Spätestens mit Einführung der Gravity Range im Jahr 2022 hat jeder mitbekommen, dass Continental voll im abfahrtsorientierten Mountainbike-Bereich präsent sein will. Mit dem Launch änderte sich außerdem die Benennung der Reifen. Während zuvor royale Kreationen wie „Kaiser”, „Baron” oder sämtliche „King”-Reifen die Modellpalette beherrscht haben, ist die neue Namensgebung technischer, klarer strukturiert – aber auch weniger charmant. Mit dem Launch der Reifen Dubnital, Trinital und Magnotal im April 2025 hat Continental auch die einstigen XC/Trail-Könige „entthront” und an die Namensgebung der Gravity-Line angepasst. Die neuen Namen leiten sich übrigens aus der englischen Bezeichnung chemischer Elemente ab, die mit der Endung „TAL” des Firmennamens ContinenTAL kombiniert werden. Hier ein paar Beispiele:
Kryptotal = Krypton + TAL
Hydrotal = Hydrogen + TAL
Xynotal = Xenon + TAL
Argotal = Argon + TAL
Auch optisch hat sich einiges gegenüber Contis einstiger Adelsklasse getan – die aktuellen Reifen tun sich allein schon wegen ihres Strukturmusters über der gesamten Lauffläche hervor – die vielleicht schönsten Reifen im Test? Da Schönheit jedoch bekanntlich nicht alles ist, haben wir die Reifen natürlich auch schonungslos über die Trails gejagt.
| Modell | Gewicht | Preis |
|---|---|---|
| Kryptotal-Fr SuperSoft Compound Downhill-Casing 29 x 2,40 |
1.310 g | 89,95 € |
| Kryptotal-Fr Soft Compound Enduro-Casing 29 x 2,40 |
1.167 g | 69,95 € |
| Kryptotal-Fr SuperSoft Compound Enduro-Casing 29 x 2,40 |
1.208 g | 81,95 € |
| Argotal SuperSoft Compound Enduro-Casing 29 x 2,40 |
1.227 g | 62,95 € |
| Kryptotal-Re Soft Compound Enduro-Casing 29 x 2,40 |
1.199 g | 69,95 € |
Die Karkassen im Überblick
Continental hat vier unterschiedliche Karkassen für das Mountainbike-Segment entwickelt: Race, Trail, Enduro und Downhill. Während die Namensgebung denkbar simpel und verständlich ist, wird es bei der Kennzeichnung etwas anspruchsvoller. Diese erfolgt auf der Reifenflanke in Form von Piktogrammen in Wabenstruktur. Je weiter diese sechseckigen Waben flächendeckend ausgefüllt sind, desto robuster ist die Karkasse. Alle Karkassen sind mit ihrem faltbaren Wulstkern aus Aramidfasern tubeless-ready und auch für E-Bikes zugelassen.
Passend zur Karkasse verbirgt sich auf der Reifenflanke noch ein weiteres Symbol, das stellvertretend für den Riding Style ist, für die der Reifen vorgesehen ist. Auch hier werden die Einsatzbereiche Race, Trail, Enduro und Downhill nochmals optisch gekennzeichnet. Die vier Einsatzbereiche sind dabei mithilfe von Pfeilen symbolisiert. So wird der Enduro-Einsatzbereich durch zwei nach unten und einen nach oben gerichteten Pfeil verdeutlicht, während das Downhill-Segment mit drei nach unten zeigenden Pfeilen eine klare Sprache sprechen soll.
Race
Die Race-Karkasse wurde 2025 mit den neuen Reifen für das XC/Trail-Portfolio vorgestellt.
Die einlagige Karkassenkonstruktion ist Contis Lösung für den Cross- und Down-Country-Einsatz und soll besonders schnell, leicht und geschmeidig sein.
Trail
Die Trail-Karkasse ist eine einlagige Karkassenkonstruktion mit einer Gewebedichte von 60 TPI. Von Wulst zu Wulst zieht sich eine Schicht Kreuzgewebe, die zusätzlichen Schutz vor Schnitten und Rissen leisten soll. Reifen mit Trail-Karkasse sind primär für anspruchsvolle Down-Country- und Trail-Einsätze vorgesehen.
