Ist das Ibis Ripmo V2 noch ein Trail- oder schon ein Enduro-Bike? Diese Frage werden sich sicher viele stellen. Nachdem sein Vorgänger den Trail-Bike-Test gewinnen konnte, wollten wir das EWS-erprobte Rad jetzt im Enduro-Vergleichstest gegen die Konkurrenz antreten lassen. Kann sich das Ripmo V2 hier behaupten?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2021 – 13 Modelle im Test

Ibis Ripmo V2 | 160/147 mm (v/h) | 14,04 kg in Größe L | 8.285 €
Hersteller-Website

Das neue Ibis Ripmo V2 kann man entweder als Carbon-Version des bereits vorgestellten und radikalen Alu-Bikes Ripmo AF oder als Weiterentwicklung des bekannten Ripmo einstufen. Wie auch immer: Es besitzt die gleiche schicke Linienführung mit DW-Link-Hinterbau, wie man sie vom bisherigen Ripmo-Carbon-Modell kannte. Am Heck verfügt das Ripmo V2 über 147 mm Federweg, an der Front kommt eine Federgabel mit 160 mm zum Einsatz. Unverändert ist auch die Laufradgröße von 29”. Bereits in der Vergangenheit hatten wir beim Ripmo mit klappernden Zügen und Bremsbelägen zu kämpfen und auch beim Ripmo V2 hat sich hier leider nichts geändert. Die Züge werden am Eingang noch immer nicht fixiert und auch der Kettenstrebenschutz fällt minimalistisch aus. Schade, für den hohen Preis könnte man hier mehr erwarten. Positiv dagegen ist die weitere Verarbeitungsqualität, wie z. B. die super schick gefertigten Umlenkhebel und die Tatsache, dass Ibis eine lebenslange Garantie auf die Gleitlager gibt.

Die Ausstattung des Ibis Ripmo im Detail

Bei der Ausstattung hat man bei Ibis die Wahl. Statt ein fixes Komplett-Bike zu kaufen, kann man sich sein Traum-Bike einfach aus verschiedenen Bausteinen zusammenstellen. Unser 8.998 € teures Test-Bike besitzt fast alles, was gut und teuer ist. Es verfügt über ein FOX Factory-Fahrwerk aus einer 36 GRIP2-Federgabel und einem X2-Dämpfer. Außerdem ist eine 180 mm lange BikeYoke REVIVE-Stütze verbaut. Bei den Laufrädern kommen die Ibis-eigenen breiten Carbon-Felgen zum Einsatz, die sich um die unfassbar lauten Industry Nine Hydra-Naben drehen. Wenn ihr glaubt, ihr werdet von einem Wespenschwarm verfolgt, ist es vermutlich nur jemand mit diesen Naben. Die Shimano XT-Schaltung und -Bremsen sind bewährt, Letztere nervten aber mit laut klappernden Belägen. Ebenfalls nicht überzeugen konnte uns der Carbon-Lenker aus eigenem Haus. Er besaß für den Geschmack aller Tester zu viel Backsweep.

Der Rahmen des Ripmo wirkt super sexy und hochwertig. Leider werden aber die Züge am Eingang nicht geklemmt und klappern dadurch nervig in den einlaminierten Hüllen. Wir empfehlen, sie am Eingang mit Tape zu fixieren. Das ist nicht schön, aber effizient.
Die Ibis-Laufräder mit Industry Nine Hydra-Nabe liefern dank ihrer Breite viel Grip und begeistern mit einem sehr direkten Fahrgefühl. Der fein verzahnte Freilauf hat aber seinen Preis: Er ist nicht nur sehr laut, sondern erhöht durch das feine Einrasten auch das Geklapper.
Ibis hat den Hinterbau mit einer extra soften Highspeed-Druckstufen- und Zugstufen-Dämpfung abgestimmt, dadurch bietet das Heck viel Traktion, gibt den Federweg aber auch schnell frei. Wir empfehlen die Highspeed-Dämpfung am X2 etwas stärker zu erhöhen als empfohlen.

