„Du willst es, du kriegst es.“ Getreu diesem Motto hat Santa Cruz sein Erfolgsmodell Nomad für 2021 noch einmal komplett überarbeitet. Da es noch immer große Fans von 27,5”-Laufrädern gibt, hat es diese behalten. Was sich sonst geändert hat, verrät euch unser Test.

Santa Cruz Nomad CC X01 Reserve | 170/170 mm | 27,5” | 14,62 kg | 8.999 € | Hersteller-Website

Das brandneue Santa Cruz Nomad 5 sticht sofort ins Auge! Kein Wunder bei der grün-pinken Lackierung. Wenn euch diese Farbe zu grell ist, können wir gleich Entwarnung geben: Das Bike ist auch in einer dezenteren roten Variante mit schickem Sicht-Carbon erhältlich. Das Nomad rollt 2021 weiterhin auf 27,5”-Laufrädern, verfügt über 170 mm Federweg an Front und Heck und besitzt das gewohnte Lower-Link Suspension-Design. Auch wenn das Rad optisch seinem Vorgänger ähnelt, wurden sowohl die Kinematik als auch die Geometrie im Detail deutlich verbessert. Wer sich jetzt fragt, ob das Bike auch als Mullet-Version verfügbar sein wird, den müssen wir enttäuschen, denn aktuell ist das nicht geplant.

Wem das Grün zu krass ist, der findet mit der dunkelroten Variante eine gedeckte Option.
Der Lack ermöglicht einen Blick auf die darunter liegenden Carbon-Schichten.
😍😍😍
Kleine Laufräder für eine extra große Party! Das Nomad ist weiterhin nur als 27,5”-Bike verfügbar
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Der Rahmen des Santa Cruz Nomad 5 im Detail

Wie von Santa Cruz gewohnt, gibt es auch aufs neue Nomad eine lebenslange Garantie auf den Rahmen und alle Lager. Wer das teure Upgrade auf Reserve-Carbon-Laufräder wählt, bekommt auch diese mit lebenslanger Garantie. Das beruhigt direkt das Gewissen. Ein besonderes Augenmerk hat Santa Cruz darauf gelegt, dass das Rad einfach zu servicen ist. So laufen die Züge in extra Hüllen durch den Rahmen, das Tretlager ist geschraubt und kein einziges Lager sitzt im Carbon-Rahmen, sondern immer im Alu-Rocker. Das verhindert unnötige Schweißperlen beim Schrauben. Die neuralgischen Punkte, wie das Unterrohr oder die Kettenstreben, besitzen alle großzügige Protektoren aus weichem Kunststoff. An der hinteren Dämpferaufnahme findet sich ein Flip-Chip, mit dem die Geometrie um marginale 0,3° angepasst werden kann. Am Hinterbau lässt sich die Kettenstrebenlänge nicht verstellen. Grund ist laut Santa Cruz das verbaute SRAM UDH-Schaltwerk, das eine solche Verstellung erschwert. Tuning-Freunde aufgepasst: Der neue Nomad-Rahmen ist so designt, dass er genug Platz für alle am Markt gängigen Dämpfer bietet – egal ob Coil oder Luft. Allerdings muss die Dämpferabstimmung natürlich passen.

Das neue Nomad setzt auf das bekannte Lower-Link-System. Die Kinematik und Geometrie wurden aber umfassend angepasst.
Wie schon das von uns bereits getestete 5010 ist auch das neue Nomad deutlich kantiger und markanter als sein Vorgänger.
Am Hinterbau kommt beim Nomad kein Flip-Chip zum Einsatz.
An der Dämpferaufnahme findet sich ein Flip-Chip, mit dem sich die Geometrie um 0,3° verstellen lässt.
Santa Cruz setzt schon immer auf ein geschraubtes Tretlager. Das ist einfach zu tauschen und erleichtert den Service.
Der massive Kettenstrebenschutz soll das Rad besonders leise machen. Spoiler Alert: Die Mission ist geglückt!
Der Rahmenschutz endet nicht an der Oberseite. Auch am Hinterbau findet sich noch ein extra Protektor.
Die Züge werden in extra Kanälen durch den Rahmen geführt …
… und verlaufen fast unsichtbar bis an ihren Bestimmungsort.
Bikes haben kein leichtes Leben! Umso besser, wenn sie einfach zu pflegen sind.

