Das brandneue Propain Spindrift CF ist in drei verschiedenen Laufradgrößen verfügbar. Wir haben das Bike mit 29”- und Mullet-Laufrädern ausprobiert und verraten euch nicht nur unseren Favoriten, sondern auch, was uns beim Test und beim Vergleich mit der Konkurrenz sonst noch alles aufgefallen ist.

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2021 – 13 Modelle im Test

Propain Spindrift CF Mix Custom | 190/180 mm (v/h) | 15,70 kg in Größe L | 4.519 €
Hersteller-Website

Unser erster Test des Propain Spindrift CF im Rahmen des offiziellen Launches war extrem vielversprechend. Doch er hat auch einige Fragen aufgeworfen: Wie fährt sich das Bike als Mullet-Version? Wie schlägt es sich im Vergleich mit der Konkurrenz und wie performt das Bike über längere Zeit? Jetzt gibt es Antworten! Das Spindrift mit RockShox ZEB Ultimate-Federgabel besitzt unglaubliche 190 mm Federweg in Front, kombiniert mit satten 180 mm am Heck. Im Online-Konfigurator kann man das Rad direkt mit seiner Wunschausstattung ordern. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Leider gibt es auch einige Kritikpunkte. So fällt der Kettenstrebenschutz wie schon beim Tyee vor einem Jahr sehr hart aus und die Züge klappern in den Hüllen im Rahmen. Propain hat angekündigt, hier nachzubessern. Sollte man den Dämpfer einmal ausbauen wollen, wird das im engen Hinterbau zur Geduldsprobe. Alles keine Dealbreaker, aber 2021 darf man eigentlich mehr erwarten. Wir hatten bei diesem Test sowohl das 29er als auch das Mixed-Bike im Gepäck und verraten euch hier, wie sie sich geschlagen haben.

Die volle Auswahl zum fairen Preis – Die Ausstattung des Spindrift CF

Die Ausstattung des Propain Spindrift CF, wie wir es hier im Test hatten, ist über jeden Zweifel erhaben. Für 4.519 € bekommt man ein echtes Traum-Bike, das sich nur eine Schwäche leistet. Das Fahrwerk besteht aus einer RockShox ZEB Ultimate und einem Super Deluxe Coil Ultimate. Geschaltet wird mit einem SRAM X01-Antrieb und verzögert mit standfesten und gut dosierbaren SRAM CODE RSC-Bremsen. Auch das SIXPACK-Cockpit und die BikeYoke-Sattelstütze passen gut ins Konzept. Letztere besitzt aufgrund des langen Sitzrohr aber nur 160 mm Hub. Wir empfehlen außerdem, den Lenker von 805 auf rund 780 mm zu kürzen. Die Schwalbe-Reifen mit der leichten Super Trail-Karkasse werden einem Bike mit so viel Federweg überhaupt nicht gerecht – wir hatten gleich mehrere Defekte. Unterzieht man sie einem Upgrade, steigt aber natürlich auch das Gesamtgewicht. Leider ist im Konfigurator keine Super Gravity-Variante verfügbar.

Um den Dämpfer aus dem Hinterbau des Spindrift zu entfernen, braucht es die Fingerfertigkeiten eines Herzchirurgen. Positiv dagegen: Durch die insgesamt massivere Konstruktion flext das Spindrift weniger als das Tyee.
Die Schwalbe Super Trail-Reifen werden einem Bike mit 180 mm Federweg nicht gerecht. Platten sind die Folge. Montiert man robustere Pneus, steigt natürlich das Gewicht und die Allround-Eigenschaften leiden.
Nichts nervt mehr, als die Lager am Hinterbau ständig erneuern zu müssen. Propain verbaut deshalb eine extra Dichtung, damit die Lager länger durchhalten. Top!

