sitzt. Blockiert danach mit der linken Hand die Vorderradbremse und legt die zweite Hand zwischen Gabelkrone und Steuerrohr an. Bewegt dann das Bike vor und zurück. Ein Klappern kann auf ein ausgeschlagenes Lenkkopflager hindeuten, das Spiel kann aber auch von ausgeschlagenen Buchsen in der Federgabel herrühren oder sogar von etwas Spielraum bei den beweglichen Teilen der Bremse. Spiel in der Federgabel könnt ihr ausschließen, indem ihr die Hand auf dieselbe Weise zwischen Stand- und Tauchrohr der Gabel legt, mit der anderen Hand die Vorderradbremse zieht und das Mountainbike nach vorne und hinten bewegt. Verschieben sich die Rohre horizontal zueinander, kann das Spiel auch hieraus rühren. Um etwas Spiel in der Bremse zu ermitteln, haltet die Vorderradbremse gezogen und bewegt mit der anderen Hand den Reifen vor und zurück. Tritt Spiel auf, müsst ihr prüfen, ob Bremssattel und Bremsscheibe richtig angezogen sind.

Für den Hinterbaulager-Check legt ihr eine Hand auf dem Hinterrad ab und zieht das Bike am Hauptrahmen nach oben.

Für die Lager im Hinterbau geht ihr mit einer ähnlichen Methode vor wie am Steuerkopflager. Legt die eine Hand auf dem Hinterrad ab und fixiert es, zieht mit der zweiten Hand am Hauptrahmen. Spürt ihr Bewegungen, müsst ihr den Vorgang jeweils zwischen den einzelnen Streben wiederholen, die über Lager verbunden sind, bis ihr den Übeltäter identifiziert habt. Ersatzlager zu bekommen, ist für viele Bikes gar nicht mal so schwer und unerschwinglich, der Aus- und Einbau hingegen für unerfahrene Mechaniker umso umständlicher. Besitzt man nicht die entsprechenden Lagereinpresswerkzeuge, sollte man lieber den Bikeshop-Besuch in den Kaufpreis mit einkalkulieren. Wenn ihr die Lager kontrolliert, schaut euch auch gleich die Achsen und Schrauben an, die den Hinterbau zusammenhalten. Defekte Inbusaufnahmen oder Gewinde können schnell übersehen werden und sind vor allem bei älteren Modellen schwer zu ersetzen.

Ein Bike, tausend Lager, und jedes davon könnte Probleme machen. Eine Standard-Dämpferwippe hat z. B. bereits 6 davon. Darum nehmt euch Zeit für den Check.

Das Fahrwerk

Drei Tatsachen zum Mountainbike-Fahrwerk sind so sicher wie das Amen in der Kirche:

  1. Das Fahrwerk hat einen enormen Einfluss auf das Fahrgefühl des Bikes.
  2. Damit die Federelemente auf Dauer auch sauber arbeiten können, müssen sie regelmäßig gewartet werden.
  3. Der turnusmäßige Fahrwerks-Service findet an 90 % aller Bikes zu unregelmäßig statt.

Hat der Vorbesitzer das Service-Intervall beachtet oder die Federelemente sogar vom Profi immer wieder auf Vordermann bringen lassen? Prima, dann liegen dafür bestimmt auch Rechnungen vor. Falls nein, sollte man bereits im Hinterkopf weitere 100 – 200 € für den Service zurücklegen. Das Geld solltet ihr auch investieren, wenn das Rad über einen längeren Zeitraum stand, auch wenn kurz davor ein Service gemacht wurde. Den kleinen Gabelservice bekommt man auch selbst hin, und es ist eine super Übung, um sich mit dem Bike vertraut zu machen. Wurden die Federelemente bisher nur stiefmütterlich behandelt, sollte man sich für den Fahrwerks-Check etwas mehr Zeit nehmen.

Diese Federgabel trieft so sehr vor Öl, dass die US-Streitkräfte schon Invasionspläne dafür vorbereiten. Um den Frieden zu wahren, wäre ein Fahrwerks-Service nicht verkehrt.

Überprüft zuerst, ob die Standrohre von Federgabel und Dämpfer frei von Macken und Kratzern sind, und ob die Dichtungen an den Standrohren porös oder noch gut in Schuss sind. Federt die Gabel im Stand über den Lenker ein und den Dämpfer über den Sattel. Tauchen die Federelemente ohne spürbares Losbrechmoment ein oder muss für die ersten Millimeter besonders viel Kraft aufgewendet werden? Ein schlechtes Ansprechverhalten ist ein Indiz für einen vernachlässigten Fahrwerksservice. Verstellt im Anschluss die Rebound-Einstellung an beiden Federelementen und wiederholt den Test nochmal. Hat sich die Ausfedergeschwindigkeit geändert, ist der Rebound in Ordnung. Bleibt das Tempo gleich, ist das Fahrwerk reif für die Service-Werkstatt.