Die Ausstattung des neuen Santa Cruz Nomad 5 im Detail

Das neue Santa Cruz Nomad ist in verschiedenen Ausstattungsvarianten zu Preisen von 4.799–8.999 € erhältlich. Santa Cruz bietet das Nomad wie gewohnt entweder mit dem leichten CC- oder dem etwas schweren, aber genauso stabilen C-Carbon-Rahmen an. Die XT- und X01-Variante ist wahlweise mit Stahlfeder- oder Luftdämpfer sowie mit der Upgrade-Option auf Reserve-Carbon-Laufräder erhältlich. Bei den Coil-Varianten verbauen die Amerikaner außerdem robuste Doubledown-Reifen. Alle anderen Modelle kommen mit EXO+ Karkasse. Eine Federgabel mit 38-mm-Standrohren ist im gesamten Line-up Standard. Außer beim günstigen R-Modell mit RockShox ZEB kommt hier auch immer eine FOX 38 zum Einsatz. Die preislich attraktivste Variante ist in unseren Augen das Nomad C XT für 6.399 €, das eine GRIP2-Federgabel und eine komplette XT 12-fach-Gruppe besitzt. Wer will, kann sich sein Traum-Bike auch komplett selbst zusammenbauen. Ein Frame-Kit ist für 3.499 € erhältlich.

Alle Nomad-Modelle besitzen eine Federgabel mit 38 mm dicken Standrohren.
Bisher waren beim Santa Cruz nur SRAM-Bremsen verbaut. Für 2021 kommt das XT-Kit dann auch mit XT-Bremsen.
Die Version mit Luftdämpfer ist mit EXO+ Reifen ausgestattet. Wir hätten uns auch hier ein Doubledown-Modell gewünscht.
Die Santa Cruz Reserve-Laufräder sind für 1.200 € Aufpreis erhältlich. Dafür besitzen sie eine lebenslange Garantie.
Alle Modelle besitzen einen 40 mm kurzen Vorbau. Bei den teuren Bikes stammt er von Burgtec.
1×12-Antriebe sind mittlerweile absoluter Standard. Die SRAM-Kassette besitzt eine Übersetzungsbandbreite von 520 %.

Die Geometrie des neuen Santa Cruz Nomad im Detail

Santa Cruz bietet das neue Nomad in vier Größen von S–XL an. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Reach auf 472 mm gewachsen (Gr. Large im Low Setting). Der Lenkwinkel ist um fast 1° auf 63,7° abgeflacht. Für eine bessere Uphill-Performance beträgt der Sitzwinkel steile 77,5°. Das Tretlager ist um 14 mm abgesenkt. Santa Cruz passt beim neuen Nomad die Länge des Hinterbaus um 5 mm bei jeder Rahmengröße an. Das realisieren sie durch geänderte Lagerpunkte am Hauptrahmen. In Größe Large ist die Kettenstrebe im Low-Setting 436 mm lang. Dank kurzer Sitzrohre bietet das Nomad viel Platz für die Montage von Sattelstützen mit viel Hub – top! Allerdings finden wir es schade, dass das Nomad nicht in XS angeboten wird. Speziell kleine Fahrer, die es richtig laufen lassen wollen, hätten hier ein spannendes Bike gefunden.

