13 Worldcup-Podiums und 3 Worldcup-Siege hat das neue Santa Cruz V10.8 2024 bereits eingefahren, nun wird es offiziell vorgestellt. Die großen Veränderungen liegen im Detail, denn auch die 8. Generation des V10 kommt in bekannter Silhouette und dem bewährten VPP-Hinterbau. Jetzt allerdings mit unzähligen Anpassungsmöglichkeiten, einer moderneren Geometrie und verbesserter Kinematik. Wir hatten bereits die exklusive Chance, das V10.8 für euch zu testen.

Santa Cruz V10.8 2024 | 200/208 mm (v/h) | 29”/27,5” | 4.299 € (Frame-Kit) | Hersteller-Website

Seit mehr als 20 Jahren gilt das Santa Cruz V10 als Flagship-Downhill-Bike der Kalifornier und hat seitdem unzählige Weltcup-Rennen gewonnen und Ikonen wie Steve Peat und Greg Minnaar zum Weltmeister-Titel verholfen. Nachdem bereits 2002 das erste V10 mit VPP-Hinterbau vorgestellt wurde, folgt nun die bereits 8. Generation des V10 Downhill-Bikes. Dabei kommt das neue DH-Bike mit einer gemischten Laufradgröße, nämlich 29” an der Front und 27,5” am Heck, mit Ausnahme der Rahmengröße XL, die weiterhin auf ein 29”-Hinterrad setzt. Eine Option mit 27,5” an Front und Heck wird es nicht mehr geben. Selbstverständlich bleibt auch der markante VPP-Hinterbau erhalten und liefert stolze 208 mm Federweg. Dementsprechend bleibt auch die Silhouette des Carbon-Rahmens größtenteils ähnlich und der Fokus der Entwicklung lag auf einer Verbesserung der bestehenden Plattform. So ist auch die Kinematik des Hinterbaus überarbeitet worden, damit sie feiner anspricht, aber dennoch mehr Support für den Fahrer liefert. Zudem soll die Steifigkeit des Rahmens optimiert worden sein und er hat einen modernen – sprich längeren – Reach in der jeweiligen Rahmengröße verpasst bekommen. Ganz neu sind die unzähligen Einstellmöglichkeiten, die der V10.8-Rahmen nun bietet: Ihr könnt die Kettenstrebenlänge, die Tretlagerhöhe sowie Reach und Lenkwinkel in jeweils drei Settings verstellen, um das Bike besser auf euch anzupassen.

Die Detaillösungen am neuen Santa Cruz V10.8 2024

Selbstverständlich haben auch die Detaillösungen am neuen Santa Cruz V10.8 2024 einiges an Updates erhalten und sind allesamt formschön und stimmig im Rahmen integriert. So sind z. B. die Fork-Bumper im Bereich des Steuerrohrs eingelassen und decken den Bereich moderner Double-Crown Gabeln gut ab. So könnt ihr auf die nervigen Bumper an der Gabel verzichten. Der Sitz- und Kettenstrebenschutz fällt üppig aus, hat ein schönes Design und schützt alle Bereiche, an denen die Kette auf euren Rahmen schlagen könnte. Zudem dämpft er jegliche Geräusche gekonnt und sorgt für Ruhe auf dem Trail. Auch ein großzügiger Unterfahrschutz sowie ein Shuttle Guard finden sich am Rahmen, sodass euer V10.8 vor Steinschlägen und der Ladeklappe eures Pick-ups geschützt ist.

Der großzügige Sitz- und Kettenstrebenschutz sorgt für Ruhe auf dem Trail.
Das V10.8 könnt ihr dank des Shuttle Guards entspannt auf die Pick-up-Ladefläche werfen.

Um den Dämpfer vor Beschuss eures Hinterrads zu schützen, findet sich sowohl ein kleiner Fender als auch eine Schutzkappe zwischen den Sitzstreben. So kommt nichts an den Dämpfer oder zwischen die Umlenkungen des Hinterbaus. Alle Leitungen verlaufen im Inneren des Rahmens und treten nur am Übergang zwischen Hauptrahmen und Hinterbau zum Vorschein. Hier sind sie von mehreren Halterungen geführt, aber dennoch frei beweglich, um mit den Bewegungen des Hinterbaus mitzugehen. Am Ein- bzw. Ausgang des Rahmens sind die Leitungen nicht geklemmt, durch ihre enge Führung innerhalb des Rahmens entstehen aber keinerlei Klappergeräusche.