Enduro
Die ebenfalls einlagige Enduro-Karkasse ähnelt in ihrem Aufbau stark der Trail-Karkasse, besteht jedoch aus 110-TPI-Karkassenmaterial und verfügt über eine zusätzliche Apex-Stabilisierung, die den Reifen gegenüber Snake Bites wappnen und ihm zusätzliche Stabilität verleihen soll. Im Labor erreicht das Enduro-Casing von Continental einen soliden, wenn auch im Vergleich zum Testfeld nur unterdurchschnittlichen Wert beim Durchschlagversuch. Zudem fällt der Schutz gegenüber Durchstichen sowohl auf der Lauffläche als auch auf der Seitenwand vergleichsweise schwach aus. Der Pannenschutz liegt damit in etwa auf dem Niveau der EXO+ Karkasse von MAXXIS. Selbiges gilt auch für das Gewicht. Im Fahreindruck zeigt sich die Enduro-Karkasse trotz des recht niedrigen Gewichts und dem 110-TPI-Karkassenmaterial als sehr verwindungssteif, wodurch der Reifen in Anliegern eine gute Abstützung liefert. Dadurch entsteht außerdem der Eindruck, dass der Grip hauptsächlich über das Profil generiert wird. Die subjektiv empfundene Dämpfung wird durch diese Eigenschaft jedoch nicht negativ beeinflusst. Vor allem mit SuperSoft Compound ist die Dämpfungseigenschaft der Enduro-Karkasse sehr positiv aufgefallen.
Downhill
Die DH-Karkasse besteht wie die Enduro-Karkasse aus Karkassenlagen mit 110 TPI. Mit 6 Lagen Karkassenmaterial unter der Lauffläche und 4 Lagen an den Seiten ist die Downhill-Karkasse als klassische zweilagige Karkasse aufgebaut und damit doppelt so stark ausgeführt wie die Enduro- und Trail-Karkasse. Beim Pannenschutzergebnis im Labortest beweist die Downhill-Karkasse vor allem mit ihren guten Werten beim Durchstich ihre deutlich robustere Konstruktion. Beim Durchschlag kann sie gegenüber der Enduro-Karkasse nur wenig Boden gutmachen und liegt damit beim Pannenschutz-Gesamtfaktor – wie die Downhill-Karkasse von Pirelli – etwas hinter den robustesten Karkassen der Konkurrenz zurück, rangiert aber auch beim Gewicht etwas unterhalb der Mitstreiter.
Die Gummimischungen im Überblick
Auch die Gummimischung lässt sich an der Reifenflanke per Piktogramm ablesen. Hier kommt ein Symbol einer chemischen Verbindung zum Einsatz. Je mehr der kreisrunden „Moleküle” ausgefüllt sind, desto weicher ist die Gummimischung des Reifens. Mit der Einführung der neuen XC/Trail-Reifen wurden mit „Rapid“ und „Grip” auch zwei weitere Gummimischungen gelauncht, sodass die Darstellung nun vollständig ist. Bei Continental werden damit insgesamt fünf Gummimischungen eingesetzt: Endurance, Rapid, Grip, Soft und SuperSoft bieten ein breites Spektrum von effizient rollenden Fahreigenschaften bis hin zur supergriffigen Mischung für abfahrtsorientierte Einsätze. Allerdings gibt es – wie bei den meisten Herstellern – nicht jedes Profil oder jede Karkasse in allen Mischungen.
Endurance
Der Endurance Compound soll mit wenig Rollwiderstand und niedrigem Verschleiß überzeugen. Der Fokus liegt hier jedoch auf der Langlebigkeit, wo er die beste Performance aller Gummimischungen bei Continental haben soll. Allerdings geht das mit dem niedrigsten Grip-Niveau und den geringsten Dämpfungseigenschaften einher. Dennoch gibt es die Gummimischung (noch?) bei einigen Reifen der Gravity-Line, wenn auch nur bei den Varianten mit Trail-Casing. Mit Einführung der neuen Rapid- und Grip-Gummimischungen, die beide mehr Abfahrts-Performance liefern, ergibt die Verwendung des Endurance Compounds an abfahrtsorientierten Reifen aus unserer Sicht nur noch wenig Sinn. Hier müsste Continental das Lineup der Gravity Line an das neue Gummimischungsangebot anpassen. Beim neuen Trail-Reifen Magnotal wurde dies bereits umgesetzt – er wird neben der Soft- auch mit der Grip-Gummimischung angeboten.