Die Laufräder

Die Laufräder sind in der Regel nach dem Fahrwerk die zweitteuerste Komponente am Bike, in manchen Fällen sogar die kostspieligste. Im Laufe eines Mountainbike-Lebenszyklus schleichen sich oft Nabenspiel, Achter und Haarrisse in der Felge ein. Sitzen die Laufräder an ihrer Achse nicht fest zwischen Gabel und Hinterbau, dann hat das Nabenlager in den meisten Fällen etwas Spiel entwickelt. Das lässt sich recht schnell mit zwei Konusschlüsseln in Ordnung bringen, die euch euer lokaler Bikeshop bestimmt auch gerne kurz ausleiht. Es gibt jedoch auch Laufräder, bei denen sich das Lagerspiel nicht einstellen lässt. In solchen Fällen muss ein neues Lager her und ihr seid nochmal grob 40 € pro Laufrad los.

Als nächstes sollte man sich die Felgen genau anschauen. Dellen im Felgenring einer Alufelge weisen auf eine gute Zeit des Vorbesitzers hin. Eine kleine Delle ist kein Beinbruch, solange das Felgenhorn noch stark genug ausgeprägt ist, um die Reifenwulst in der Spur zu halten. Bei einem Tubeless-Reifen könnt ihr mit beiden Daumen gegen die Seitenwand des Reifens über der Delle drücken. Dabei darf der Reifen keine Luft verlieren. Ist die Delle jedoch so stark ausgeprägt, dass sich die Felge um mehrere Millimeter verformt hat oder weist sie sogar Risse auf, solltet ihr sie lieber tauschen.

Inkontinenz am Reifen kann von einem verbeulten Laufrad herrühren. Hier hilft nur noch eine neue Felge.

Grobe Achter in den Laufrädern findet man am schnellsten, wenn man das Mountainbike an einer Seite anhebt und ein Laufrad schnell andreht. Sofern der Reifen sauber auf der Felge sitzt, macht sich ein Höhen- oder Seitenschlag bereits durch ein Wippen bemerkbar. Für die Suche nach kleineren Schlägen müsst ihr das Mountainbike allerdings in einen Workstand einhängen oder auf den Kopf stellen. Haltet entweder einen Finger an den Felgenring oder befestigt einen gekürzten Kabelbinder an der Federgabel und der Kettenstrebe. Wandert die Felge in Relation zu diesem Fixpunkt beim Rotieren auf und ab oder hin und her, ist sie nicht richtig zentriert. Auch ein Achter bedeutet noch nicht das Aus für die Laufräder. Mit etwas Geduld lassen sich Laufräder über die Speichenspannung zentrieren.

Apropos Speichenspannung: Lose Speichen sind ein Zeichen für ein verwahrlostes Bike. Während ihr die Speichenspannung kontrolliert, indem ihr einfach immer ein Speichenpaar mit zwei Fingern zusammendrückt, könnt ihr gleichzeitig einen Blick auf die Speichenbohrungen in der Felge werfen. Fallen euch hier kleine Haarrisse in der Felge auf, war entweder die Speichenspannung falsch gewählt oder die Laufräder wurden hart rangenommen. So oder so – die Felge hat das letzte Kapitel ihrer Lebensdauer eingeläutet. Behaltet diese Stelle im Auge, verschlechtert sich der Zustand zusehends oder muss ständig die Speichenspannung korrigiert werden, seid ihr mit einem Austausch am besten bedient.

Ihr würdet doch auch nicht eine gebrauchte Harfe kaufen, ohne vorher alle Saiten zu testen? Genau so könnt ihr beim Test der Speichenspannung vorgehen, nebenher zu Singen ist erlaubt.

Für gebrauchte Bikes mit Carbon-Felgen gelten ein paar besondere Spielregeln. Auch Carbon-Felgen können einen Achter bekommen, der sich über die Speichenspannung korrigieren lässt. Meist sind Achter in Carbon-Felgen aber nicht so stark ausgeprägt, da die Felgen von sich aus steifer sind. Beim Zentrieren muss man aber sehr behutsam vorgehen und die Speichenspannung am besten mit einem präzisen Spannungsmesser prüfen, um Beschädigungen an der Felge zu vermeiden.

Um spannungsgeladene Momente beim Zentrieren eines Carbon-Laufrads zu vermeiden, hilft ein Speichenspannungsmessgerät.