Die Schutzkappe zwischen den Sitzstreben hält jeglichen Dreck vom Dämpfer und den Umlenkungen fern.
Die Züge sind am Ein- bzw. Ausgang nicht extra geklemmt, allerdings so eng geführt, sodass nichts klappert.
Die Leitungen zwischen Hauptrahmen und Hinterbau sind zusätzlich geführt. Hier sieht man auch gut die Detailliebe und formschöne Integration.

Die Ausstattungsvarianten des neuen Santa Cruz V10.8 2024

Beim neuen Santa Cruz V10.8 2024 wird es ausschließlich einen Rahmen geben, der auf CC-Carbon setzt. Dabei wird durch die Verwendung von hochwertigeren Carbonfasern eine höhere Steifigkeit mit einem geringeren Gewicht erreicht. Bei vielen weiteren Modellen der Kalifornier war auch immer eine Rahmenvariante mit C-Carbon oder sogar einem Alu-Rahmen erhältlich. Bislang gibt es auch nur eine verfügbare Farbe, nämlich die abgebildete Gloss-Red-Variante. Santa Cruz bietet euch beim Kauf zwei unterschiedliche Ausstattungsvarianten sowie ein Frame-Set zum Kauf an. Preislich liegen sie bei 7.699 € für das S-Kit bzw. 9.699 € für den X01-Aufbau. Das Frame-Set inkl. FOX DHX2 Factory-Dämpfer gibt es für 4.299 €.

Santa Cruz V10.8 2024 in der X01-Ausstattung
Santa Cruz V10.8 2024 in der S-Ausstattung
Santa Cruz V10.8 2024 als Frame-Kit

Beide Ausstattungsvarianten kommen mit einem FOX-Factory-Fahrwerk und der hochwertigen GRIP2-Dämpfungskartusche. Lediglich auf die goldene Kashima-Beschichtung müsst ihr an der S-Variante verzichten, was jedoch keinen Einfluss auf die Trail-Performance hat. Am Heck dient der FOX DHX2-Stahlfederdämpfer, wobei ihr an der Performance Elite-Ausführung des S-Modells nur auf eine Low Speed-Compression und Rebound-Verstellung zurückgreifen könnt. Dafür müsst ihr in Sachen Schaltperformance an der S-Variante keinerlei Abstriche in Kauf nehmen, denn hier kommt eine SRAM GX DH 7-fach-Schaltgruppe anstelle der X01 DH am X01-Modell zum Einsatz. Letztere ist lediglich ein paar Gramm leichter. Auch bei der Bremsperformance kann die S-Variante mit ihrer SRAM CODE Bronze gut mithalten, denn im Vergleich zur CODE Silver am X01-Modell fehlt ihr lediglich die werkzeuglose Druckpunktverstellung. Beide Bremsen kommen bereits in der neuen Stealth-Ausführung, bei der die Kabelführung näher am Lenker verläuft, hier erfahrungsgemäß jedoch gerne für Klappergeräusche durch die Leitungen sorgt. Ein paar Kabelbinder würden für Abhilfe sorgen. Kombiniert sind die Bremsen jeweils mit den etwas dickeren HS2-Bremsscheiben, 220-mm-Scheiben an der Front und 200-mm-Scheiben am Heck. Beide Ausstattungsvarianten kommen mit dem neuen und hauseigenen Reserve 30IHD DH Alu-Laufradsatz, auf dem MAXXIS ASSEGAI-Reifen mit Downhill-Karkasse montiert sind. Santa Cruz gibt zudem eine lebenslange Garantie auf ihre Rahmen, Lager und Reserve-Laufräder.

Die Ausstattung unseres Santa Cruz V10.8 2024 Test-Bikes

Für unseren ersten Test sind wir das Santa Cruz V10.8 in einem Custom-Aufbau und mit einem unlackierten Pre-Production-Rahmen gefahren, an dem aber die meisten Detaillösungen und Features bereits im finalen Zustand waren.