Ibis Ripmo V2

8.285 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 Factory GRIP2 160 mm
Dämpfer FOX FLOAT X2 Factory 147 mm
Sattelstütze Bike Yoke Revive 180 mm
Bremsen Shimano XT 4-Kolben 203/180 mm
Schaltung Shimano XT 32/10-51
Vorbau Thomson Elite X4 50 mm
Lenker Ibis Carbon 780 mm
Laufradsatz Ibis S35 Carbon/Industry 9 Hydra
Reifen MAXXIS Assegai MaxxTerra EXO+ 2,5"/2,5"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 14,04 kg
Laufradgröße 29"


Klar, die Ergonomie eines Lenkers ist Geschmackssache. Von unseren Testern konnte sich aber keiner mit dem Ibis-Carbon-Modell anfreunden. Wir empfehlen ein Modell mit weniger Backsweep.
Lange Sitzrohre sind ein Relikt aus der Vergangenheit. Denn das Ibis beweist: Fällt das Sitzrohr kurz aus und ist noch dazu möglichst lange gerade, kann man eine Sattelstütze mit enormem Verstellbereich verbauen – top!
Weniger ist nicht immer mehr. Am Kettenstrebenschutz wäre mehr dämpfendes Material gut. Wir empfehlen hier mit einer Extraportion Slappertape nachzuhelfen.

Alles im Rahmen – Die Geometrie des Ripmo V2

Bei der Geometrie klickt Ibis alle wichtigen Boxen. Das Ripmo besitzt ein mit 432 mm sehr kurzes Sitzrohr und eine gute Einstecktiefe, wodurch man eine Sattelstütze mit viel Hub verbauen kann. Der Reach ist mit 475 mm in Größe Large gut gewählt und die Kettenstreben sind mit 435 mm eher kurz geraten. Lenk- und Sitzwinkel befinden sich mit 64,9° und 76° für ein modernes Bike absolut im Rahmen und auch die Tretlagerhöhe fällt hier nicht aus dem Rahmen. Ein gewöhnliches Bike also? Nicht wirklich, wie sich auf dem Trail gezeigt hat.

Größe S M L XL
Sattelrohr 368 mm 406 mm 432 mm 483 mm
Oberrohr 573 mm 603 mm 632 mm 655 mm
Steuerrohr 90 mm 100 mm 110 mm 120 mm
Lenkwinkel 64,9° 64,9° 64,9° 64,9°
Sitzwinkel 77,0° 77,0° 76,0° 76,0°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm
BB Drop 30 mm 30 mm 30 mm 30 mm
Radstand 1.187 mm 1.219 mm 1.238 mm 1.267 mm
Reach 433 mm 460 mm 475 mm 500 mm
Stack 609 mm 619 mm 628 mm 640 mm
Helm SCOTT Stego | Brille SCOTT Shield | Hippack SCOTT Trail FR | Jersey SCOTT Trail MTN
Shorts SCOTT Trail Vertic | Knieschoner SCOTT Soldier | Schuhe FiveTen Kestrel

Entspannter geht’s nicht – Im Uphill ist das Ripmo eine Klasse für sich!

Wow, hier passt ja wirklich alles! Im Uphill ist das Ibis Ripmo V2 eine echte Klasse für sich. Die Sitzposition ist Spot on! Im flachen Terrain nicht zu gedrungen und im steilen Gelände dennoch super zentral. Hier will man gar nicht mehr absteigen. Dank dem effizienten Fahrwerk, leichten Laufrädern und dem fein verzahnten Freilauf sprintet das Bike willig nach vorn und begeistert auch in technischen Sektionen mit viel Kontrolle und einem leichtfüßigen Handling.

In der Abfahrt steht man angenehm zentral im Rad, fühlt sich aber nicht ganz so von den Laufrädern umhüllt wie bei den besten Bikes im Test. Trotz des moderaten Reaches und des nicht übertrieben flachen Lenkwinkels ist das Vorderrad in flachen Sektionen leicht aus der Ruhe zu bringen und muss mit einer aktiven Fahrposition kontrolliert werden. Wer nicht aufpasst, dem rutscht das Vorderrad in offenen, flachen Kurven sonst weg.