Dellen und selbst kleine Risse in Carbon-Felgen sind hingegen ein No-Go. Auch wenn man im Netz auf Erfahrungsberichte stößt, bei denen manche Daredevils noch eine ganze Saison auf kaputten Felgen überstanden haben, können wir euch aus Sicherheitsgründen nur davon abraten. Nehmt hier lieber das Geld für neue Laufräder in die Hand oder erkundigt euch beim ursprünglichen Besitzer, ob der Hersteller ein Austauschprogramm für die Laufräder anbietet. Ähnlich wie bei der Garantie für Rahmen kommt ihr auf diesem Weg relativ günstig oder sogar kostenlos an einen Ersatz ran.

Die Bremsen

Bremsscheiben und Bremsbeläge sind Verschleißteile und müssen früher oder später sowieso getauscht werden. Im Gegensatz zu Zahnbelag gilt für den Bremsbelag: je dicker, desto besser. Ein Blick in den Bremssattel verrät, wie es um die Beläge bestellt ist. Fällt der Belag auf der Trägerplatte dünner als 1 mm aus, solltet ihr die Bremsbeläge immer wieder mal ausbauen, um zu prüfen, ob noch auf allen Seiten gleichmäßig und genug Bremsbelag vorhanden ist.

Hat man seine Lesebrille zuhause gelassen, hilft es, das Rad auszubauen, um die Bremsbelagstärke zu ermitteln. Zieht dabei aber nicht an der Bremse, sonst fahren die Bremskolben so weit aus, dass sie nicht mehr von alleine zurückfahren.

Auch Bremsscheiben nutzen sich ab, die minimale Bremsscheibendicke steht meist auf den Scheiben drauf und lässt sich mit einem Messschieber prüfen. Könnt ihr bei einteiligen Bremsscheiben bereits mit dem Finger einen deutlichen Steg zwischen der Bremsfläche der Scheiben und den inneren Streben spüren, wird auch hier ein Wechsel bald erforderlich. Riefen oder starke Verfärbungen deuten auf eine Überbeanspruchung hin, mit einem Austausch seid ihr auf der sicheren Seite.

Heißes Eisen: Auf eine heiß gelaufene Bremsscheibe will man sich nur ungern verlassen. Wenn die Scheibe so aussieht, sind die Beläge vermutlich auch bereits verglast und damit reif für die Tonne.

Bei den Bremsen selbst hilft nur ein ordentlicher Bremstest. Dazu müssen manche Modelle (vorwiegend mit metallischen Belägen) erst auf Temperatur gebracht werden, um einen knackigen Druckpunkt und Biss zu entwickeln. Fühlt sich selbst nach mehrmaligem Bremstest die Bremse schwammig an, kann es sein, dass sie entlüftet werden muss, um wieder funktionstüchtig zu werden. Beim Profi werden dafür knapp 40 € fällig, die Kosten könnt ihr in die Verhandlungs-Waagschale werfen. Wie ihr selbst zum richtigen Bremsen-Setup kommt, verraten wir euch hier.

Der Antrieb

Noch verschleißanfälliger als die Bremsen ist der Antrieb. Zur Vorbereitung solltet ihr euch eine Kettenlehre zulegen, die gibt es bereits für wenige Euros und gehört sowieso in jeden Bike-Werkzeugkoffer. Die Lehre verrät, ob die Kette sich gelängt hat und damit verschlissen ist. Außerdem lässt euch die Kettenlehre im Verkaufsgespräch wie einen Profi wirken ;).

Auch ohne Lehre erkennt man, wie es um die Kassette oder das Kettenblatt bestellt ist. Treten blanke und scharfe Haifischzähne auf einzelnen Ritzeln auf und hat die Gangschaltung bei der Probefahrt Probleme damit, die Gänge zu wechseln? Dann müsst ihr zumindest mal etwas Werkstattzeit einplanen. Meist ist entweder nur die Schaltung schlecht eingestellt oder das Schaltauge verbogen. Beides lässt sich mit etwas handwerklichem Geschick gratis wieder in Stand setzen. Sind die Teile aber wirklich stark abgenutzt, kann es teuer werden. Je nach Schaltgruppe kann eine neue Kassette mehrere Hundert Euro kosten, und im besten Fall erneuert ihr gleichzeitig auch die Kette und das Kettenblatt. Eine gelängte Kette beschleunigt nämlich den Verschleiß an der Kassette und tendiert eher dazu, über die Zähne der Ritzel zu springen. Sind die Komponenten taufrisch, ist das Zusammenspiel zwischen ihnen auch besser.