Propain Spindrift CF Mix Custom

4.519 €

Ausstattung

Federgabel RockShox ZEB Ultimate 190 mm
Dämpfer RockShox Super Deluxe Coil Ultimate 180 mm
Sattelstütze Bike Yoke Revive 160 mm
Bremsen SRAM Code RSC 200/200 mm
Schaltung SRAM X01 Eagle 32/10-52
Vorbau Sixpack Millenium 35 35 mm
Lenker Sixpack Millenium 805 805 mm
Laufradsatz Stans NoTubes ZTR Flow EX3
Reifen Schwalbe Magic Mary Super Trail Addix Soft/Schwalbe Big Betty Super Trail Addix Soft 2,4"/2,4"

Technische Daten

Größe M L XL
Gewicht 15,70 kg
Laufradgröße MX


Die Züge klapperten auch am zweiten Spindrift, das wir getestet haben. Propain will hier in Zukunft mit einer Extraklemme Abhilfe schaffen, noch ist sie aber nicht verfügbar.
Mit dem kleinen Hinterrad wird das Spindrift noch mal agiler, als es das 29er ohnehin schon ist. Als Allrounder machen die großen Laufräder aber mehr Sinn und wir würden uns immer für die 29er-Variante entscheiden.
Der Kettenstrebenschutz ist aus viel zu hartem Plastik gefertigt. Propain hat bei unserem Test-Bike mit selbst aufgebrachtem Slappertape nachgebessert. Richtig ausgegoren ist diese Lösung aber nicht.

Potent, aber nicht übertrieben – Die Geometrie des Spindrift CF

Alles im grünen Bereich! Die Geometrie des Propain Spindrift CF Mix wirkt auf dem Papier modern, ausgewogen, aber nicht extrem. Der Reach ist mit 475 mm in Größe Large gut gewählt. Der Lenkwinkel wirkt mit 64,5° für 190 mm sogar eher etwas steil. Der 78° steile Sitzwinkel garantiert schon auf dem Papier eine zentrale Sitzposition und die kurzen Kettenstreben sollten in Kombination mit dem kleinen Hinterrad für ein gehöriges Maß an Agilität sorgen.

Größe M L XL
Sattelrohr 440 mm 460 mm 480 mm
Oberrohr 584 mm 612 mm 640 mm
Steuerrohr 95 mm 110 mm 125 mm
Lenkwinkel 64,5° 64,5° 64,5°
Sitzwinkel 78,0° 78,0° 78,0°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm
BB Drop 23/10 mm 23/10 mm 23/10 mm
Radstand 1.224 mm 1.255 mm 1.284 mm
Reach 450 mm 475 mm 500 mm
Stack 633 mm 646 mm 660 mm
Helm GIRO Switchblade | Brille 100% Glendale | Hose ION SCRUB Pants
Knieschoner Scott Soldier | Schuhe Specialized 2FO Clip

Komfortabel, aber gemächlich klettert das Propain Spindrift jeden Anstieg empor.

Vor gar nicht langer Zeit wäre es unmöglich gewesen, ein Bike mit 190 mm Federweg auch nur ansatzweise komfortabel bergauf zu pedalieren. Mit dem Propain Spindrift ist das aber gar kein Problem. Im direkten Vergleich mit dem 29er lässt sich die Mullet-Version im Uphill mehr bitten und man spürt die schlechteren Überrolleigenschaften des kleinen Hinterrads. Die Sitzposition ist in beiden Varianten zentral, das Fahrwerk trotz massig Federweg erstaunlich effizient. Dennoch lässt sich nicht ignorieren, dass man hier sehr viel Bike unter sich hat. Das Spindrift klettert souverän, aber gemächlich.

Die größte Überraschung beim Spindrift ist, wie agil sich ein Bike mit so viel Federweg bergab doch fahren lässt. Das Mullet-Propain erledigt Richtungswechsel genauso schnell und flink wie Bikes mit deutlich weniger Reserven, wozu sicher das kleine Laufrad einen großen Teil beiträgt.

Das Spindrift ist agil, spaßig und besitzt dennoch große Reserven.