Wer mit dem Ripmo richtig schnell sein will, muss dafür einiges tun – hier gibt’s nichts geschenkt.

Man merkt hier, dass das Ripmo für steilere Trails konzipiert wurde. Dort punktet es mit einer gelungenen Kombination aus Laufruhe und Agilität und setzt den Input des Fahrers klasse um. Das Bike ist nicht fordernd, dennoch muss man wachsam bleiben. Geht es richtig zur Sache und die Schläge prasseln nur so auf das Fahrwerk ein, merkt man, wie das Ripmo mit seinen 147 mm Federweg am Heck ans Limit gerät. Es schlägt nicht hart durch, allerdings gehen ihm früher die Reserven aus als den besten Bikes im Test. Grund dafür könnte der Traction-Tune mit reduzierter Highspeed-Druckstufe sein, wodurch man sich vorschnell am Ende des Federwegs befindet. Durch die sehr schnelle Zugstufen-Abstimmung liefert das Rad viel Traktion bei kleinen Schlägen und besitzt dennoch sehr guten Pop. Wer gern an jeder Kante abzieht, wird hier definitiv glücklich.

Wie fährt sich das Ibis Ripmo im Vergleich mit der Konkurrenz?

Ibis Ripmo oder Transition Sentinel? Beide Bikes begeistern mit super Klettereigenschaften. Ein kompletter Vergleich ist aufgrund der schwereren Ausstattung am Sentinel hier nicht möglich. Bergab ist das Sentinel das agilere und dennoch potentere Bike. Allerdings fordert es in Kurven einen noch aktiveren Fahrstil als das Ripmo – belohnt diesen dann aber auch mehr. Im Vergleich zu den besten Bikes im Test sind beide aber anstrengender zu fahren und früher am Limit, wodurch man dann mehr mit dem Bike als mit dem Trail beschäftigt ist.

Tuning-Tipps: Züge an den Eingängen fixieren | Bremsbeläge ohne Kühlrippen | Extraportion Slappertape auf die Kettenstrebe | Lenker tauschen

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das Ibis Ripmo V2 schlägt die Brücke zwischen Trail- und Enduro-Bike. Es klettert super entspannt und effizient jeden noch so steilen Berg hinauf und punktet bergab mit einem insgesamt guten Mix aus Agilität und Laufruhe. Geht es richtig zur Sache, fehlt es dem Rad an Souveränität und in flachen Sektionen heißt es wachsam bleiben. Das viele Geklapper nervt richtig – vor allem bei so einem Preis.

Stärken

  • unglaublich guter Kletterer
  • Fahrwerk bietet guten Pop und ist dennoch feinfühlig
  • insgesamt sehr vielseitiges Bike

Schwächen

  • in flachen Sektionen unausgewogen
  • bei harten Schlägen am Limit
  • nerviges Geklapper

Mehr Informationen findet ihr unter ibiscycles.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2021 – 13 Modelle im Test

Alle Bikes im Test: Canyon Strive CFR (Zum Test) | COMMENCAL Meta AM 29 Öhlins (Zum Test) | GIANT Reign Advanced Pro 0 (Zum Test) | Ibis Ripmo V2 | Nukeproof Mega 290 Alloy Pro (Zum Test) | Propain Spindrift CF Mix Custom (Zum Test) | Rocky Mountain Altitude Carbon 90 Rally Edition (Zum Test) | Santa Cruz Megatower CC X01 Coil RSV (Zum Test) | Santa Cruz Nomad CC X01 RSV (Zum Test) | Specialized Enduro Expert (Zum Test) | Specialized S-Works Stumpjumper EVO (Zum Test) | Transition Sentinel XT (Zum Test) | Trek Slash 9.8 XT (Zum Test)

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Valentin Rühl, Markus Frühmann

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leid seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Content selbst, testet knapp 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder er arbeitet direkt vom Van aus in den Top-Bikespots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.