Luxus-Parts = geile Performance? Oder gehört noch mehr dazu? CUBE bietet Bikes mit top Notch-Ausstattung zu günstigen Preisen an und macht auch beim ONE55 keine Ausnahme. Trotz Top-Spec gehört es damit zu den günstigsten Bikes im Test. Doch ist das nur Optik oder zeigt es sich auch auf dem Trail potent?

CUBE ONE55 C:62 SLT 29 | 160/155 mm (v/h)
13,4 kg in Größe L | 6.999 € | Hersteller-Website

Was für ein Auftritt: Auf den ersten Blick fällt das CUBE ONE55 C:62 SLT 29 mit einer Menge Extremen in diesem Vergleichstest auf: Mit 13,4 kg ist es das leichteste Bike, besitzt aber gleichzeitig am meisten Federweg: stolze 160 mm an der Front und 155 mm am Heck. Noch dazu setzt es als einziges Bike auf den großvolumigen und performanten – aber auch schwereren – FOX X2-Dämpfer und gehört obendrein mit einem Preis von 6.999 € zu den günstigsten Bikes. Damit stehen alle Zeiger auf Abfahrt. Aber kann das ONE55 die Extreme auch abseits der Spec-Tabelle vereinen, oder bremst es sich womöglich selbst aus?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike 2024 – Die 15 spannendsten Bikes im großen Vergleichstest

Das CUBE ONE55 C:62 SLT 29 2023 im Detail

Fällt sofort auf: Das CUBE ONE55 C:62 SLT 29 zeigt gerade Linien mit einem edlen Look, der durch den schlichten schwarzen Lack mit goldenen Kashima-Akzenten unterstrichen wird. Die Züge laufen mit dem weit verbreiteten System von Acros durch den Steuersatz in den Rahmen, was den Rahmen clean aussehen lässt, aber auch Mehraufwand bei Servicearbeiten, wie dem Tausch der Steuersatz-Lager, bedeutet. Unten am Oberrohr befindet sich ein Toolmount und zusätzlich ist im Unterrohr ein Staufach eingelassen. Das lässt sich mit einem Druckknopf auf der Unterseite des Unterrohrs öffnen, was regelmäßig dreckige Finger bedeutet. Zudem läuft bei dem Verschlusssystem ein Bolzen durch das Unterrohr und schränkt den Platz des Staufachs unnötig ein. Hier haben viele Hersteller deutlich elegantere Lösungen gefunden. An der Unterseite des Deckels ist das hauseigene ACID Multi Tool HUSK 24 inklusive Tubeless-Repair-Kit und Reifenheber angebracht. Das hat zwar alles, was man für kleine Reparaturen braucht, ist durch das Bit-System allerdings etwas umständlich in der Handhabung.

