Orbea bietet Ready-to-Ride-Bikes mit starker Trail-Performance. Mit dem MyO-Konfigurator lässt sich zudem nicht nur die Ausstattung der Bikes zusammenstellen, auch der Look kann mit unterschiedlichsten Farben personalisiert werden. Hohe Individualisierbarkeit plus starke Trail-Performance: klingt nach einem Erfolgsrezept. Kann das Occam LT M10 dies umsetzen?

Orbea Occam LT M10 | 160/150 mm (v/h)
15,2 kg in Größe L | 6.038 € | Hersteller-Website

Ein Bike, zwei Charakter. Klingt zwar wie ein billiger Werbeslogan, ist aber genau die Beschreibung des Orbea Occam. Denn neben der von uns getesteten LT-Variante mit 160/150 mm Federweg gibt es auch noch ein kurzhubigeres SL-Modell mit 140 mm an Front und Heck. Den Unterschied macht dabei nur das verbaute Fahrwerk. Beide Modelle gibt es sowohl als Alu- als auch als Carbon-Version. Das Occam LT M10, das für 6.038 € über die Theke geht, kommt dabei nicht mit dem obersten Spec, sondern mit dem, der unserer Meinung nach die beste Trail-Performance bietet, ohne unnötiges Bling-Bling. Dafür ist es eins der günstigsten Bikes im Test, das allerdings mit einem Gewicht von 15,2 kg auch zu den schweren Bikes im Test gehört.

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Das Orbea Occam LT M10 2024 im Detail

Auch die neueste Auflage des Orbea Occam setzt auf eine asymmetrische Strebe, die Steuerrohr und Unterrohr verbindet und ihm so einen markanten Look verleiht. Zudem soll das Carbon des Rahmens in jeder Rahmengröße speziell auf die unterschiedlichen Fahrergewichte abgestimmt sein. Im Unterrohr ist das LockR-Staufach verbaut, das sich mit einem kleinen Hebel öffnen lässt. Im Inneren befindet sich ein wasserfester Beutel, in dem Essentials wie Pumpe, Ersatzschlauch oder Werkzeug verstaut werden können, ohne dass sie nervig klappern. Zusätzlich ist in der Umlenkung des Hinterbaus ein kleines Tool mit 2er-, 3er-, 4er- und 5er-Inbus untergebracht. Bei 5 hört es aber nicht auf: In der hinteren Steckachse lässt sich zudem ein 6er-Inbus herausnehmen. Damit könnt ihr fast alles am Bike anziehen. Die Züge laufen mit einem Orbea-eigenen System durch den Steuersatz in den Rahmen. Dies wurde für das Occam nochmal überarbeitet, um Scheuerstellen an den Zügen zu vermeiden. Der Rahmen kommt bereits ab Werk komplett foliert und ihr habt die Wahl zwischen einer klaren Schutzfolie oder verschiedenen Designs mit einem matten oder glossy Finish. Ein großzügiger Kettenstrebenschutz hält das Bike leise, allerdings tritt der Schaltzug nach oben aus der Kettenstrebe aus, wo er dem Schlagen der Kette ausgesetzt ist und an unserem Test-Bike schon Abnutzung zeigt. Ein kleiner Fender oberhalb des Hauptlagers soll verhindern, dass sich Dreck oder Steine darin ansammeln.