Als Fahrwerk dienten die neue RockShox BoXXer Ultimate-Federgabel und ein RockShox Vivid Ultimate-Luftdämpfer, der bereits den passenden Tune für die Hinterbau-Kinematik besessen hat. Der Antrieb bestand aus einer Hope Tech EVO-Kurbel mit 155 mm Länge und einem SRAM X01 DH 7-fach-Schaltwerk. Zum Stehen brachten wir das Bike mit SRAM CODE RSC-Vierkolbenbremsen und großen Scheiben. Als Laufräder dienten noch die aktuellen Reserve 31 DH Carbon-Laufräder, auf die MAXXIS-Reifen montiert waren. In Rahmengröße L sind wir zudem das lange Reach-Set und das 27,5”-Hinterrad gefahren.

An unserem Custom Test-Bike arbeitete die neue RockShox BoXXer Ultimate-Federgabel …
… und ein zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichter RockShox Vivid Ultimate-Luftfederdämpfer.

Die Geometrie des Santa Cruz V10.8 2024

Verfügbar ist das neue Santa Cruz V10.8 2024 in vier Größen von S bis XL, wobei lediglich XL mit 29”-Laufrädern an Front und Heck kommt. Der Reach liegt hier zwischen 409 mm und 508 mm. Erreicht werden diese Werte durch die vielen unterschiedlichen Verstellmöglichkeiten, die das V10.8 bietet. Durch Steuersatzschalen kann so der Reach um +/- 8 mm verstellt werden.

Mit unterschiedlichen Steuersatzschalen können drei verschiedenen Reach-Settings realisiert werden.

Zudem gibt es einen Flip-Chip an der Dämpferaufnahme, der ebenfalls drei unterschiedliche Einstellungen liefert und primär Einfluss auf die Tretlagerhöhe und den Lenkwinkel nimmt. Als drittes kann dann noch die Länge der Kettenstrebe in drei Varianten verstellt werden. Hier könnt ihr aus dem Grund-Setting +/- 5mm verändern. Sehr cool ist, dass sowohl beim Frame-Kit als auch bei den Komplettbikes alle benötigten Teile bereits beim Kauf enthalten sind und ihr so frei ausprobieren könnt, was euch am besten taugt.

Auch wenn die Beschriftung an unserem Test-Bike nur auf High und Low schließen lässt, gibt es noch eine dritte und mittlere Einstellung des Flip-Chips.
Die Kettenstrebenlänge lässt sich um +- 5 mm verstellen und der Bremsadapter kann einfach verschoben werden, um ihn an die jeweilige Einstellung anzupassen.

Die Geometrie des Santa Cruz V10.8 2024 (0 mm Reach / Low / 0 mm Chainstay)

Größe S M L XL
Sattelrohr 435 mm 445 mm 455 mm 465 mm
Steuerrohr 100 mm 110 mm 115 mm 120 mm
Lenkwinkel 62,7° 62,7° 62,7° 62,7°
Sitzwinkel 77,6° 77,1° 77° 76,7°
Kettenstrebe 445 mm 450 mm 456 mm 461 mm
Tretlagerhöhe 351 mm 351 mm 351 mm 351 mm
Radstand 1.231 mm 1.276 mm 1.303 mm 1.335 mm
Reach 417 mm 454 mm 472 mm 499 mm
Stack 626 mm 625 mm 639 mm 644 mm

Das neue Santa Cruz V10.8 2024 im ersten Test

Für unseren ersten Test konnten wir das Custom Santa Cruz V10.8 2024 für mehrere Tage im Whistler Bikepark und gegen andere Downhill-Bikes wie das RAAW Yalla! und ROSE SCRUB fahren. Beim Setup des V10.8 ist uns vor allem aufgefallen, dass der Hinterbau sehr sensibel auf unterschiedliche Drücke im Dämpfer reagiert und schon die Verstellung von nur einem Klick am Rebound einen verhältnismäßig großen Einfluss auf die Ausfedergeschwindigkeit hat. Hier müsst ihr also eventuell etwas experimentieren und wir haben uns mit dem RockShox Vivid Ultimate-Luftdämpfer von den anfänglichen 30 % SAG runtergearbeitet und dann auf 25 % SAG eingependelt.

Rollt man mit dem V10.8 in den ersten Trail, fällt sofort die hohe Front des Bikes auf, die einen tief in das Bike integriert und so ordentlich Sicherheit vermittelt. Dennoch lastet gut Druck auf dem Lenker und steuert ihr dann in die ersten flachen Kurven oder Off-Camber-Passage, müsst ihr nicht aktiv eure Fahrposition verändern oder das Gewicht verlagern, um Druck auf die Reifen zu bekommen und Grip zu generieren. So könnt ihr mühelos einschlagen und Lenkimpulse werden direkt und präzise umgesetzt.