Die Ausstattung des CUBE ONE55 C:62 SLT 29 2023

Das Fahrwerk des CUBE ONE55 C:62 SLT 29 ist aus der High-End Factory-Serie von FOX mit einer 36er-Gabel und einem FLOAT X2-Dämpfer. Dieser bietet durch sein großes Volumen ein satteres Fahrverhalten, bringt aber auch mehr Gewicht mit und ist untypisch an einem Trail-Bike. Auch die Dropper kommt aus dem Hause FOX mit der Transfer Factory, die 175 mm Hub bietet. An unserem Test-Bike hat diese tadellos funktioniert, allerdings haben wir mit dem Modell in der Vergangenheit bereits öfter schlechte Erfahrungen gemacht, da sie gerne unten „stecken bleibt“ und sehr temperatursensitiv ist. Gebremst wird mit der SRAM CODE Ultimate Stealth, die werkzeuglose Einstellung von Hebelweite und Druckpunkt bietet und durch die SwingLink-Technologie weniger Fingerkraft zum Bremsen benötigt. Die Bremse ist vorne mit einer 200-mm-Bremsscheibe, hinten allerdings nur mit einer 180er kombiniert ist. Die kleine Scheibe am Heck raucht euch auf langen Abfahrten schnell ab und hier lohnt sich definitiv ein Upgrade auf eine 200er. Der SRAM-Antrieb – sprich Schaltwerk, Kassette und Kette – kommt aus der High-End XX1-Gruppe, nur die Kurbel stammt aus der etwas schwereren X01-Serie. Das Onepiece Carbon-Cockpit ist eine Eigenentwicklung von CUBE und sieht elegant aus, limitiert euch aber stark bei der Einstellung von Lenker, Vorbau und Lenkerneigung. Die NEWMEN ADVANCED SL A.30 Carbon-Laufräder rollen auf Schwalbe-Reifen – vorne ein Nobby Nic in ADDIX Soft-Gummimischung, hinten ein Wicked Will in der harten ADDIX Speedgrip-Gummimischung. Beide Reifen kommen mit einer hauchdünnen Super Ground-Karkasse und für die Federwegsklasse dieses Bikes sind diese Reifen in jeder Hinsicht schmächtig – Profil, Karkasse und Gummimischung. Unser heißer Tipp: Gönnt dem CUBE ein Upgrade mit ordentlich groben Reifen. Wir empfehlen euch einen Ultra Soft Magic Mary an der Front und einen Soft Big Betty am Heck. Beide mit der robusteren Super Trail-Karkasse.

Eine kleine Bremsscheibe und unterdimensionierte Reifen haben auf einem potenten Trail-Bike nichts verloren! Wer sich das CUBE kauft, sollte hier unbedingt upgraden.

Schönheit mit Tücken
Der elegante Onepiece-Lenker des CUBE schränkt euch bei der Ergonomie-Einstellung des Cockpits ein.
Lose-lose-Situation
Die schwach profilierten Reifen bieten zu wenig Grip und durch die dünne Karkasse zudem schwachen Pannenschutz.
Raumteiler
Da der Schließ-Mechanismus des Staufachs am Unterrohr ist, schränkt ein Stift den Platz im Fach deutlich ein.
Alles dabei
Im Inneren des Staufachs befindet sich ein Multitool plus Tubeless-Repair-Kit und Reifenheber. Das alles ist an der Unterseite des Deckels angebracht.
Hate It or Love It
Die Züge des CUBE verlaufen durch den Steuersatz in den Rahmen. Das erzeugt einen cleanen Look, erschwert aber Service-Arbeiten am Steuersatz.

CUBE ONE55 C:62 SLT 29

6.999 €

Specifications

Fork FOX 36 Factory GRIP2 160 mm
Rear Shock FOX FLOAT X2 Factory 155 mm
Seatpost FOX Transfer Factory 175 mm
Brakes SRAM CODE Ultimate Stealth 200/180 mm
Drivetrain SRAM XX1/X01 AXS 1x12
Stem CUBE Onepiece 50 mm
Handlebar CUBE Stereo Carbon Cockpit System 800 mm
Wheelset NEWMAN ADVANCED SL A.30 Carbon 29"
Tires Schwalbe Nobby Nic, Super Ground, ADDIX Soft/Schwalbe Wicked Will, Super Race, ADDIX Speedgrip 2,4"/2,4"

Technical Data

Size S M L XL
Weight 13,4 kg

Specific Features

Toolmount
Staufach
Lenkwinkelverstellung

Tuning-Tipps: Reifen mit mehr Profil, robusterer Karkasse und weicherer Gummimischung | 200-mm-Bremsscheibe am Heck

Helm Alpina Rootage Evo | Brille Coast Optics Nita | Jacke 7Mesh Cache Anorak
Hose Specialized Demo Pro Pants | Schuhe Fizik Gravita Tensor