Die Ausstattung des Orbea Occam LT M10 2024

Das Orbea Occam LT M10 bringt einen super soliden Spec mit, auch wenn es nicht die Top-Ausstattung im Line-up ist. Das Fahrwerk kommt aus der FOX Factory-Serie und besteht aus der 36er-Gabel mit GRIP2-Kartusche, die maximale Trail-Performance und Einstellbarkeit bietet, und dem passenden FLOAT X-Dämpfer. Wir haben ebenso die Variante mit Stahlfederdämpfer getestet, aber mit dem poppigeren Luftfeder-Dämpfer passt es besser in das Testfeld der Trail-Bikes. Die Dropper ist die hauseigene OC Mountain Control MC21, die massive 230 mm Hub bietet und dabei voll im Rahmen versenkt werden kann – und das in allen Rahmengrößen. Wem das zu viel ist, der kann im Konfigurator aber auch kürzere Varianten bis auf minimal 125 mm Hub wählen – stark! Schaltung und Bremsen kommen aus der XT-Serie von Shimano. Letztere werden mit einer 200-mm-Bremsscheibe an der Front und einer 180er am Heck kombiniert. Für ein so potentes Trail-Bike wie das Occam empfehlen wir in jedem Fall 200-mm-Scheiben auch für das Heck, damit ihr bei langen Abfahrten keine Probleme mit überhitzten Bremsen bekommt. Auf die eigenen OQUO Mountain Control MC23TEAM Alu-Laufräder sind Reifen von MAXXIS aufgezogen: vorne ein ASSEGAI und hinten ein DHR II. Beide kommen in der weichen MaxxGrip-Gummimischung und mit bombensicherer DH-Karkasse. Eine brutale Reifenkombi, die super viel Abfahrts-Performance bringt, an einem Trail-Bike aber zu extrem ist. Die Profile sind gut, aber wir raten euch, hinten einen Reifen mit etwas härterer MaxxTerra-Gummimischung zu verbauen, damit Rollwiderstand und Verschleiß sich im Rahmen halten. Zudem wären Reifen mit leichterer EXO+ Karkasse (oder Doubledown, wenn ihr es richtig krachen lassen wollt) passender. Leider ist die einzig andere Reifenoption im Konfigurator nur mit superdünner EXO-Karkasse und der harten MaxxTerra-Mischung an der Front erhältlich – hier wäre eine Option zwischen diesen beiden Extremen wünschenswert.

Das Occam bietet mit einem Flip-Chip, integrierten Tool und Staufach einige nützliche und gut umgesetzte Rahmendetails.

Lock(e)r verstaut
Das LockR-Staufach des Occam bietet eine gute Bedienbarkeit und hat Platz für alle Trail-Essentials.
Versteckspiel
Das FLP-Multitool ist auf der rechten Seite in der Aufnahme der Dämpferwippe versteckt und hat einen 2er-, 3er-, 4er- und 5er-Inbus integriert.
Flippin’ easy
Die Rahmengeometrie zu ändern, war noch nie so einfach wie mit dem Orbea Occam. In wenigen Sekunden kann man mit dem Flip-Chip zwischen High- und Low-Setting wechseln.
Brutalo-Spec
Die DH-Reifen, die an unserem Test-Bike verbaut waren, bieten eine starke Bergab-Performance, den Berg hochtreten möchte man sie aber lieber nicht.
Wrong Place Wrong Time
Der Kettenstrebenschutz macht seinen Job gut, doch leider tritt der Schaltzug an einer ungünstigen Stelle aus, wo er vom Schlagen der Kette betroffen ist.

Orbea Occam LT M10

6.038 €

Specifications

Fork FOX 36 Factory GRIP2 160 mm
Rear Shock FOX FLOAT X Factory 150 mm
Seatpost OC Mountain Control MC21 230 mm
Brakes Shimano XT 200/180 mm
Drivetrain Shimano XT 1x12
Stem OC Mountain Control MC10 40 mm
Handlebar OC Mountain Control MC10 Carbon 800 mm
Wheelset OQUO Mountain Control MC32TEAM Alu 29"
Tires MAXXIS ASSEGAI, MaxxGrip, DH Casing/Minion DHR II MaxxGrip, DH Casing 2,5"/2,4"

Technical Data

Size S M L XL
Weight 15,2 kg

Specific Features

Staufach
integriertes Tool
Flip-Chip

Tuning-Tipp: für Trail-Bike passende Reifen mit leichterer Karkasse wie EXO+ oder Doubledown

Helm Giro Merit Spherical | Brille 1 Glendale | Shirt ION Scrub
Hose ION Tech Logo | Schuhe Ride Concepts Accomplice