Allerdings spürt man hier wie schon im Uphill den kleineren Durchmesser des Hinterrads. Anders als beim 29er muss man deutlich mehr nach vorn arbeiten, um gleichmäßig Grip am Vorderrad zu haben. Außerdem lässt sich das kleine Hinterrad von Steinfeldern schneller aus der Ruhe bringen, was wiederum die Stabilität bei Highspeed reduziert. Als Allrounder hat uns das 29er Spindrift deutlich besser gefallen und auch auf richtig verblockten Trails fahren sich die großen Laufräder souveräner. Das Mullet-Setup empfiehlt sich unserer Meinung nach vor allem für Fahrer, die viel im Bikepark unterwegs sind, gerne springen und mit maximalem Druck durch Anlieger ballern. Das ausgesprochen progressive Fahrwerk bietet guten Gegenhalt, allerdings geht das Spindrift vor allem durch hohe Geschwindigkeit und das Aufladen des Fahrwerks an der Absprungkante in die Luft – hier merkt man die schiere Masse des Federwegs.

Wie fährt sich das Propain Spindrift CF im Vergleich mit der Konkurrenz?

Obwohl das Nukeproof Mega über deutlich weniger Federweg verfügt, lässt es das Spindrift auf anspruchsvollen Trails klar hinter sich. Sein Hinterbau liefert mehr Traktion und die Geometrie ist ausgewogener. Die Stunde des Spindrift schlägt bei einzelnen richtig großen Einschlägen (Landungen, Drops etc.), wie man sie im Bikepark findet. Im Vergleich mit dem Specialized Enduro ist das Spindrift agiler, wird bei Highspeed aber deutlich unruhiger. Wo sich das Heck des Enduro streckt, um Hindernissen auszuweichen, hat man beim Spindrift den Eindruck, von Wurzeln festgehalten zu werden.

Tuning-Tipps: Züge im Rahmen fixieren | ordentliche, stabile Reifen montieren

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das Propain Spindrift CF ist ein grandioses Bike für alle, die es im Bikepark oder auf harten Trails richtig krachen lassen wollen. Wir würden immer zur reinen 29er-Version greifen, da sie sowohl bergauf als auch bergab ausgewogener zu fahren ist. Das kleine 27,5”-Hinterrad spielt nur bei sehr schnellen Richtungswechseln seine Vorteile aus, kostet dafür aber Laufruhe. Wenn Propain jetzt noch die Details am Rahmen in den Griff bekommt, ist das ein ganz heißes Eisen zum fairen Preis.

Stärken

  • geniale Preis-Leistung
  • als 29er sehr ausgewogen und spaßig
  • trotz massig Reserven angenehm agil

Schwächen

  • nerviges Geklapper am Rahmen
  • unterdimensionierte Reifen
  • als Mullet weniger ausgewogen

Mehr Informationen findet ihr unter propain-bikes.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2021 – 13 Modelle im Test

Alle Bikes im Test: Canyon Strive CFR (Zum Test) | COMMENCAL Meta AM 29 Öhlins (Zum Test) | GIANT Reign Advanced Pro 0 (Zum Test) | Ibis Ripmo V2 (Zum Test) | Nukeproof Mega 290 Alloy Pro (Zum Test) | Propain Spindrift CF Mix Custom | Rocky Mountain Altitude Carbon 90 Rally Edition (Zum Test) | Santa Cruz Megatower CC X01 Coil RSV (Zum Test) | Santa Cruz Nomad CC X01 RSV (Zum Test) | Specialized Enduro Expert (Zum Test) | Specialized S-Works Stumpjumper EVO (Zum Test) | Transition Sentinel XT (Zum Test) | Trek Slash 9.8 XT (Zum Test)

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Valentin Rühl, Markus Frühmann

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leid seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Content selbst, testet knapp 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder er arbeitet direkt vom Van aus in den Top-Bikespots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.