Die Reifen

Die Verschleiß-Könige, noch vor den Bremsen und dem Antrieb, sind aber klar die Reifen. Sind sie runtergefahren, müsst ihr für einen Satz eurer Lieblingsreifen locker schon mal 100 € einplanen. Eine Entscheidungshilfe, welcher Reifen der richtige für euch ist, bietet unser großer Reifenvergleichstest.

Goodyear: Mit dieser Menge an verschliessenen Reifen müsst ihr in einem Jahr rechnen – Spaß. Aber ein neuer Satz Qualitätsreifen kostet gerne mal 100 €.

Auch ungefahrene Reifen verschleißen, insofern sie nicht kühl und trocken an einem schattigen Plätzchen gelagert werden. Stand das Bike lange Zeit mit einem platten Reifen herum, kann auch die Seitenwand des Reifens Schaden genommen und Risse entwickelt haben. Darum ist ein Blick auf die Reifen beim Gebraucht-Bike-Kauf nicht verkehrt. Checkt dabei gleich mit, ob der Vorbesitzer das Bike schon auf ein Tubeless-Setup umgerüstet hat. Falls nicht, können wir euch das nur wärmstens ans Herz legen. Die Anleitung dazu bekommt ihr von uns frei Haus, für das Felgenband, die Tubeless-Ventile und die Dichtmilch werden hingegen knapp 30 € fällig.

Die Sattelstütze

Mit Sattelstütze meinen wir natürlich eine Dropper-Post. Ihr zieht doch nicht ernsthaft ein Bike ohne Teleskopsattelstütze in Erwägung, oder!? Fährt die Dropper noch gleichmäßig und bis ganz nach oben aus und sackt nicht ab, wenn ihr euch drauf setzt? Ist das Standrohr frei von Kratzern und gehen die Hebelkräfte an der Remote noch klar? Falls nicht, lassen sich manche Probleme mit der richtigen Pflege beheben. Ist die Dropper hinüber, müsst ihr nochmals ungefähr 200 € in die Hand nehmen für eine neue. In unserem Dropper-Vergleichstest findet ihr eine gute Übersicht über den Markt.

Habt ihr alle Punkte auf der Checkliste beachtet, das richtige Bike gefunden und den Zuschlag erhalten? Dann steht dem Start in die kommende Bike-Saison nichts mehr im Weg, beziehungsweise fast nichts. Denn neben der Komponenten-Checkliste gibt es noch die Saison-Start-Checkliste, die ihr vor dem Sommereinbruch nochmals durchexerzieren solltet. Aber dann steht euch wirklich nichts mehr im Weg.

Der New Bike Day ist eine der besten Erfahrungen, die man als Mountainbiker hat, und das gilt auch für neue gebrauchte Bikes. Mit diesem Wissen seid ihr für die Schnäppchenjagd nun ideal vorbereitet. Der Gebraucht-Bike-Kauf ist zwar etwas umständlicher, aber die Suche zahlt sich dafür meist aus. Sind Käufer und Verkäufer dann noch fair, ehrlich und höflich zueinander, erspart man sich viel Stress und kommt am schnellsten zu einem einvernehmlichen Ergebnis und umso schneller auf die Trails.


Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als ENDURO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die Mountainbike-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!

Text: Rudolf Fischer Fotos: Diverse

Über den Autor

Rudolf Fischer

In seinem früheren Leben war Rudolf in der Innovationsförderung tätig und hat Patentbewertungen im Millionen- und Milliardenbereich durchgeführt. Heute widmet er sich als Redakteur für DOWNTOWN und E-MOUNTAINBIKE nicht weniger spannenden Aufgaben. Als Data-Nerd beschäftigt er sich intensiv mit Zukunftsthemen wie Connected Mobility, testet aber natürlich auch gerne die neuesten Bikes, und zwar täglich. Entweder beim Pendeln oder zusammen mit dem Team bei unseren großen Vergleichstests. Der technisch orientierte Diplom-Betriebswirt ist so vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser. Beispiele gefällig? Rudolf beherrscht u. a. Front-, Side- und Backflip – zwar nicht auf dem Bike, aber per pedes in der Stadt. Seine Parkour-Karriere hat er mittlerweile jedoch an den Nagel gehängt. Darüber hinaus spricht er Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und etwas Esperanto. Beim Versuch, sich selbst Japanisch beizubringen, ist er jedoch kläglich gescheitert. Wichtig zu wissen: Im HQ ist Rudolf bekannt, gefürchtet und (manchmal auch) gehasst für seinen trockenen Humor im Ricky-Gervais-Stil. Natürlich lacht er am meisten selbst darüber …