Die Geometrie des Orbea Occam LT 2024

Das Orbea Occam LT wird in vier Größen von S bis XL angeboten. In unserer Größe L hat es bei einem Reach von 480 mm ein sehr kurzes Sattelrohr mit 430 mm, das euch zusammen mit der extrem langen, voll versenkbaren Dropper massig Bewegungsfreiheit auf dem Bike gibt. Zur Änderung der Geometrie hat Orbea ein neues Flip-Chip-System verbaut, mit dem ihr blitzschnell die Geometrie des Bikes ändern könnt. Alles, was ihr dazu machen müsst, ist die Schraube der hinteren Dämpferaufnahme zu lösen, den Rahmen in die gewünschte Position – High oder Low – zu bringen und die Schraube wieder festzuziehen. Gefummel mit herunterfallenden Schrauben gehört bei dem Occam also der Vergangenheit an. Dabei werden Sitz- und Lenkwinkel von 77° bzw. 64° jeweils um einen halben Grad steiler und das Tretlager hebt sich um 8 mm. Der dafür benötigte 6er-Inbus kann einfach aus der Steckachse des Bikes genommen werden – lässig. Wir sind das Bike vornehmlich im Low-Setting gefahren. Durch spezielle System-Alignment-Teile soll der Dämpfer des Occam schon bei der Montage perfekt mittig ausgerichtet werden und somit weniger Belastung auf Schrauben und Lager bringen. Schade ist allerdings, dass die Kettenstreben nicht mitwachsen und über alle Rahmengrößen hinweg 440 mm lang sind.

Größe S M L XL
Oberrohr 572 mm 598 mm 625 mm 653 mm
Sattelrohr 405 mm 415 mm 430 mm 460 mm
Steuerrohr 95 mm 100 mm 110 mm 120 mm
Lenkwinkel 64,0° 64,0° 64,0° 64,0°
Sitzwinkel 77,0° 77,0° 77,0° 77,0°
Kettenstrebe 440 mm 440 mm 440 mm 440 mm
Tretlagerabsenkung 36 mm 36 mm 36 mm 36 mm
Radstand 1.200 mm 1.227 mm 1.257 mm 1.286 mm
Reach 430 mm 455 mm 480 mm 505 mm
Stack 621 mm 625 mm 635 mm 644 mm

Das Orbea Occam LT M10 2024 auf dem Trail

Spanischer Reinhold Messner auf Rädern? Tritt man das Occam LT M10 bergauf zum Trail-Einstieg, hat es eigentlich das Potenzial zu einem der besten Kletterer im Test. Die Sitzposition ist absolut komfortabel, man sitzt schön zentral auf dem Bike, egal ob man in der Ebene fährt oder eine steile Rampe hochkurbelt. Dabei hat man immer genug Druck auf der Front und der Hinterbau ist angenehm neutral, ohne übermäßig straff zu sein. Allerdings nehmen die dicken, weichen Reifen dem Orbea wieder einiges an Spritzigkeit und so wird der Uphill eher zum Mittel zum Zweck. Wer also viele Höhenmeter macht, profitiert von frischen Schlappen.

Das Orbea Occam ist eine wahre Ballermaschine und perfekt für alle, die sich nicht so recht zwischen Enduro- und Trail-Bike entscheiden können.

Startet man dann auf den Trail, merkt man schnell, dass das Orbea einfach in einer anderen Liga fährt – aber im Guten, wie im Schlechten. Bereits auf den ersten Metern fühlt man sich mit dem Occam auf dem Trail schnell wie ein Fisch im Wasser. Eingewöhnungszeit wird keine benötigt, draufstehen und wohlfühlen ist hier die Devise. Man ist sofort perfekt integriert zwischen Front und Heck. Und das auch mental: Es reicht, nur an eine Kurve oder einen Anlieger zu denken, schon lenkt das Occam quasi automatisch ein. Zudem bietet das Bike eine brutale Laufruhe, Steinfelder, High-Speed-Passagen, Wurzelteppiche oder Steeps: Auf dem Orbea hat man in allen Lebenslagen extrem viel Sicherheit und brät einfach über alles drüber, was sich einem in den Weg stellt. Das geht allerdings auf Kosten der Agilität. Hier muss das Occam zurückstecken und ist in etwa auf Höhe des SCOTT. Man kann es immer noch ohne große Probleme durch enge Trail-Sektionen durchfädeln, es kann hier aber nicht ganz mit den spritzigen Trail-Geschossen aus dem Test mithalten. Das Fahrwerk des Orbea ist sehr satt – auch schon mit Luftdämpfer. Mit Stahlfederdämpfer liegt es noch mehr auf dem Trail und gewinnt nochmal mehr an Laufruhe. Da das Occam aber in Sachen Laufruhe sowieso schon außer Konkurrenz in diesem Test ist, haben wir es lieber mit Luftfeder aufgenommen. Damit bekommt es noch mehr Pop und Agilität. So kann man mit dem Bike auch ohne Probleme über Flowtrails schießen und wird durch Pumpen zusätzlich mit ordentlich Schwung belohnt. Sehr gut: Das Fahrwerk hat gleichzeitig eine starke Traktion, was zum hohen Sicherheitsgefühl des Occam beiträgt.