Rapid
Der neue Rapid Compound soll für Geschwindigkeit und Effizienz stehen und von den Gummimischungen der Rennrad- und Gravel-Reifen bei Continental abgeleitet worden sein.
Er weist den niedrigsten Rollwiderstand aller Conti-Gummimischungen auf und soll dennoch bessere Dämpfungs- und Grip-Eigenschaften als der Endurance Compound liefern.
Grip
Mit etwas mehr Rollwiderstand als der Endurance Compound, aber mit deutlich besseren Grip- und Dämpfungseigenschaften, stellt „Grip” die neue Allround-Mischung bei Continental dar, die den besten Kompromiss aus Rollwiderstand und Grip bieten soll und vor allem für XC- oder Trail-Einsätze gut geeignet sein möchte. Wir würden sie für den Einsatz am Hinterrad auch gerne statt des Endurance Compounds an den Reifen der Gravity Line sehen.
Soft
Die Soft-Gummimischung richtet sich bei Continental klar an Abfahrtsorientierte und soll sowohl griffig als auch nachgiebig sein. Trotz des hohen Grip-Niveaus soll der Rollwiderstand nicht ganz vernachlässigt worden sein. Unser Laborergebnis bestätigt das: Zumindest mit Enduro-Karkasse ergeben sich vergleichsweise geringe Rollwiderstände, sodass die Soft-Gummimischung auch getrost am Hinterrad gefahren werden kann.
SuperSoft
Mit „SuperSoft” erhaltet ihr die griffigste Wahl des Mischungssortiments bei Continental, die sich für Downhill und harte Enduro-Einsätze eignet. Gegenüber der Soft-Gummimischung müsst ihr mit ca. 7 W zusätzlicher Leistung zur Überwindung des Rollwiderstands und gleichzeitig mit dem höchsten Verschleiß rechnen, erhaltet dafür dann aber die griffigste Mischung von Conti. Übrigens lässt sich die SuperSoft-Mischung nicht nur anhand des Symbols auf der Reifenflanke erkennen, sondern sie zeichnet sich auch durch eine gelbe statt der sonst üblichen orangenen Reifenbeschriftung ab.
Die Profile im Überblick
Die Modelle/Profile sind bei Continental nach Terrain und Condition voneinander abgegrenzt. Hier gibt es Mixed, Hard Pack, Loose und Mud. In der Gravity Range werden der Allrounder Kryptotal (Mixed) sowie die Spezialisten Argotal (Loose), Xynotal (Hard Pack) und Hydrotal (Mud) angeboten. Für den Trail-Einsatz könnte der neue Magnotal noch interessant sein. Dieser soll die Lücke zwischen XC Line-Up und Gravity Range schließen und ist daher mit Grip- oder Soft-Compound und bis zu 2,6” Breite erhältlich – aktuell allerdings auch nur mit dem Trail-Casing.
Kryptotal
Der Kryptotal stellt bei Continental die „Allzweckwaffe” für gemischte Bedingungen dar und ist der einzige Reifen im Portfolio, der speziell für Vorder- oder Hinterrad entwickelt wurde. Das könnt ihr am zusätzlichen Kürzel „Fr” für Front bzw. „Re” für Rear erkennen. Beide Reifen werden in vielen Varianten verkauft. Den Kryptotal erhaltet ihr demnach für 20”-, 24”-, 26”-, 27,5”- und 29”-Laufräder. Das Angebot der kleineren Laufräder beschränkt sich jeweils auf nur ein Casing und ein Compound. Die gängigen Laufradgrößen sind hingegen vielfältig verfügbar: Mit Trail-, Enduro- oder Downhill-Casing, mit Endurance- Soft- oder SuperSoft-Compound und in den Breiten 2,4” und 2,6”.
Kryptotal-Fr
Das Stollenprofil des Kryptotal FR wurde für Vorderrad-spezifische Manöver optimiert: Der Pneu soll viel Stabilität, Kontrollierbarkeit und Lenkreaktion bieten. Auf dem Trail überzeugt der Kryptotal-Fr bereits mit Soft-Gummimischung mit einer sehr guten Berechenbarkeit und Dämpfung. Noch besser wird das Fahrgefühl, wenn der Reifen mit der SuperSoft-Gummimischung ausgestattet ist. Der Grenzbereich des Kryptotal ist relativ breit und gleichmäßig, sodass man sich behutsam und ohne Risiko an das Grip-Limit herantasten kann. Verbunden mit der guten Selbstreinigung macht der Kryptotal eine gute Figur über das gesamte Jahr.