Größe (Low/High) S M L XL
Sattelrohr 380 mm 405 mm 430 mm 460 mm
Oberrohr 552 mm 582 mm 610 mm 644 mm
Steuerrohr 115 mm 130 mm 140 mm 165 mm
Lenkwinkel 63.7/64° 63.7/64° 63.7/64° 63.7/64°
Sitzwinkel 77.9/78.2° 77.7/78° 77.5/77.9° 77.2/77.6°
Kettenstrebe 426/425 mm 431/430 mm 436/435 mm 441/440 mm
Tretlagerabsenkung 14/10 mm 14/10 mm 14/10 mm 14/10 mm
Radstand 1186/1185 mm 1223/1222 mm 1257/1256 mm 1297 mm
Reach 422/425 mm 447/450 mm 472/475 mm 497/500 mm
Stack 603/601 mm 617/615 mm 626/623 mm 648/646 mm

Das neue Santa Cruz Nomad 2021 im Test

Mit dem neuen Santa Cruz Nomad haben wir mittlerweile richtig viel Zeit verbracht. Wir sind das Bike nämlich nicht nur im Rahmen des offiziellen Presse-Camps für zwei Tage in der Toskana gefahren, sondern haben es auch bei unserem nächsten Enduro-Vergleichstest mit den spannendsten Modellen der Saison ’21 verglichen. So musste sich das Bike bereits auf verschiedensten Trails beweisen. Von flach und flowig bis hin zu richtig steil und verblockt. Von staubtrocken bis glitschig und nass. Außerdem sind wir das neue Nomad natürlich auch ab und an aus eigener Kraft bergauf pedaliert.

Nein, wir sind das Nomad nicht auf dem Mond gefahren. Die Region rund um Castelnuovo di Garfagnana ist für ihre Steinbrüche bekannt. Hier hat uns das Team von Ridgeline die besten Trails der Region gezeigt.
Everyday we shuttelin!
Der beängstigendste Moment der Tests: die Überquerung der schmalen Eisenbahnbrücke.
Kurzer Reisetipp: Wer auf naturbelassene Trails steht, sollte sich diese Ecke der Toskana unbedingt einmal ansehen. Shout Out an Sandra und Richard von Ridgeline.

Die Sitzposition auf dem Nomad ist gelungen. Zwar ist der Sitzwinkel gefühlt nicht ganz so steil wie auf dem Papier angegeben, allerdings sitzt man noch immer zentral genug. Der Hinterbau mit seinen satten 170 mm Federweg ist auf Traktion abgestimmt und verhärtet unter Kettenzug nicht zu 100 %. Daher lohnt es sich, bei monotonen Uphills die Plattformdämpfung zuzuschalten. Bei technischen Anstiegen punktet das Rad mit gutem Grip, allerdings merkt man hier die schlechten Überrolleigenschaften der kleinen Laufräder. Man bleibt einfach öfter hängen und muss das Rad von Neuem beschleunigen – das kostet Kraft.

Bergauf klettert das Nomad solide. Es ist keine Rakete, bringt einen aber entspannt zum Trail-Einstieg.

Klischees und Vorurteile zu den verschiedenen Laufradgrößen gibt es viele: 29er sind behäbig, die kleinen 27,5”-Räder super nervös. Das Santa Cruz Nomad ist der Beweis, dass das nur zum Teil stimmt. Klar, physikalische Gesetze lassen sich nicht leugnen, aber dieses Bike hat dennoch einen sehr speziellen Charakter. Richtungswechsel setzt das neue Nomad super schnell und präzise um. Links, rechts, links rechts – für das neue Santa Cruz kann es gar nicht schnell genug gehen. Wer aber vermutet, das Nomad wäre grundsätzlich super verspielt, der irrt. Das Bike hat ein deutliches Bedürfnis nach Highspeed und punktet vor allem mit einer enormen Ausgewogenheit und hoher Traktion. Dadurch vermittelt es bergab sehr viel Kontrolle und der Hinterbau klebt förmlich am Boden. Will man dann aber das Hinterrad vor einer Kurve querstellen, ist das aufgrund des vielen Grip nur schwer möglich. Auch in den Manual lässt sich das Nomad nur mit Kraft ziehen. Vielmehr ist es für richtig schnelle Bikepark-Action gemacht. Das Nomad erwacht zum Leben, wenn man mit Mach 10 durch Anlieger hämmert und mit ihm über große Sprünge fliegt. Hier punktet das Bike auch mit seinem hervorragenden Hinterbau, der nicht nur feinfühlig anspricht, sondern auch eine sehr gut gewählte Progression besitzt und nie hart durchschlägt. Positiv ist außerdem, dass das Nomad in unserem Test absolut leise war. Nerviges Geklapper? Fehlanzeige.