Das Fahrwerk und vor allem der Hinterbau reagiert sensibel auf Unebenheiten und generiert reichlich Traktion, wenn ihr über Wurzelteppiche oder Bremswellen bügelt. Wollt ihr dann doch an der Kante abziehen oder knallt in eine harte Landung, strotzt das V10.8 mit viel Mid-Stroke-Support und vermittelt zudem, schier unendlich Federweg zu besitzen. Denn selbst die härteste Landung steckt es gekonnt weg und wir hatten keine Situation, in der das Ende des Federwegs unschön an den Fahrer weitergeleitet wird. Wenn ihr das Bike aktiv durch das Gelände und über Kanten pusht, belohnt euch das V10.8 mit ordentlich Speed. So bekommt man das Gefühl, stetig schneller zu werden, je aktiver man über den Trail fliegt.

Das neue Santa Cruz V10.8 vermittelt das Gefühl, schier unendlich Federweg zu besitzen, und reagiert nebenbei verdammt sensibel auf Unebenheiten und generiert reichlich Traktion.

Der zentrale Stand im Bike, das direkte Lenkverhalten und der hohe Mid-Stroke-Support machen das V10.8 zudem verdammt wendig. Es lässt sich easy von Anlieger zu Anlieger werfen und aufs Hinterrad ziehen. Oder ihr könnt spontan die Linie wechseln, ohne das Gefühl zu haben, ihr würdet am Boden festkleben. So macht das Santa Cruz auf krassen Prügelstrecken und steilen Downhill-Passagen ebenso eine starke Figur wie beim Ausflug auf einen Jump-Trail während einem klassischen Whistler Bikepark-Tag.

Das Fazit zum neuen Santa Cruz V10.8 2024

Das neue Santa Cruz V10.8 2024 kommt in alter Silhouette und bewährtem VPP-Hinterbau, schafft es aber, eine starke Basis weiter zu verbessern. Alle Rahmen-Features sind formschön integriert und liefern astreine Arbeit ab. Die unzähligen Verstellmöglichkeiten bieten reichlich Spielraum für eine feine Anpassung an eure Bedürfnisse und auf dem Trail belohnt das Santa Cruz V10.8 einen aktiven Fahrstil mit extra Speed. Der feinfühlige Hinterbau reagiert verdammt sensibel, während das V10.8 agil und dennoch laufruhig von Steinfeld zu Steinfeld prügelt.

Tops

  • gelungene und formschöne Detaillösungen
  • unzählige Verstellmöglichkeiten für eine feine Abstimmung
  • verdammt sensibler Hinterbau mit viel Traktion
  • hohes Sicherheitsempfinden auf den wildesten Trails

Flops

  • ein schwarzer Rahmen wäre schon geil!

Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Santa Cruz Bicycles.


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Text: Peter Walker Fotos: Robin Schmitt, Peter Walker

Über den Autor

Peter Walker

Peter ist nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten. Mit ernsthaften Bike- und Schrauber-Skills, seiner Motocross-Historie, diversen EWS-Teilnahmen und über 150 Bikepark-Tagen in Whistler – ja, der Neid der meisten Biker auf diesem Planeten ist ihm gewiss – ist für Peter kein Bike zu kompliziert und kein Trail zu steil. Gravel und Rennrad kann er übrigens auch! Das für unsere redaktionelle Arbeit wichtige Thema Kaufberatung hat Peter in Vancouvers ältestem Bike-Shop von der Pike auf gelernt und setzt sein Know-how auch im journalistischen Alltag um. Wenn er nicht gerade die Stuttgarter Hometrails auf neuen Test-Bikes unsicher macht, genießt er das Vanlife mit seinem selbst ausgebauten VW T5. Dass er dazu noch ausgebildeter Notfallsanitäter ist, beruhigt seine Kollegen bei riskanten Fahrmanövern. Zum Glück mussten wir Peter bislang nie bei seinem Spitznamen „Sani-Peter“ rufen. Wir klopfen auf Holz, dass es dazu auch nie kommen wird!