Kryptotal-Re
Das Pendant zum Kryptotal-Fr fürs Hinterrad ist der Kryptotal-Re. Für den Kurvengrip teilt sich die Hinterradvariante des Kryptotal die Stollen mit dem Kryptotal-Fr. Der Kryptotal-Re setzt auf mehr breite Doppelprofilblöcke, die die am Hinterrad geforderten Eigenschaften hinsichtlich Brems- und Beschleunigungstraktion sowie Spurstabilität erzeugen sollen. Angestrebt wurde die richtige Balance zwischen ausgeprägten Kanten und guten Rolleigenschaften. Letzteres bestätigt der Labortest: Gegenüber dem Vorderreifen ist der Rollwiderstand nochmals um drei Watt reduziert. Mit der von uns getesteten Soft-Gummimischung zeigt der Kryptotal-Re auf dem Trail einen sehr guten Kompromiss aus starkem Kurvengrip und hoher Bremstraktion bei niedrigem Rollwiderstand.
Argotal
Argotal bezeichnet bei Conti den Spezialisten für losen Untergrund, der dank offener Profilgestaltung eine besonders gute Selbstreinigung liefern soll – insbesondere bei nassen oder feuchten Bedingungen. Im Test hat er sich gut im Untergrund verhakt und jegliche Rutscher verhindert und dabei eine ordentliche Portion Dämpfung mitgebracht. Mit lediglich knapp 3 Watt zusätzlichem Rollwiderstand gegenüber einem Kryptotal-Fr müssen in diesem Punkt keine Kompromiss eingegangen werden. Der Argotal wird mit Trail-, Enduro- und Downhill-Casing sowie mit Endurance Compound, Soft und SuperSoft Compound angeboten. Für manche Konfigurationen gibt es darüber hinaus eine Variante mit 2,6” Breite, während alle anderen Reifen 2,4” breit sind und sowohl in 27,5” als auch in 29” verfügbar sind.
Hydrotal
Der Hydrotal macht seinem Namen alle Ehre, denn er blüht erst dann auf, wenn’s draußen richtig nass wird. Dabei legt das offene Reifenprofil den Fokus auf Selbstreinigung, und die verstärkten Seitenstollen sollen erhöhte Kurvenstabilität bringen. Der Hydrotal ist speziell für Downhill-Rennen gedacht und deshalb auch nur mit der DH-Karkasse, der SuperSoft-Gummimischung sowie der Breite von 2,4” in beiden gängigen Laufradgrößen erhältlich. Wir können dem Hydrotal durch den sehr hohen Grip und die gute Selbstreinigung ein hohes Maß an Sicherheit bescheinigen, wenn es richtig matschig zugeht. Auch die Seitenabstützung ist sehr solide, sodass der Hydrotal selbst auf härteren Untergründen noch akzeptabel performt.
Xynotal
Das komplette Gegenteil vom Hydrotal ist der Xynotal – der Xynotal wurde für harten und steinigen Untergrund entwickelt. Durch seine angeschrägten Stollen soll er dauerhaften Kontakt mit dem Boden gewährleisten. Außerdem hat er ein hohes Maß an positivem Profil – das soll viel Kontaktfläche auf hartem Untergrund bringen. Daraus soll im Übrigen auch ein geringer Rollwiderstand resultieren – den wir mangels Testexemplar jedoch nicht nachweisen konnten. Der Xynotal ist erhältlich mit Trail-, Enduro- und Downhill-Casing sowie Endurance-, Soft-. oder SuperSoft-Compound. Eine Version mit 2,6” Breite gibt es nur in Verbindung mit 27,5” Durchmesser. Alle anderen Versionen sind 2,4” breit.
Unsere Empfehlung
Enduro – Vollgas (v/h): Kryptotal-Fr Enduro SuperSoft/Kryptotal-Re Downhill Soft
Trail – Grip (v/h): Kryptotal-Fr Trail Soft/Kryptotal-Re Enduro Soft
Trail – leicht rollend (v/h): Kryptotal-Fr Trail Soft/Kryptotal-Re Trail Endurance
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Continental.
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Text: Lars Engmann Fotos: Peter Walker