Kontrolliert ums Eck – mit dem Nomad gelingt das spielerisch.
Besser mal abziehen! Die kleinen Laufräder bieten schlechtere Überrolleigenschaften und bleiben daher im verblockten Gelände schneller hängen.
Das satte Fahrwerk saugt sich bei Highspeed förmlich am Boden fest und liefert enormen Grip.

Nomad, Megatower, Hightower oder Bronson?

Kaum ein Hersteller hat ein so fein abgestuftes Line-up an Trail- und Enduro-Bikes wie Santa Cruz. Das ist natürlich super, sorgt aber für viele Kunden auch für Kopfzerbrechen. Welches Bike passt denn nun wirklich zum eigenen Fahrstil? Wir sind über die Jahre alle vier oben genannten Bikes gefahren und geben euch einen kurzen Überblick: Wenn ihr gern mit dem Trail spielt, ständig an Kanten wegspringt und ein super agiles Handling mehr schätzt als das letzte Quäntchen Highspeed, dann ist das Bronson euer Bike! Das Santa Cruz Hightower ist dem Bronson nicht unähnlich und kombiniert die oben genannten Eigenschaften mit einem besseren Überrollverhalten der größeren Laufräder. Dafür ist das Hightower in engen Sektionen minimal weniger agil und sein Hinterbau ist etwas straffer abgestimmt. Das Megatower ist das Allround-Enduro. Wer bergab Vollgas geben möchte und für die härtesten Trails gerüstet sein will, greift zu diesem Bike. Dann muss man allerdings bergauf Kompromisse eingehen. Das Nomad wiederum ist der Bikepark-Spezialist. Es ist gebaut für Trails wie Dirt-Merchant oder A-Line in Whistler, fliegt förmlich von Anlieger zu Anlieger und begeistert mit seiner hohen Drehfreudigkeit. Speziell kleinere Fahrer sollten hier außerdem einen super potenten Alleskönner finden – große Fahrer dagegen greifen dann besser zum 29er Megatower.

Der zweite Tag des Presse-Camps bot Top-Bedingungen. Ist das ein Ausdruck von Freude oder Angst im Gesicht?
Splash!
Speziell bei rutschigen Bedingungen begeistert das Nomad mit seinem sehr ausgewogenen Handling.
Tuning-Tipp: Auch die Version mit Luftdämpfer verdient robuste Doubledown-Reifen!

Unser Fazit zum Santa Cruz Nomad 2021

Das brandneue Santa Cruz Nomad 5 ist für alle, die jeden Tag im Bikepark Vollgas geben, sich über die dicksten Sprünge senden und mit Mach 10 durch Anlieger heizen. Es begeistert mit hohem Kurvenspeed bei schnellen Richtungswechseln und einem grandiosen Fahrwerk. Das super verspielte 27,5”-Bike ist es aber nicht. Wer einen vielseitigen Allrounder sucht und Rahmengröße Medium oder größer fährt, greift besser zu einem 29er wie dem Megatower.

Stärken

  • bei schnellen Richtungswechseln sehr agil
  • top Fahrwerk mit hoher Traktion und massig Reserven
  • durchdachter Rahmen

Schwächen

  • eingeschränkte Allround-Eigenschaften
  • Uphills sind nur Mittel zum Zweck
  • kein super verspieltes Bike
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Für weitere Informationen besucht die Santa Cruz Website.

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Max Schumann

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leid seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Content selbst, testet knapp 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder er arbeitet direkt vom Van aus in den Top-Bikespots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.