Für wen ist das Orbea Occam LT M10 2024?

Mit dem besonderen Verkaufskonzept von Orbea, sich das Bike online selbst nach Lust und Laune zusammenzustellen, es dann aber bei einem Händler entgegenzunehmen, bekommt man die starke Preis-Leistung eines Versenders gemischt mit dem Support eines Händlers. Das Occam mit unserem Spec eignet sich durch seine starke Trail-Performance mit extrem hoher Laufruhe vor allem für Leute, die sich nicht zwischen einem spritzigen Trail-Bike und einem laufruhigen Enduro entscheiden können. Denn das Orbea steht mit seinen Fahreigenschaften genau dazwischen.

FAHREIGENSCHAFTEN

UPHILL

  1. schwerfällig
  2. effizient

AGILITÄT

  1. träge
  2. verspielt

LAUFRUHE

  1. nervös
  2. laufruhig

HANDLING

  1. fordernd
  2. gutmütig

FAHRWERK

  1. unsensibel
  2. feinfühlig

FAHRSPAß

  1. langweilig
  2. lebendig

PREIS-LEISTUNG

  1. schlecht
  2. sehr gut

EINSATZBEREICH

Cross Country

Trail

Enduro

Downhill

Das Fazit zum Orbea Occam LT M10 2024

Das Orbea Occam LT M10 basiert auf einer vielseitigen, starken Rahmenplattform, bei der man sich mit dem MyO-Konfigurator individuell Parts und Look zusammenstellen kann. Es ist ein guter Climber, mit komfortabler Sitzposition und neutralem Fahrwerk. Geht es bergab, ist das Occam der Goliath im Testfeld. Besondere Pluspunkte sind die brutale Laufruhe und Sicherheit, was allerdings etwas zulasten der Agilität geht. Insgesamt ist es aber ein sehr starkes Trail-Bike, das schon an der Enduro-Kategorie schnuppert.

Tops

  • unglaublich hohe Laufruhe
  • super einfaches Handling
  • sehr starkes Fahrwerk

Flops

  • Kette schlägt auf Schaltzug

Mehr Informationen findet ihr unter orbea.com

Das Testfeld

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Text: Simon Kohler Fotos: Peter Walker

Über den Autor

Simon Kohler

Simon liebt Geschwindigkeit. Als Downhill Skater ist er lange Zeit Rennen gefahren und mit seinem Longboard Alpenpässe runtergeknallt. Inzwischen hat er vier gegen zwei Reifen eingetauscht und heizt jetzt mit seinem Mountainbike auf Trails und Bikepark Lines. Bei verschiedensten Roadtrips durch die Alpen hat er seither einige der feinsten Trails Europas ausgekostet. Da er einige Zeit in Österreich gelebt hat, kennt er zudem die lokalen Bikeparks wie seine Westentasche. Durch sein Ingenieurstudium und seine Liebe zum Detail ist er ein echter Technik-Nerd und testet jetzt als Redakteur die aktuellsten Bikes und Parts auf Herz und Nieren. Als Frühaufsteher und selbsterklärter Müsli-Connaisseur lebt er sein Leben frei nach dem Motto „Powered by Oats. And also Legs.“