Die Geometrie des CUBE ONE55 C:62 SLT 29 2023

Das ONE55 C:62 SLT 29 wird in vier Größen von S bis XL angeboten. In der von uns getesteten Größe L hat es bei einem Reach von 475 ein sehr kurzes Sattelrohr mit 420 mm, was euch erlaubt, den Sattel schön weit nach unten zu schieben und euch viel Bewegungsfreiheit auf dem Bike gibt. Der Lenkwinkel kann mit drehbaren Lagerschalen im Steuersatz um 0,6° geändert werden, ohne dass ihr extra Teile kaufen müsst – cool! Dabei ändern sich Reach, Stack und BB Drop auch geringfügig. Wir sind das Bike vornehmlich in der flachen Position gefahren. Die Kettenstreben längen sich nicht mit der Rahmengröße, was Einfluss auf das Handling der jeweiligen Größen haben kann. Viele Hersteller setzen hier bereits auf ein mitwachsendes System.

Größe S M L XL
Oberrohr 567 mm 592 mm 621 mm 652 mm
Sattelrohr 370 mm 405 mm 420 mm 470 mm
Steuerrohr 100 mm 103 mm 113 mm 133 mm
Lenkwinkel 64,2° 64,2° 64,2° 64,2°
Sitzwinkel 76,5° 76,5° 76,5° 76,5°
Kettenstrebe 438 mm 438 mm 438 mm 438 mm
Tretlagerabsenkung 36 mm 36 mm 36 mm 36 mm
Radstand 1.196 mm 1.222 mm 1.252 mm 1.285 mm
Reach 425 mm 450 mm 475 mm 500 mm
Stack 625 mm 627 mm 636 mm 654 mm

Das CUBE ONE55 C:62 SLT 29 2023 auf dem Trail

Können Design und Ausstattung auch auf dem Trail überzeugen? Fährt man los zum Trail-Einstieg, sitzt man auf dem CUBE ONE55 C:62 SLT 29 recht weit hinten und tritt so auch von recht weit hinten in die Pedale. Das liegt an der hohen Front und dem flachen Sitzwinkel – das Bike fühlt sich auf ebener Strecke dennoch bequem an. Sobald es aber richtig steil wird, müsst ihr ordentlich Druck auf die Front legen, damit das Vorderrad am Boden bleibt. Andernfalls verpuffen Lenkimpulse im Nirvana. Großes Plus: Das Fahrwerk ist angenehm straff, den Climb-Switch des Dämpfers könnt ihr also getrost unbenutzt lassen. Zusammen mit den leichten und fein profilierten Reifen sowie dem geringen Gewicht des Bikes klettert ihr jeden Uphill flink und leichtfüßig hoch.

Das Staufach des CUBE ist bereits mit allem bestückt, was man auf dem Trail brauchen kann. Allerdings zeigt es in der Handhabung seine Schwächen.

In der Abfahrt rächen sich die unterdimensionierten Reifen dann aber sofort. Denn hier bieten sie weder ausreichend Grip noch genug Pannenschutz und sie schränken das ONE55 ein. Auch wir haben nach wenigen Runs zu den Reifenhebern gegriffen. Startet ihr dann mit neuen Pneus auf den Trail bergab, fällt zunächst einmal die hohe Front auf. Man steht zwar tief und sicher integriert im Bike, hat dadurch aber viel Gewicht weit hinten. Gerade auf flachen Trails kommt somit eher Traktor-Feeling als Flow auf. Vor allem in offenen Kurven muss man deshalb aktiv Druck auf die Front bringen, um Grip am Vorderrad zu generieren. Das Fahrwerk des ONE55 C:62 SLT 29 ist trotz des vielen Federwegs und des großvolumigen Dämpfers auf der straffen Seite. Es bietet viel Gegenhalt und starken Pop und belohnt so Fahrer, die einen aktiven Fahrstil haben, mit ordentlich Speed. Was heißt: Durch Pushen und Ziehen auf Rollern oder in Anliegen werdet ihr richtig schön beschleunigt – hier kommt Pumptrack-Feeling auf und das CUBE wird zur Spaßmaschine auf dem Flowtrail. Die Traktion am Heck ist dennoch gut, auch wenn das Fahrwerk des CUBE sich insgesamt nach weniger Federweg anfühlt als man von den Zahlen erwarten könnte. Wird der Trail allerdings anspruchsvoller, zeigt sich eine große Schwäche des ONE55 C:62 SLT 29: Das CUBE ist auf der einen Seite recht träge und auf der anderen Seite bei High-Speed-Passagen trotzdem etwas nervös. So werden enge Kurven zum Kraftakt und Baller-Trails zum Ritt auf dem wilden Bullen.

Für wen ist das CUBE ONE55 C:62 SLT 29?

Wie die meisten CUBE-Bikes richtet sich auch das ONE55 C:62 SLT 29 an alle, die top Komponenten zum günstigen Preis haben wollen. Durch ihr großes Händlernetzwerk ist das CUBE – vor allem im deutschsprachigen Raum – in vielen lokalen Shops erhältlich und erleichtert euch somit den Kauf, Service und Reparaturen. Kein Wunder, dass CUBE Bikes zu den am weitesten verbreiteten Bike-Marken in Deutschland gehören. Dennoch glänzt das ONE55 mehr auf dem Papier als auf dem Trail.

FAHREIGENSCHAFTEN

UPHILL

  1. schwerfällig
  2. effizient

AGILITÄT

  1. träge
  2. verspielt

LAUFRUHE

  1. nervös
  2. laufruhig

HANDLING

  1. fordernd
  2. gutmütig

FAHRWERK

  1. unsensibel
  2. feinfühlig

FAHRSPAß

  1. langweilig
  2. lebendig

PREIS-LEISTUNG

  1. schlecht
  2. sehr gut

EINSATZBEREICH

Cross Country

Trail

Enduro

Downhill

Das Fazit zum CUBE ONE55 C:62 SLT 29

Das CUBE zeigt vielversprechende Werte, entpuppt sich aber als Schaf im Wolfspelz. Auf dem Papier kommt das CUBE ONE55 C:62 SLT 29 zwar beeindruckend rüber, mit vielen High-End-Parts zu einem günstigen Preis und einigen sinnvollen, guten Rahmendetails. Bei genauerem Hinschauen zeigt es aber deutlich Schwächen in der Ausstattung und kann auch auf dem Trail nicht voll überzeugen. Die hohe Front vermittelt viel Sicherheit, aber die geringe Laufruhe und das träge Fahrverhalten mindern die Trail-Performance deutlich.

Tops

  • viel High-End-Ausstattung zu günstigem Preis
  • solide Rahmendetails

Flops

  • durch hohe Front unausbalanciert
  • weniger Reserven als man denkt
  • Reifen komplett unterdimensioniert
  • nervös und träge

Mehr Informationen findet ihr unter cube.eu

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike 2024 – Die 15 spannendsten Bikes im großen Vergleichstest

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Text: Simon Kohler Fotos: Peter Walker

Über den Autor

Simon Kohler

Simon liebt Geschwindigkeit. Als Downhill Skater ist er lange Zeit Rennen gefahren und mit seinem Longboard Alpenpässe runtergeknallt. Inzwischen hat er vier gegen zwei Reifen eingetauscht und heizt jetzt mit seinem Mountainbike auf Trails und Bikepark Lines. Bei verschiedensten Roadtrips durch die Alpen hat er seither einige der feinsten Trails Europas ausgekostet. Da er einige Zeit in Österreich gelebt hat, kennt er zudem die lokalen Bikeparks wie seine Westentasche. Durch sein Ingenieurstudium und seine Liebe zum Detail ist er ein echter Technik-Nerd und testet jetzt als Redakteur die aktuellsten Bikes und Parts auf Herz und Nieren. Als Frühaufsteher und selbsterklärter Müsli-Connaisseur lebt er sein Leben frei nach dem Motto „Powered by Oats. And also Legs.“